Berlin - Bei einem Schulausflug in den Landschaftspark Johannisthal sind am Freitagvormittag zwei Mädchen lebensgefährlich verletzt worden. Die Kinder hatten gerade mit einer „Schatzsuche“ in einer Sandkuhle begonnen, als sich ein riesiger Findling von einem Hang löste und auf die zwei Kinder stürzte. Die beiden Mädchen wurden von dem Granitbrocken, der mehr als eine halbe Tonne wiegt, eingeklemmt.
Der beherzten Lehrerin und zwei Passanten gelang es, den Findling anzukippen, so dass die beiden Mädchen unter dem Stein hervor gezogen werden konnten. Das habe den Kindern vermutlich das Leben gerettet, sagte Feuerwehrsprecher Jens-Peter Wilke.
Dennoch wurden die Kinder so schwer verletzt, dass drei Notärzte zum Unfallort eilten. Einer von ihnen wurde mit dem Rettungshubschrauber Christopher 31 eingeflogen. Die Ärzte diagnostizierten bei den beiden bereits bewusstlosen Mädchen, deren Alter die Polizei mit acht bis zehn Jahren angab, jeweils ein Schädel-Hirn-Trauma.
Dabei treten häufig innere Blutungen auf, die lebensgefährlich sind. Nachdem die Kinder reanimiert und dann in ein künstliches Koma versetzt waren, wurde eines ins Klinikum Neukölln gefahren, das andere ins Virchow-Klinikum in Wedding geflogen. Beide Kliniken sind spezialisiert auf die Behandlung derartiger Verletzungen.
Die Polizei sowie das Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit (Lagetsi) werden nun ermitteln, wie es zu dem Unfall kommen konnte. Die Polizei hat ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der „fahrlässigen Körperverletzung durch Unterlassen“ gegen Unbekannt eingeleitet.
Ermittler schließen nicht aus, dass der Findling von Regenwasser unterspült, deshalb instabil wurde, sich löste und schließlich abrutschte. Wegen des hohen Gewichts des Steins sei es unwahrscheinlich, dass er sich von allein bewegt hat, sagen Ermittler.
Möglicherweise sei auf ihm herumgeturnt worden. Nun werde geprüft, ob der Findling auf einem sicheren Fundament stand. Das werden Mitarbeiter des Grünflächenamtes beantworten müssen. Der öffentliche Landschaftspark wird vom Bezirksamt Treptow-Köpenick verwaltet und gepflegt.
Der Lehrerin könne vermutlich kein Vorwurf gemacht werden, da die Gefahr nicht zu erkennen gewesen sei, sagten Polizisten. Die Frau sowie die Klassenkameraden, die den Unfall beobachtet hatten, wurden von Notfallseelsorgern betreut. Die Lehrerin kam in eine Klinik.
Mitarbeiter des Grünflächenamtes Treptow-Köpenick waren am Nachmittag damit beschäftigt, die verbliebenen Steine an einem Seil mit einem Laster in das Tal der Sandkuhle zu ziehen. „Wir werden die Steine erst einmal in den tiefsten Punkt der Kuhle bringen, um ein weiteres Abrutschen zu verhindern, sagte Bastian Ignaszewski vom Grünflächenamt. Jene Steine, die zu groß seien, um sie mit einfachen Mitteln zu bewegen, würden in der nächsten Woche mit geeigneten Geräten versetzt.
Schulpsychologin vor Ort
„Wir sind alle geschockt“, hieß es am Freitagmittag im Sekretariat der Grundschule am Ginkobaum, die in der Springbornstraße in Johannisthal liegt. Von dort war die Gruppe zu dem Ausflug in den nahen Landschaftspark aufgebrochen, der in den vergangenen Jahren neu angelegt worden war. Das Areal mit den Findlingen soll Besucher eigentlich über die Hinterlassenschaften der letzten Eiszeit informieren. Die Eiszeit ist ein Thema, das im Sachunterricht durchgenommen wird.
„Wir haben mit Betroffenheit auf den Unfall reagiert“, sagte Bildungsstaatssekretär Mark Rackles (SPD). „Eine Schulpsychologin ist bereits vor Ort und kümmert sich um die Kinder.“ Wenigstens bis zu den Sommerferien sollen die Kinder nun schulpsychologisch betreut werden.
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