1. FC Union Berlin

Co-Trainer Hoffmann im Interview, Teil 1: „Ich übernehme die Offensivspieler"

Der Österreicher Markus Hoffmann hat als Vertrauensmann von Urs Fischer großen Anteil am Erfolg der Eisernen. Doch die Rolle des Cheftrainers kommt für ihn nicht infrage.

7 Min
Markus Hoffmann ist seit 2018 Co-Trainer bei Union.

Markus Hoffmann ist seit 2018 Co-Trainer bei Union.

© Contrast / imago

Das Wetter an diesem Donnerstag ist wechselhaft. Auf Sonne folgt grauer Himmel, folgt wieder Sonne. Rani Khedira und Sven Michel steigen nach dem Training auf dem Parkplatz in ihre Autos, im Stadion An der Alten Försterei wird zwei Tage nach einem Pokalspiel schon wieder alles für das kommende Heimspiel vorbereitet.

Und während Chefcoach Urs Fischer im Erdgeschoss der Haupttribüne die Fragen der Pressevertreter beantwortet, geht es für Markus Hoffmann nach oben, in eine der vielen Logen unter dem Dach des Klinkerbaus. Der 50 Jahre alte Österreicher wirkt alles andere als gehetzt. Er nimmt sich schließlich sehr viel Zeit für dieses Gespräch über seine Arbeit als Co-Trainer des 1. FC Union Berlin.

Während wir uns hier gerade unterhalten, spricht Urs Fischer in der Spieltags-Pressekonferenz. Würden Sie da auch gerne öfter stehen?

Ich möchte nicht da unten reingehen, sonst hätte ich eine andere Richtung einschlagen müssen. Das, was ich jetzt mache, ist das, was ich mir ausgesucht habe. Das ist das, was ich möchte.

Der Job des Cheftrainers hat Sie also nie gereizt?

Grundsätzlich sind der Chef- und Co-Trainer-Posten zwei unterschiedliche Jobs. Ich wollte den Weg nie, weil ich weiß, was ich kann, was ich gern und nicht gern mache. Was ich nicht gern mache, ist, jede Woche oder alle drei Tage gegenüber den Journalisten etwas zum nächsten Gegner oder zum nächsten Spiel zu sagen. Ich möchte nur meinen Spielern erklären, was und wie wir was machen.

Mit Ausnahmen wie jetzt.

Das ist aber ganz selten.

Und hat welche Vorteile?

Ich kann am Freitagabend mit Freunden, die mich besuchen kommen, oder mit der Familie in der Stadt essen gehen und kein Mensch kennt mich. Ich kann mich überall frei bewegen. Manchmal kommt es vor, dass jemand im Restaurant vorbeikommt und sagt „Eisern“, aber damit hat es sich auch. Dann sag ich „Eisern“ zurück und alles ist gut.

Markus Hoffmann begrüßt bei der Saisoneröffnung die Fans der Eisernen.

Markus Hoffmann begrüßt bei der Saisoneröffnung die Fans der Eisernen.

© imago/Koch

Wofür nehmen Sie sich denn Zeit in Berlin?

In Berlin kann man alles machen, Berlin ist top. Mir ist Berlin im Sommer aber lieber als im Winter, denn im Winter fehlen mir die Berge und der Schnee. Kulturell kann man jeden Tag was machen, Sportveranstaltungen gibt es beinahe täglich.

Wenn Sie zu Sportveranstaltungen gehen: Sind Sie lieber bei den Eisbären, Füchsen oder bei Alba?

Das habe ich alles schon geschaut. Handball habe ich gern, Eishockey und Basketball mag ich auch. Der Austausch mit den Leuten dort ist auch immer spannend. Unser Torwarttrainer ist beispielsweise mit dem Torwarttrainer der Eisbären sehr gut befreundet. In dieser Kombination gehen wir dann auch mal gemeinsam Padel spielen.

Und mit Urs Fischer teilen Sie die Leidenschaft des Angelns …

Fliegenfischen.

Muss man das unterscheiden?

Das sind zwei verschiedene Sportarten. Beim Fliegenfischen steht man mit einer Wathose im fließenden Gewässer, um mit Originalimitationen einer Fliege an oder unter der Wasseroberfläche Fische zu fangen.

Wo macht man das in Berlin?

Das ist schwierig, da muss man schon weit fahren. Rund um Dresden, in der Sächsischen Schweiz, gibt es kleine und interessante Fließgewässer, aber dahin fährt man rund zweieinhalb Stunden. Aber auch an Flüssen wie der Mulde waren wir schon fischen.

Wie sieht so ein Tag aus?

Da starten wir früh am Morgen um sechs Uhr und sind den ganzen Tag unterwegs. Das ist dann nur genießen, da sind wir tiefenentspannt.

