Köln - Etwa 270 000 Tonnen Kunststoff treiben in den Meeren der Welt. Plastik in den Ozeanen ist eines der größten Umweltprobleme unserer Zeit – und es ist unlösbar, sagen Experten: „Das Sammeln von Müll im Meer und am Strand ist aufwendig, kostspielig und erreicht nur einen kleinen Teil des Mülls“, kommentiert etwa das Umweltbundesamt im Internet die Problematik. Vielmehr müsse mehr recycelt werden, um die Meere zumindest nicht weiter zu verschmutzen.
Boyan Slat reicht das nicht. Der 21-jährige Niederländer aus Delft bei Den Haag hat eine Stiftung gegründet, um die Meere vom Müll zu befreien: „The Ocean Cleanup“. Slats Vision: Riesige Fangarme mit Netzen sollen in den Ozeanen treibenden Müll sammeln – ohne das natürliche Leben im Meer zu stören.
Seine Vision wird jetzt zumindest in kleinen Schritten Wirklichkeit. Vor der niederländischen Küste errichtet das „Ocean Cleanup“-Team in den nächsten Wochen und Monaten eine hundert Meter lange Pilotanlage auf offenem Meer, 23 Kilometer von der Küste entfernt. Mitte des Jahres soll eine weitere Anlage vor der japanischen Insel Tsushima folgen. Sollte sich das Konzept bewähren, planen die Umweltschützer für 2020 die erste voll entwickelte „Ocean-Cleanup“-Müllsammelanlage zwischen Hawaii und Kalifornien, die sich mehr als 100 Kilometer durch das Meer ziehen soll.
Drei Virtel des Mülls aus Kunststoffen
Die Idee zu seinem Projekt kam dem jungen Mann mit den schwarzen Locken während eines Griechenland-Urlaubs vor etwa vier Jahren. Beim Tauchen entdeckte er im Wasser mehr Müll als Fische. Er schmiss sein Studium und gründete mit Gleichgesinnten „The Ocean Cleanup“. Ein Crowdfunding im Internet besorgte das nötige Startkapital. Mehr als zwei Millionen Euro kamen zusammen.
Einen Teil des Geldes steckte Slat in eine Forschungsexpedition vor Hawaii. „Wir haben während dieser Expedition versucht zu beziffern, wie viel Plastik wirklich im Meer ist, und haben mehr Messungen in drei Wochen gemacht, als in den vergangenen 40 Jahren gemacht wurden.“ Mehr als 25 Angestellte und über 100 Freiwillige engagieren sich mittlerweile für „The Ocean Cleanup“. Unternehmen unterstützen das Projekt mit Spenden.
Drei Viertel des Mülls in den Weltmeeren besteht aus Kunststoffen, deren Abbau Jahrhunderte benötigt, schätzt das Umweltbundesamt. Die treibenden Abfälle bedrohen das Leben vieler Tiere, die sich an Müllteilen verschlucken oder damit strangulieren. „Jede Woche landet Plastik in den Ozeanen, mit dem man zweimal das Empire State Building füllen könnte. Es schädigt das Ökosystem, schädigt die Wirtschaft. Es landet auch in der Lebensmittelkette und schadet damit auch uns. Wir müssen aufräumen, bevor es zu spät ist“, sagt Slat. Und fängt an.
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