Kolumne

Und jetzt alle: Grundlagen des Stoßlüftens

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann erklärt, wie man die Heizung runterdreht. Das kann nicht alles sein, findet unser Autor.

André Mielke
3 Min
Energiesparen. Selbst kleinste Beiträge helfen, sagen die Befürworter. Andere sehen das kritischer.

Energiesparen. Selbst kleinste Beiträge helfen, sagen die Befürworter. Andere sehen das kritischer.

© imago/ U. J. Alexander

Falls Sie, liebe Lesende, sich in einem Gebäude aufhalten, stellen Sie sich bitte an ein Fenster. Fenster sind verglaste Rahmen, durch welche man, wenn denn die Scheiben geputzt sind, nach draußen gucken kann. Meist gibt es daran Knäufe oder Hebel. Fensterriegel. Ergreifen Sie den Riegel. Probieren Sie, in welche Richtung er sich drehen lässt. In der Ruhe liegt die Kraft.

Nach erfolgter Bewegung stoßen Sie auf Widerstand? Gut. Ziehen Sie nun den Riegel und das anhängende Fenster entschlossen zu sich. Gratulation, mit Glück und Geschick ist Ihnen der Einstieg ins Stoßlüften gelungen. Sie haben ein Fenster geöffnet, im Idealfall sperrangelweit.

Diese Einleitung wirkt, als brauche der Kolumnist Hilfe. Nein, im Gegenteil: Sie brauchen Hilfe. Ich erledige hier nur ein Weiterbildungskapitel, das Winfried Kretschmann übrig gelassen hat. Seinem Beispiel folgend versuche ich Ihnen zu vermitteln, wie sich Energie und Geld sparen lassen. Der Ministerpräsident von Baden-Württemberg hält auf YouTube eine Videolektion, die sich auf die „Nachtabsenkung bei der Heizung“ konzentriert. Seine höchstamtlichen Instruktionen sind unverzichtbar. Denn nur wenige Bürger haben von der Thematik je gehört, und die tragen zur Nachtabsenkung ihre Heizungen abends in den Keller.

Besagter betagter Herr kniet im Film vor einem Heizkörper. Er schnarrt: „Einfach vorm Ins-Bett-Gehen den Thermostat runterdrehen“, packt besagten Regler und dreht ihn von Temperaturstufe drei auf eins. Ein nachträglich eingezeichneter Pfeil gibt dem atemlos staunenden Publikum die Richtung vor. Nach rechts, merken Sie sich das.

Lifehacks aus dem Cleverländ

Die Jugend nennt solche verblüffenden Alltagsbewältigungstricks „Lifehacks“. Kretschmanns Präsentation läuft unter „Cleverländ“. Tatsächlich ist es clever, mündige Menschen anschaulich zu instruieren. Als Kretschmann neulich eher nebenbei anregte, einen Waschlappen statt der Dusche zu verwenden, wurde er weithin missverstanden, mich eingeschlossen: So lange ich mir in der Wanne den Feudel auch über den Kopf hielt, es kam, verdammt nochmal, kein Wasser.

Ihre Zahl scheint zwar zuzunehmen, doch leider gibt es noch nicht genug Vollblutfunktionäre, die wissen, wofür sie gewählt wurden und dass ihre Überlebenshilfen und Verhaltenstipps dort einen Nerv treffen, wo gerade um wirtschaftliche und sonstige Existenzen gebangt wird.

In Zeiten der Not haken sie sich bei den ihnen anvertrauten Bürgern unter beziehungsweise nehmen selbige an die Hand. You’ll never walk alone. Eine volksfürsorgliche Pioniertat vollbrachte einst Ursula von der Leyen, indem sie, die „Ode an die Freude“ summend, ganz Europa demonstrierte, wie man sich die Hände wäscht. Solch Führungsstil ist politischer Instinkt. Den kannst du nicht lernen.

Ich wiederum, liebe Leser, erläutere Ihnen demnächst, wie sich beim Verlassen eines Raumes dessen Beleuchtung deaktivieren lässt. Halten Sie sich fest, das geht. Der Clou: Eine stromlose Lampe verbraucht null Strom. Die hängt dann einfach da und kostet keinen Cent mehr. Dazu braucht man, so viel sei schon verraten, „Schalter“. Wer die handhaben kann, liegt im Cleverländ weit vorn. Derzeit arbeite ich mich in die Technik ein. Sollte ich sie je beherrschen, muss ich hinterher nicht mehr mit einer Kerze prüfen, ob das Licht auch wirklich aus ist. Falls ich scheitere, hilft nur noch Kretschmann.

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