Un-Zeitgemäß

Karl.Heinz Bergmann
2 Min

Wie gut für Peter Boenisch, dass er keine Frau ist. Sonst hätte ihm Ostersonntag zum Galopperauftakt in Berlin-Hoppegarten eventuell ein Malheur gedroht. Wie gut, dass ihn Appetit und Durst nicht an einen der Versorgungskioske getrieben haben. Wie gut, dass er als Präsident des für Hoppegarten verantwortlichen Union-Klubs keine Hilfe beim Ausfüllen der Wettscheine benötigt. Sonst wäre Boenisch trotz Bilderbuchsonnenschein, spannendem Sport und erfreulichem Wettumsatz wohl doch ziemlich verärgert gewesen.13 600 Zuschauer hatten am Sonntag den Weg nach Hoppegarten gefunden. Die Suche nach den Damentoiletten gestaltete sich dann allerdings schwieriger als der Weg vom Alexanderplatz bis zur Rennbahn. Vor der einen (in Zahlen: 1), die für das große Publikum zugänglich war, hatte sich rasch eine fünfzig Meter lange Schlange gebildet. Aber die Besucherinnen waren ja schon Geduld gewöhnt vom Anstehen nach Brat- und Bockwurst, Cola und Bier. Unter einer Viertelstunde ging nichts. Und da Getränke nun in Gläsern statt in Plastikbechern ausgeschenkt werden, durfte man sich gleich noch einmal einreihen, um das Gläserpfand zurückzubekommen. Wer schließlich den Mut besaß, sich dem Toto-Personal fragend zu nähern, musste feststellen, dass zwei von drei Leuten hinter dem Schalter, nicht wussten, wie und was man zum Beispiel bei einer Zwillingswette ankreuzen muss."Flair und Ambiente auf einem zeitgemäßen Niveau", hatte Union-Klub-Chef Peter Boenisch mehrfach für Hoppegarten versprochen. Schon vor vier Wochen war die Eröffnung des Edelrestaurants Oleander unterhalb der Vip-Tribüne angekündigt worden. Für die Promis schwinge jetzt ein Starkoch den Kochlöffel, hieß es. Hummer, Austern, Scampi würden jetzt serviert."Flair und Ambiente" hätte sich das gemeine Publikum, das immer noch das meiste Geld in die Totokassen bringt, zum Saisonauftakt ebenfalls gewünscht. Doch an den Normal-Zuschauer hat niemand gedacht. Wer sich aber nur um die Schönen und Reichen bemüht, wie es der Union-Klub offensichtlich tut, der dürfte bald eine böse Überraschung erleben. Es gibt auch andere Ausflugsziele in der Region.

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