Bundeskanzler Friedrich Merz ist laut einer internationalen Umfrage der unbeliebteste Regierungschef unter führenden Demokratien. Wie das US-Meinungsforschungsinstitut Morning Consult ermittelte, sind nur 19 Prozent der Befragten in Deutschland mit seiner Arbeit zufrieden. Gleichzeitig liegt die Ablehnung bei 76 Prozent – der höchste Wert unter den 24 untersuchten Staats- und Regierungschefs.
Bei der Zustimmung liegt Merz damit zwar knapp vor Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der auf 18 Prozent kommt. In der Gesamtbetrachtung fällt der deutsche Kanzler jedoch besonders deutlich zurück, weil kein anderer Regierungschef auf eine ähnlich hohe Ablehnung stößt.
Die höchsten Zustimmungswerte erreichen laut der Erhebung Indiens Premierminister Narendra Modi mit rund 70 Prozent, Südkoreas Präsident Lee Jae-myung sowie Tschechiens Regierungschef Andrej Babiš.
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Auch deutsche Umfragen bestätigen schwache Werte
Die Ergebnisse decken sich mit aktuellen Zahlen aus Deutschland. In einer Umfrage des Instituts Forsa im Auftrag von RTL äußerten sich 78 Prozent der Befragten unzufrieden mit Merz, nur 20 Prozent zeigten sich zufrieden. Der Leiter von Forsa, Manfred Güllner, erklärte gegenüber Euronews, Merz sei bereits in früheren Jahren „einer der unpopulärsten politischen Akteure“ gewesen. Auch nach seiner Rückkehr in die Politik habe sich daran wenig geändert.
Besonders groß seien die Vorbehalte demnach bei Frauen, jüngeren Wählern und in Ostdeutschland.
Kritik aus verschiedenen politischen Lagern
Als Gründe für die schwachen Werte nennen Meinungsforscher unter anderem enttäuschte Erwartungen und die wirtschaftliche Lage. Der Leiter des Instituts Insa, Hermann Binkert, sagte laut Euronews, viele Wähler sähen Deutschland in einer „Abwärtsspirale“. Zudem werde Merz vorgeworfen, Wahlversprechen nicht eingehalten zu haben.
Unzufriedenheit gebe es sowohl im konservativen als auch im progressiven Lager. „Weder das bürgerlich-konservative noch das linksliberale Lager ist zufrieden mit der Arbeit der Regierung“, sagte Binkert.
Vergleich mit anderen Staatschefs
Auch andere Regierungschefs schneiden in der internationalen Umfrage schwach ab – allerdings zeigt sich das deutlich weniger ausgeprägt als bei Merz. US-Präsident Donald Trump kommt laut Morning Consult auf rund 38 Prozent Zustimmung bei 57 Prozent Ablehnung und liegt damit im Mittelfeld. Ähnlich schneiden Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez und Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni ab.
Selbst Regierungschefs mit vergleichsweise niedrigen Zustimmungswerten erreichen damit deutlich geringere Ablehnungswerte als Merz. Der deutsche Kanzler hebt sich im internationalen Vergleich vor allem durch die Kombination aus niedriger Zustimmung und besonders hoher Ablehnung ab.
Historischer Vergleich fällt deutlich aus
Auffällig ist der Vergleich mit früheren Bundeskanzlern. Laut Forsa-Leiter Güllner lag selbst Olaf Scholz in seiner schwächsten Phase deutlich über den aktuellen Werten von Merz. Im Sommer 2024 erreichte Scholz demnach noch 28 Prozent Zustimmung. Vor allem frühere Kanzler wie Konrad Adenauer, Willy Brandt oder Gerhard Schröder hätten deutlich höhere Zustimmungswerte erzielt.
Die aktuelle Unzufriedenheit sei daher kein generelles Misstrauen der Deutschen gegenüber politischer Führung, sondern richte sich gezielt gegen Merz, sagte Güllner.
Methodik und Einordnung
Die Daten stammen aus einem internationalen Tracking von Morning Consult, das regelmäßig die Zustimmung zu Regierungschefs in mehreren Demokratien erhebt. Grundlage ist ein gleitender 7-Tage-Durchschnitt von Befragungen unter Erwachsenen in den jeweiligen Ländern. Einschränkungen ergeben sich laut Experten vor allem bei einzelnen Ländern. So ist etwa unklar, inwieweit die Ergebnisse aus Staaten wie der Türkei vergleichbar sind, die teils nicht mehr als vollwertige Demokratien eingeordnet werden.
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