Fatale Abwehrfehler

Wieder verschlafen und diesmal bestraft: Union und das Problem der ersten Halbzeit

Der 1. FC Union Berlin kommt am Anfang eines Spiels einfach nicht in die Gänge. Am Sonnabend gegen den BVB darf das nicht wieder passieren.

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Bei der Niederlage in Frankfurt (hier: l. Rani Khedira, r. Morten Thorsby) waren die Union-Profis gegen Mario Götze und Co. viel zu oft nur in der Zuschauerrolle.

Bei der Niederlage in Frankfurt (hier: l. Rani Khedira, r. Morten Thorsby) waren die Union-Profis gegen Mario Götze und Co. viel zu oft nur in der Zuschauerrolle.

© Michael Berm/IMAGO/Eibner-Pressefoto

Es ist nicht so, dass Urs Fischer nicht ausreichend gewarnt hätte. Der Trainer des 1. FC Union Berlin hatte in den vergangenen Wochen mehrfach angesprochen, dass es auf Topniveau auf Dauer nicht ausreichen würde, immer und immer wieder eine Halbzeit zu verschlafen. Gegen Eintracht Frankfurt (2:0) und den VfB Stuttgart (3:0) ging das in der Bundesliga zuletzt zwar noch gut, doch beim Pokal-Aus in der Main-Metropole am Dienstagabend gab’s in den Reihen der Köpenicker am Ende nur lange Gesichter.

Oder besser gesagt schon am Anfang. Frankfurts Topstürmer Randal Kolo Muani brauchte zwischen der 11. und der 13. Minute nur 93 Sekunden, um Unions Träume vom Halbfinale im DFB-Pokal zunichtezumachen. Die Gäste waren vor dem Seitenwechsel völlig von der Rolle, leisteten sich defensiv unerklärliche Fehler und strahlten auch offensiv keine Torgefahr aus. „Wir haben die Bälle nur nach vorne geschlagen“, monierte Fischer. Ruhe im Spiel des Bundesliga-Dritten? Fehlanzeige.

Wie es hätte gehen können, wurde gleich nach Wiederanpfiff deutlich. Da machte Union, von Fischer zur Pause auf gleich drei Positionen verändert, ein wenig mehr Druck und zwang Frankfurt zumindest zu kleineren Fehlern. Richtig stabil waren die Gastgeber nach zuletzt sieben Pflichtspielen ohne Sieg nämlich auch nicht. Die Eintracht hatte zuletzt Mitte Februar gegen Bremen gewonnen, danach auf dem Platz nur selten überzeugt. Union ließ es aber zu, dass Kolo Muani, Mario Götze oder Rafael Borré glänzen und sich neues Selbstvertrauen holen konnten.

Zur ganzen Wahrheit gehört auch, dass den Gästen eine Vielzahl an individuellen Fehlern unterlief, die in Summe dann einfach nicht mehr auszubügeln waren. Exemplarisch war das zweite Frankfurter Tor, bei dem Diogo Leite, einer der von Fischer zur Pause Ausgewechselten, in der Vorwärtsbewegung leichtfertig den Ball verlor. Robin Knoche hätte sich im Laufduell gegen Kolo Muani geschickter anstellen können, ließ sich vom Franzosen stattdessen im Laufduell nur die Hacken zeigen, und Torhüter Lennart Grill kam völlig unnötig aus seinem Tor.

Dortmund darf sich keine Patzer mehr erlauben

Als der Schlussmann sah, dass er die falsche Entscheidung getroffen hatte, war es schon zu spät und der Lupfer des Frankfurter Topstürmers senkte sich hinter ihm ins Netz. Am Sonnabend (15.30 Uhr) bei Borussia Dortmund dürfen solche Fehler nicht mehr passieren. Ob Grill noch einmal zwischen den Pfosten stehen wird, scheint derzeit offen. Für Stammtorhüter Frederik Rönnow reichte es nach seiner Verletzung noch nicht wieder für einen Einsatz. Fischer hofft, dass der Däne bis zum Gastspiel beim BVB fit ist.

Im Signal-Iduna-Park könnte der 1. FC Union Berlin mit einem Auswärtssieg selbst noch einmal ins Bundesliga-Titelrennen eingreifen, doch diese Gedanken verbieten sich nach der Leistung vom Dienstag für’s Erste. Es geht erst einmal darum, nicht wieder den Start ins Spiel zu verschlafen. Nur in zwei der letzten zwölf Pflichtspiele ist es der Fischer-Elf gelungen, vor der Pause ein Tor zu erzielen.

Mit Borussia Dortmund wartet nun ein Gegner, der sich im Meisterschaftskampf mit dem FC Bayern eigentlich keinen Patzer mehr erlauben darf. Nach der 2:4-Niederlage im direkten Duell in München am vergangenen Wochenende liegen die Schwarz-Gelben zwei Zähler hinter dem Branchenprimus. Es ist nicht davon auszugehen, dass sich der Tabellenführer im restlichen Saisonverlauf noch allzu viele Blößen geben wird.

Das Gastspiel im Ruhrgebiet ist für Union Berlin auch ein Wiedersehen mit Julian Ryerson. Der Norweger wechselte erst im Januar nach Dortmund, nachdem er zuvor mit den Eisernen noch das Wintertrainingslager im spanischen Campoamor absolviert hatte. In seiner neuen sportlichen Heimat hat sich der 25-Jährige bestens akklimatisiert. Unter Trainer Edin Terzic stand er, wenn er nicht angeschlagen fehlte, immer in der Startelf.

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