BERLIN/COTTBUS. Die evangelische Kirchenleitung in Berlin-Brandenburg steht geschlossen hinter dem schwer erkrankten Generalsuperintendenten Rolf Wischnath. Überraschend hat die Kirchenleitung am Freitagabend in Abwesenheit Wischnaths den einstimmigen Beschluss gefasst, dass der 54-jährige Cottbuser Theologe nicht im Verdacht stehe, mit der DDR-Staatssicherheit kooperiert zu haben. "Diese Einschätzung ist durch Nachfragen bei der Beauftragten für die Unterlagen der Staatssicherheit der ehemaligen DDR bestätigt worden", heißt es im Beschluss. Wie berichtet, war der Konflikt zwischen Wischnath und der Kirche ausgebrochen, nachdem der Spiegel angebliche Kungeleien der Kirchenleitung mit dem Bundesamt für Verfassungsschutz veröffentlicht hatte. Wischnath hatte den Kirchenchefs daraufhin vorgeworfen, hinter seinem Rücken dem Verdacht auf Stasi-Mitarbeit nachgegangen zu sein. Die Kirchenleitung will den Fall erst erneut aufgreifen, wenn Wischnath wieder gesund ist - voraussichtlich frühestens in einigen Wochen. Solange soll Superintendent Eckhart Fichtmüller aus Fürstenwalde (Oder-Spree) kommissarisch die Aufgaben von Wischnath übernehmen. Eine unabhängige Persönlichkeit soll zudem den gesamten Vorgang untersuchen und so schnell wie möglich einen Bericht dazu vorlegen. Die Kirchenleitung wies Unterstellungen zurück, Wischnath disziplinieren zu wollen. Innerhalb der Kirche hat der Vorfall für erhebliche Unruhe gesorgt - selbst in höchsten Kreisen der EKD. Der im Ruhestand lebende Propst Hans-Otto Furian hatte an die Kirchenleitung appelliert, mögliches Fehlverhalten von einigen ihrer Mitglieder auch öffentlich klarzustellen. Bischof Huber selbst spricht in einem Brief an alle 1,2 Millionen Gemeindemitglieder davon, dass ein Beben durch unsere Kirche geht. Im Beschluss heißt es, dass insbesondere der Bischof, aber auch die gesamte Kirchenleitung zu Gesprächen bei Pfarrkonventen, Kreissynoden und anderen Zusammenkünften bereit seien: "Die Kirchenleitung weiß, dass insbesondere die Tatsache, dass Wischnath nicht sofort informiert wurde, Kritik ausgelöst hat."
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de