BERLIN. Wenn eine Mannschaft 16 Spiele hintereinander auswärts nicht gewonnen hat - ist sie dann reif für einen Mentaltrainer? Es ist erst einige Tage her, da antwortete Christian Beeck kategorisch mit Nein: "Das passt nicht zum 1. FC Union." Gestern hörte sich die Antwort auf die Frage differenzierter an. "Ich weiß immer noch nicht, ob das ein probates Mittel wäre", sagte der Manager des Zweitligisten, "aber wir sollten alles prüfen, weil wir es mit jungen Leuten zu tun haben, bei denen auch der Kopf mitspielt." Beeck räumte ein, dass sich bereits etwa zwanzig Psychologen um einen Job in Köpenick beworben hätten, mit einigen habe er sogar Gespräche geführt - doch etwas Konkretes gibt es noch nicht zu vermelden.Einstweilen rätseln sie weiter, woran dieses Fremdeln liegt. Die Verzweiflung ist umso größer, weil die Eisernen bei 1860 München (0:1) einen mutigen Auftritt hinlegten. "Es war ein gutes Auswärtsspiel, die Art und Weise hat gestimmt", sagte Beeck: "Aber wir wurden nicht belohnt. Das ist bitter." Auch Trainer Uwe Neuhaus wollte kaum Vorwürfe erheben. Wenn, dann nur einen. "In der Halbzeitpause", da stand es noch 0:0, "habe ich darauf hingewiesen, dass 1860 auf Abspielfehler lauert und wir die nicht machen dürfen." Doch dann unterlief Christian Stuff genau ein solcher Ballverlust vor dem Tor des Tages durch Lauth. Der Fehlpass drückte gewaltig auf die Stimmung.Dabei hätten sie gleich mehrere Gründe gehabt, am Montag die Korken knallen zu lassen. Doch wurden der 60. Geburtstag von Teamleiter Detlef Schneeweiß sowie die 30. Wiegenfeste von Torsten Mattuschka und Ahmed Madouni eher dezent begangen. "Die entsprechenden Teamfrühstücke holen wir nach", sagte Beeck, "wir dürfen jetzt nicht alles verbissen sehen, müssen auch mal loslassen. Aber heute war dafür nicht der richtige Tag." Auch nicht für Santi Kolk, der den Kollegen noch eine Lage schuldet. Der Holländer wurde am Sonnabend 29 Jahre alt - und musste am Tag darauf im Fernsehzentrum des RBB nicht nur die bekannten naiven Fragen der Studio-Blondine beantworten, sondern auch eine Torte auspusten. Das Unwohlsein bei diesem peinlichen Vorgang war ihm anzusehen.Unerklärbare AuswärtsschwächeWomöglich wurde Kolk erst am Sonntag bewusst, was er mit seiner unnötigen Gelb-Roten Karte gegen Duisburg angerichtet hatte. "Er hat gefehlt, ganz klar", sagte Beeck. Mancher empfand es als arg unpassend, dass sich der Offensivmann, der nach dem Sieg gegen Duisburg noch feixend gesagt hatte, er könne nun aufgrund der Sperre "wenigstens richtig feiern, sonst hätte ich ja keine Zeit gehabt", im Fernsehen zeigte - während die Kollegen auf der Autobahn noch ihren Frust verarbeiteten. Klubsprecher Christian Arbeit verwies auf Zwänge gegenüber dem Sender und darauf, "dass so ein Auftritt am Sonntagabend ja auch für die Spieler kein großer Spaß" sei. Zudem habe Kolk ja sittsam geantwortet. Das stimmt. Auch er lieferte dabei keine Erklärung, warum Union auswärts nichts zu bieten hat. "Wir müssen kämpfen, um besser zu werden", sagte er. Der nächste Auftritt, gegen Erzgebirge Aue, ist wieder daheim. Erst am Freitag kommender Woche. Heute hat das Team frei, ab Mittwoch werde man "in allen Belangen noch was drauf packen", verkündete Beeck. Hört sich an, als bliebe wenig Zeit, um das Feiern nachzuholen.------------------------------Foto: Stimmungskiller: Christian Stuff.
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