Trainer-Trio: Markus Hoffmann, Urs Fischer und Sebastian Bönig (v.l.)

Trainer-Trio: Markus Hoffmann, Urs Fischer und Sebastian Bönig (v.l.)

© imago/Nordphoto

Muss man sich auch privat gut verstehen, um so gut zusammenarbeiten zu können?

Grundsätzlich sollte eine gewisse Sympathie bestehen, wenn man wie wir seit sieben Jahren mehr Zeit miteinander verbringt als mit unseren Familien. Es ist schon ein gewisser Vorteil, wenn man sich auch neben der Arbeit riechen und mal gemeinsam was machen kann und möchte. (lacht) Es ist ein Vorteil.

Tiefenentspannt wie beim Fliegenfischen können Sie bei der Arbeit nicht sein. Wie sind da die Aufgaben verteilt?

In der Woche oder beim Ersatzspielertraining zum Beispiel übernehmen die Co-Trainer, und der Cheftrainer ist in der Beobachterrolle. Wenn es in Richtung Spiel und die Umsetzung vom Video auf den Platz geht, ist das Sache des Cheftrainers. Da müssen die Spieler den Cheftrainer hören. In einer Übung aktiv zu sein und zu coachen, ist mehr unsere Aufgabe. Wir haben auch im Trainerteam die Mannschaftsteile aufgegliedert.

Wer ist für welchen Mannschaftsteil verantwortlich?

Der Urs ist hauptsächlich für die Abwehr zuständig, Sebastian Bönig für die Mittelfeldspieler – auch in der individuellen Analyse während der Woche. Und ich übernehme die Offensivspieler. So analysieren und arbeiten wir auch mit den Spielern.

Wer ist der „Good Cop“ und wer der „Bad Cop“?

Die Co-Trainer sind den Spielern immer näher als der Cheftrainer, weil es für einen Spieler immer einfacher ist, zum Co-Trainer zu gehen. „Good Cop, Bad Cop“ haben wir auch schon mal probiert, jeder Spieler braucht ja eine andere Behandlung. Aber wir sind immer sehr offen, die Spieler wissen immer, woran sie sind und was wir fordern. Das ist nicht immer ganz einfach für die Spieler.

Wie meinen Sie das?

Es ist nicht jeder Spieler gewohnt, dass man geradeaus ist und sie in der Ansprache nicht schont. Aber damit müssen sie umgehen können. Vielleicht ist das nicht überall so, manche Spieler sind jedenfalls schon mal überrascht über die Direktheit, wenn sie hierherkommen. Direkt heißt aber nicht negativ.

Ist es zwingend notwendig, dass man den gleichen Spielansatz verfolgt, um als Trainerteam gut zu funktionieren oder ergänzen sich unterschiedliche Ideen auch gut?

Es muss schon ähnliche Ansätze geben. Am Ende trifft immer der Cheftrainer die Entscheidungen und wenn man als Co-Trainer permanent eine andere Meinung hat, wird es irgendwann schwierig. Unsere Vorstellungen sind grundsätzlich sehr ähnlich, aber man entwickelt sich auch da weiter.

Können Sie das für Ihre Arbeit beschreiben?

Wir machen nicht alles so wie 2018, als wir hier angefangen haben, klar. Es braucht einen Austausch, man macht sich ständig Gedanken über die Mannschaft. Als uns zum Beispiel Max Kruse verlassen hat, haben wir drei, vier Spiele Probleme gehabt, weil wir unser Spiel verändern mussten. Die Philosophie und Prinzipien entwickeln sich mit dem weiter, was man hat. Wir müssen ja mit den Spielern arbeiten, die wir haben. Ein 4-3-3, wie es die Niederlande spielen, kannst du nicht spielen, wenn du die Spieler nicht dafür hast. Sondern: Du musst mit dem, was du hast, das Bestmögliche machen. Vor zehn Jahren wieder wollte jeder so spielen wie Barcelona, aber das funktioniert ja nicht.

Würden Sie auch gerne anders spielen?

Wir hätten manchmal auch gerne 60 Prozent Ballbesitz und mehr Fußball mit als gegen den Ball. Aber unsere Mannschaft ist halt so konzipiert, dass das andere noch ein bisschen Übergewicht hat. Damit müssen wir umgehen und das Beste daraus machen.

Lesen Sie morgen im zweiten Teil des Interviews, welche Erfahrungen Markus Hoffmann während seiner Zeit bei Spartak Moskau gesammelt hat und was er und Urs Fischer über Deutschland und den deutschen Fußball denken.

Dieser Text ist zuerst im Eisern Magazin Nr. 7 erschienen, erhältlich im Aboshop der Berliner Zeitung (aboshop.berliner-zeitung.de), im Union-Zeughaus und natürlich am Kiosk.

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