Der Zirkus Flic Flac schlägt Anfang März seine Zelte auf dem RAW-Gelände auf.
© imago/imagebroker
Scheitel, schwarzes Bärtchen, Ledermantel, eindeutige Pose: So ist der Schauspieler Holger Kugele (45) auf dem Großplakat zu sehen. Er wird umringt von einem blutüberströmten Mann, einem Vampir wie aus dem Film „Nosferatu“ und einer Gruselversion von Marilyn Monroe – aber alle Passanten gucken natürlich zuerst auf „Hitler“. Schräg über dem Quartett steht in gelben Lettern: „Flic Flac präsentiert Freaks. Die 20 gestörtesten Artisten der Welt“.
„In einem Zirkus ist kein Platz für Rassismus“
Die Berliner Zeitung wollte vom Veranstalter wissen, was er sich bei dem Plakat gedacht hat und ob in der Zirkus-Show (ab 8. März auf dem RAW-Gelände) wirklich ein „Hitler“ auftritt. Produzent Hubertus Wawra: „Wir glauben daran, dass Lachen die andere Seite entmachtet, und selbstverständlich finden wir unsere Figur ,Addi’ geschmacklos und lächerlich zugleich. Genau deshalb greifen wir dieses Thema auf. Was dabei rauskommt, werden wir erst wissen, wenn das Publikum entscheidet.“
Scheitel und Bärtchen sitzen: Holger Kugele (45) spielt in „Freaks“ die Figur des „Addi“.
© Flic Flac
Und dieses Urteil wird stark davon abhängen, ob „Addi“ wirklich als Witzfigur rüberkommt. Ein künstlerischer Drahtseil-Akt, der misslingen kann. Eines sei klar, beteuert Wawra, „in einem Zirkus ist kein Platz für Rassismus“. Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass der echte Adolf Hitler oft im Zirkus war – als Hass-Redner. Im Vorlauf des sogenannten Hitlerputsches rief er am 30. Oktober 1923 im Circus Krone zum Aufstand auf. Auch im Zirkus Sarrasani sprach er.
Vertreter der Berliner Jüdischen Gemeinde wie Mike Samuel Delberg blicken mit Skepsis auf die geplante „Freaks“-Show: Die Grenze sei erreicht, wenn Hitler „als sympathische Person“ dargestellt werde.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de