Spät in der Nacht, nach gefühlten drei Stunden "Beckmann", versuchte man, das Gehörte noch einmal zu rekapitulieren. Angela Merkel trällert also gerne beim Kartoffelnschälen, die Tomatenernte im eigenen Garten war okay, und die Gesundheitsreform ist wichtig, auch wenn Jürgen Klinsmann das anders sieht. Nein, auch wenn Helmut Schmidt das anders sieht, Klinsmann war der mit dem Sommermärchen. Im Übrigen macht Angela Merkel gerne das Frühstück für ihren Mann, aber nur, wenn sie da ist.Montags läuft "Beckmann", und an diesem Montag war Angela Merkel der einzige Gast in der Sendung. Die Bundeskanzlerin hat nur bedingt den Ruf einer hemmungslosen Plaudertasche, was in ihrem Amt auch gut so ist. Beckmann muss aus irgendwelchen Gründen dennoch die Hoffnung gehabt haben, seine Gesprächspartnerin würde in seiner Sendung mit George W. Bush brechen und die CDU-Ministerpräsidenten samt und sonders für doof erklären. All das hat sie natürlich nicht getan.Und dabei hat sich Beckmann doch so viel Mühe gegeben. Seine Taktik: Plauderstimmung evozieren, dann blitzschnell zuschlagen. In der Praxis sah das so aus, dass Beckmann zunächst den Eindruck erweckte, als interessiere ihn nichts mehr als der Besuch der Bundeskanzlerin in der Mailänder Scala. "Wie war die Aufführung?", fragte er aufgewühlt und fuchtelte dabei wie ein italienischer Provinz-Tenor. "Und dann gleich natürlich der Klassiker. Aida. Giuseppe Verdi", raunte er - habe die Kanzlerin da vor Vorfreude nicht schon am Nachmittag singen müssen, oder seien dafür die Gespräche mit Romano Prodi zu ernst gewesen?So ging es weiter. "Frau Merkel, können Sie dem Publikum erklären, worum es in ,Aida' geht?". Ob eine Oper sie zu Tränen rühren könnte - "oder sind es eher die Ministerpräsidenten, die sie zu Tränen rühren?" So eine Überraschungsoffensive kann einem Gespräch ja eine erstaunliche Richtung geben. Wenn sie allerdings so bemüht originell ausfällt, dann beschleicht einem rasch das Gefühl: Da will jemand glänzen.Irgendwann wurden die Fragen politischer, und siehe da: Angela Merkel hatte sich nicht von den Oper-Exkursen aus dem Konzept bringen lassen. Was Beckmann auch fragte, sie blieb souverän und entschied sich für die Methode: So lange um den heißen Brei reden, bis der Interviewer in den Tisch beißt und hernach zahnlos ist. Beckmann biss zwar nicht, orchestrierte die Ausführungen der Kanzlerin jedoch mit einer Menge "Ahs", "Jajas", "Hms", "Tzzzzs", bis es schließlich aus ihm herausbrach. "Haben Sie die Situation persönlich völlig falsch eingeschätzt?", maulte er. Der Politiker, der auf so eine Frage schluchzt "Oh, Sie haben ja so recht!", der muss erst noch geboren werden.Und als alle schon dachten, so, Schluss jetzt, verkündete der Talkmaster aufgeräumt, er wolle nun über Innenpolitik sprechen. Frau Merkel dürfte die Einzige gewesen sein, die da nicht ermattet zusammenbrach.Müssen Spitzenpolitiker eigentlich in solche Sendungen gehen? Nun, ehrlich gesagt: Nein.------------------------------"Frau Merkel, können Sie dem Publikum erklären, worum es in ,Aida' geht?" Reinhold Beckmann------------------------------Foto: Immerhin hat niemand in die Tischplatte gebissen.
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