Bundesliga

Union Berlin lässt seine typischen Qualitäten missen, unterliegt Dortmund 0:3

Bei der Heimniederlage gegen die Borussia macht sich im Besonderen die Absenz des gelbgesperrten Rani Khedira bemerkbar.

Markus Lotter
4 Min
Marco Reus umspielt Torwart Andreas Luthe und erzielt das 2:0 für Borussia Dortmund.

Marco Reus umspielt Torwart Andreas Luthe und erzielt das 2:0 für Borussia Dortmund.

© imago/Contrast

Bei der Wahl der Startelf hatte der Schweizer Fußballlehrer mit dem Problem zu kämpfen, dass ihn Omikron um ein paar Optionen gebracht hatte. Niko Gießelmann, Andreas Voglsammer, Dominique Heintz und Ersatzkeeper Jakob Busk waren im Laufe der Woche positiv getestet worden. Hinzu kam, dass Rani Khedira wegen einer Gelbsperre nur als Tribünengast beziehungsweise als Interviewpartner An der Alten Försterei zugegen war.

Also was tun? Jammern, natürlich nicht, Fischer weiß ja noch nicht mal, wie das geht. Sondern: anderen das Vertrauen schenken. Im Vergleich zur Auswärtsniederlage in Augsburg durften also dieses Mal Bastian Oczipka, Paul Jaeckel, Levin Öztunali und Sven Michel von Beginn an ran, und natürlich auch Grischa Prömel, der nach Infektion mit dem Coronavirus und einer dadurch notwendig gewordenen Isolation wieder zur Verfügung stand und von seinem Chef mit einer ziemlich komplizierten Aufgabe betraut wurde: Er sollte in Abwesenheit von Khedira das Zentrum bespielen und beherrschen.

Knoche ist einfach nicht konsequent genug

Nach einer durchaus lebhaften Anfangsphase der Unioner mit einer Chance für Sheraldo Becker, der beim Abschluss aus halbrechter Position nicht sauber koordinierte und deshalb verzog, zeigte sich alsbald, dass Prömel sich in der ungewohnten Rolle nicht wirklich gut zurechtfand. Auch Öztunali, der ihm zuarbeiten sollte, suchte vergeblich nach Orientierung. Immer öfter überspielten die Borussen folglich die eisernen Linien, immer öfter sah sich die Abwehrkette um Robin Knoche mit anlaufenden Gegnern konfrontiert. Wobei Knoche das 0:1 durch Marco Reus mit einem Schuss mehr Kompromisslosigkeit hätte verhindern können.

Reus hatte in der 18. Minute nach einem klitzekleinen Stockfehler den Ball am Strafraum eigentlich schon an Knoche verloren, doch weil der Abwehrchef der Unioner nur stocherte und nicht sauber klärte, konnte Mahmoud Dahoud noch einmal auf Reus passen. Der Nationalspieler nahm nach ein paar schnellen Schritten die Gelegenheit mit einem satten Linksschuss aus etwa zwölf Metern wahr, Andreas Luthe war machtlos.

Michel rackert, findet aber nicht ins Spiel

Auch beim 0:2 in der 25. Minute war Knoche die Schlüsselfigur für das schwarzgelbe Glück. Dieses Mal geriet er nach einem langen Schlag von Dan-Axel Zagadou mit Donyell Malen in ein Laufduell, stolperte. Malen setzte sich schließlich auch noch geschickt, vielleicht auch etwas grenzwertig, gegen Oczipka durch, passte auf Reus, der in den Strafraum eindrang, Luthe umkurvte und keine Mühe mehr hatte, den Ball über die Linie zu schieben.

Und im Spiel nach vorn? Nun, da wollte den Unionern nicht wirklich etwas Brauchbares gelingen. Awoniyi mangelte es an Schärfe, Michel rackerte, kam aber viel zu selten an den Ball, um Einfluss auf das Spiel nehmen zu können. Kurzum: Die Eisernen wirkten erstaunlich harmlos, ließen es zu, dass die Gäste mit einem sehr guten Gefühl zur Pause in die Kabine marschieren durften.

Für Urs Fischer war dieser Auftritt seiner Mannschaft in der ersten Hälfte durchaus eine neue Erfahrung. Sie reagierte mehr, als dass sie agierte, wirkte fahrig, ungenau in ihren Aktionen. Und da ihr auch im ersten Drittel des zweiten Spielabschnitts kein Aha-Effekt gelingen wollte, erweckte auch der Cheftrainer an der Seitenlinie mit seinem zurückhaltenden Coaching eher den Eindruck des Ungläubigen.

Möhwalds Treffer wird annulliert

Er nahm noch den einen oder anderen Wechsel vor, brachte Kevin Behrens für Awoniyi, Kevin Möhwald für den unsichtbaren Öztunali. Als aber Raphael Guerreiro in der 70. Minute nach Vorlage von Jude Bellingham und einem etwas ungelenken Abwehrversuch von Luthe das 0:3 erzielte, war eigentlich für alle klar: Das hier ist die erste Heimniederlage der Eisernen in der Bundesliga gegen Borussia Dortmund.

Nur einmal jubelte die eiserne Gemeinde an diesem Nachmittag, nämlich beim vermeintlichen 1:3 durch Möhwald (73.). In der Szene hatte aber Anthony Ujah sich zu heftig gegen Manuel Akanji eingesetzt, was Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck nach einem Studium der Zeitlupe zur Annullierung des Treffers veranlasste.

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