Wahlumfragen

Auf der Suche nach dem Berlin-Trend

Wahlkämpfer verzweifeln. Eine Woche vor der Wahl sind die Umfragen widersprüchlich.

Jan Thomsen und Vera Bannhagel
3 Min
Eine Woche vor der Wahl sind die Umfrageergebnisse noch immer widersprüchlich.

Eine Woche vor der Wahl sind die Umfrageergebnisse noch immer widersprüchlich.

© picture alliance / dpa

Allmählich wünscht man sich fast, die Wahlen in Berlin würden noch ein halbes Jahr aufgeschoben – so interessant entwickeln sich derzeit die Umfragen. Doch der Termin steht unverrückbar fest: Am 18. September wird ein neues Abgeordnetenhaus gewählt, also an diesem Sonntag in exakt einer Woche. Und der Trend? Bleibt unklar.

Innerhalb eines Tages sind neue Umfragen – am Donnerstagabend eine von Infratest dimap für die ARD, am Freitagmorgen (erstmals) eine der Forschungsgruppe Wahlen fürs ZDF – bekanntgeworden, die sich kräftig widersprechen (siehe Grafiken). Insbesondere, was die SPD angeht: Infratest sieht die Sozialdemokraten seit zwei Monaten und drei Umfragen bei 21 Prozent – das wäre ihr historisch schlechtestes Ergebnis in Berlin. Kein Institut schätzte die Partei des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller schwächer ein, lediglich INSA aus Erfurt sah die SPD im Juli ebenso bei 21 Prozent. Im August zählte INSA bereits 23 Prozent und bleibt damit das bisher einzige Institut, das einen Aufwärtstrend der Sozis registriert hat. Anfang der kommenden Woche soll es noch einmal INSA-Zahlen geben, so die Erfurter.

Zustimmung für Rot-Rot-Grün

Bislang hatte nur das Meinungsforschungsinstitut Forsa, das auch im Auftrag der Berliner Zeitung arbeitet, die Sozialdemokraten deutlich vor den anderen Parteien gesehen, allerdings zuletzt mit fallender Tendenz. Auch Forsa wird (für die Berliner Zeitung) in der Vorwahlwoche noch einmal Zahlen veröffentlichen, ebenso die Forschungsgruppe Wahlen aus Mannheim. Auch sie sieht die SPD aktuell bei 24 Prozent, derzeit der höchste Wert. Ein Trend ist das noch nicht.

Doch es könnte einer werden. Dafür spricht etwa das Ergebnis der Forschungsgruppe, dass 41 Prozent der Berliner sich die SPD als führende Senatspartei wünschen: annähernd doppelt so viele, wie sie wählen wollen. CDU (16), Grüne (7) und Linke (7) möchte dagegen fast niemand als stärkste Partei im Senat sehen, die dann ja auch den Regierenden Bürgermeister stellt. Zudem sind Müllers Werte bei einer (fiktiven) Direktwahl klar besser als die von Frank Henkel (CDU): bei der Forschungsgruppe (mit 59 zu 19 Punkten) noch viel deutlicher als bei Infratest (44 zu 19) oder Forsa (46 zu 16). Auch der von der CDU als Abschreckung geplante Slogan „Rot-Rot-Grün verhindern“ schockiert die Berliner keineswegs. Im Gegenteil: Die Forschungsgruppe misst eine Zustimmung von 43 Prozent für den Dreier aus SPD, Grünen und Linken. Bei Rot-Schwarz bleiben wollen nur 37 Prozent.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema