UN-Klimakonferenz

Japan lässt seine Klimaziele fallen

Japan hat sein Ziel zur Senkung der Treibhausgase gekippt. Wegen der Abschaltung sämtlicher Meiler in Folge der Atomkatastrophe in Fukushima ist Japan verstärkt auf die Verbrennung von Gas, Öl und Kohle angewiesen.

Inna Hartwich
3 Min

Japan war einmal stolz darauf, beim Klimaschutz weltweit zu den Vorreitern zu gehören. Nun hat die Regierung in Tokio ihre bisherige Politik komplett umgeworfen. Das Ziel, in Japan im Jahr 2020 ein Viertel weniger Treibhausgase auszustoßen als noch 1990, sei nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima und der folgenden Wende in der Nuklearpolitik „nicht realisierbar“ und „völlig gegenstandslos“, sagte Regierungssprecher Yoshihide Suga am Freitag in Tokio. Das neue Ziel sei nun, den Ausstoß bis zum besagten Zeitpunkt um 3,8 Prozent unter das Niveau von 2005 zu bringen. Gegenüber 1990, dem Basisjahr für das Klimaschutzprotokoll von Kyoto, bedeutet das aber eine Zunahme der Emissionen um drei Prozent.

Bislang hatten sich die Japaner zu ihrer Selbstverpflichtung bekannt, Jahr für Jahr ihre CO2 -Emissionen um jeweils rund 1,2 Milliarden Tonnen zu reduzieren. Seit 1990 hat das Land nach eigenen Angaben seine Emissionen um 13 Prozent verringert und war damit auf dem besten Wege, das 25-Prozent-Ziel zu erreichen. Doch dann kam vor zwei Jahren der GAU in Fukushima.

Die Nachricht vom japanischen Rückzieher platzte mitten in die Verhandlungen auf der UN-Klimakonferenz in Warschau. Der deutsche BUND sprach von einem „Schlag ins Gesicht der Klimaopfer“. Selbst die Chinesen, die sich mit Verweis auf ihren Status als Schwellenland oft aus der Verantwortung für den Klimaschutz zu stehlen versuchen, reagierten empört. Tokio aber beharrt auf seinem drastischen Schritt.

Bis zum GAU in Fukushima bezog das Land ein Drittel seines Strombedarfs aus Atomkraftwerken. Mittlerweile setzen die Japaner auf die Verbrennung von importiertem Gas, Öl und Kohle. Damit steigen auch die CO2 -Emissionen. „Wir werden unsere Energiepolitik überprüfen und dann unser Ziel endgültig beschließen“, sagte Regierungssprecher Suga. Umweltminister Nobuteru Ishihara werde dann in den kommenden Tagen die neuen Pläne in Warschau erläutern.

Seit vor etwa zwei Monaten der Reaktor Nummer 4 im AKW Oi als letzte von 54 japanischen Atomanlagen für gesetzlich vorgeschriebene Unterhalts- und Kontrollarbeiten vom Netz ging, muss Japan zum dritten Mal seit Anbruch des Atomzeitalters komplett ohne Nuklearstrom auskommen. Das aber soll nicht so bleiben. Die staatliche Nuklearbehörde prüft derzeit Anträge von vier AKW-Betreibern. Können sie ihre Kernkraftwerke wieder hochfahren – „nur wenn sie sicher sind“, wie Präsident Shinzo Abe stets betont –, dann wird auch das neue Klimaziel der Regierung womöglich bereinigt werden. Erst einmal startet das Land aber ohne Atomstrom in den Winter. Japanische Energieproduzenten sind beunruhigt und warnen seit Wochen vor Stromausfällen.

Im havarierten AKW Fukushima haben es die Arbeiter derweil abermals mit Lecks zu tun. Das verseuchte Wasser aus der Kühlung der Reaktoren bleibe allerdings innerhalb der Tankbecken, versicherten japanische Medien.

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