Wirklich? Der Effektivste? Fürstner hat kein Tor geschossen und keine Vorlage gegeben. Aber, wenn er spielt, geschieht, was im Fußball am wichtigsten ist: Union holt Punkte. Kam er zum Einsatz − das war zehn Mal der Fall −, hat die Mannschaft ein Mal verloren. Saß er auf der Bank, gewannen die Köpenicker nur einen einzigen Punkt − und verloren vier Spiele.
Gegen die punktgleiche Arminia aus Bielefeld (Sonnabend, 13 Uhr), die auswärts erst ein Spiel verloren hat und im Gegensatz zu Union eine stabile Defensive besitzt, komme es darauf an, „die Basis zu schaffen, dass auch mal ein Tor reichen kann“, sagt Fürstner. „Wir müssen die Bälle gut und weit klären, um dem Gegner keine zweite Chance zu ermöglichen“. Damit geht er konform mit seinem Trainer, der die Zuschauer warnte, dass ihnen dieses Mal nicht so „ein toller Fußballnachmittag mit vielen Toren“ bevorstehe. Fürstners schlichte Konstanz auf dem Feld überzeugt in dieser Saisonphase auch Lewandowski. „Klar ist, dass Stephan es zuletzt gut gemacht hat und zu dem engen Kreis der zwölf bis vierzehn Feldspielern gehört, aus dem sich die Stammformation bildet“, sagte er. Dennoch: Ausufernd ist das Lob nicht.
Dabei war man bei Union so stolz auf diesen Transfer. Fürstner, der Mann, der weiß, wie aus einem Zweitligisten ein Erstligist wird, sollte das Gesicht der neuen Mannschaft sein. In Norbert Düwels System war er als Drehpunkt des schnellen Aufbauspiels vorgesehen, der den Gegnern den Ball vom Fuß angelt, bevor sie die Abwehr erreichen. Das klappte nach dem starken Eröffnungsspiel gegen Düsseldorf nicht so wie gewünscht. Dann kam Lewandowski. Der setzte ihn nach dem Auftaktsieg gegen Karlsruhe auf die Bank, obwohl er Teil des euphorischen 3:0 gewesen war. Stattdessen kehrten die zuvor gesperrten Benjamin Kessel und Sören Brandy ins Team zurück. Der Coach wollte mit dem Wechsel seine Wertschätzung gegenüber dem Duo zum Ausdruck bringen. Bei Fürstner war es dementsprechend umgekehrt.
Der neue Trainer ist mit dem Ziel angetreten, besser Fußballzuspielen. Für den beim FC Bayern ausgebildeten Mittelfeldmann war zunächst kein Platz. Seit der Heimniederlage gegen Paderborn gewann Union dann in drei Spielen fünf Punkte − mit Fürstner. „Wir lassen den Ball jetzt mehr in den eigenen Reihen laufen“, sagt er, „und ich muss in die torgefährlichen Räume kommen“. Daran musste er sich gewöhnen, er war ja mit anderen Zielvorgaben verpflichtet worden. Gefordert werden von ihm mehr Abschlüsse aus der zweiten Reihe. „Stephan macht im Moment einige Dinge besser als zu Anfang unserer Zusammenarbeit. Es ist der Beweis für seine Wesensart und Qualität, dass er Dinge direkt aufnimmt und umsetzt“, sagt Lewandowski. Vorwärts verteidigen, vorwärts denken, das ist das Credo des neuen Chefs. Und Fürstner kann das eigentlich auf seine Art ganz gut.
In der Mannschaft ist er anerkannt, „ein super Typ“, wie etwa Zejnullahu sagt. Der 21-Jährige ist einer der Hauptabnehmer von Fürstners Ratschlägen. Den Debüttreffer Zejnullahus im Spiel gegen St. Pauli sagte Fürstner voraus – nicht weil er hellseherische Fähigkeiten besitzt, sondern psychologisches Feingefühl. „Ich hatte das Gefühl, dass es gut ist, wenn ich ihm das sage“, erklärt Fürstner. Einen Tortip hat er dieses Mal nicht, der Schlüssel zum Erfolg liegt in einer selbstbewussten Defensivarbeit. „Wir müssen mit breiter Brust verteidigen, ohne darüber nachzudenken, was schieflaufen kann.“
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