Union-Coach Michael Gspurning

Wenn aus einem Torwart ein Trainer wird

Der gebürtige Grazer kümmert sich im Trainingslager um seine Ex-Konkurrenten.

Mathias Bunkus
4 Min
Plötzlich Coach: Unions Gspurning.

Plötzlich Coach: Unions Gspurning.

© Matthias Koch

Der Spitzname Sputnik trifft es gut. Denn wie einen Satelliten hat es den 36-Jährigen kurz vor Weihnachten in einen höhere Umlaufbahn verschlagen. Eben noch dritter Keeper und Kollege, plötzlich Boss. Eine Rollenverteilung, mit der man sich erst einmal zurechtfinden muss. Und sei es nur bei Kleinigkeiten wie dem Weg zum Kraftraum im Hotel, in das die Teamgefährten von Unions Spielführer Kroos nach der Ankunft gelaufen waren. Hier wusste Gspurning – er war ja auch wie alle anderen im Hotel gerade erst angekommen – auch nur die vage Richtung. Über anderes hatte er sich schon Gedanken gemacht.

Arbeit mit dem Videoanalysten

„Für mich kam das Angebot zum perfekten Zeitpunkt“, sagt Gspurning. „Ich bin sehr dankbar für die Chance, die Union mir gibt. Ich habe mich seit geraumer Zeit schon darauf vorbereitet, die Töppen an den Nagel zu hängen. Ich habe Lizenzen gemacht, mit Unions U19 gearbeitet und muss jetzt nur noch eine Prüfung ablegen.“

Die Arbeitsklamotten von Unions bisheriger Nummer 30 tragen nun seine Initialen. Doch nicht nur die Dienstkleidung, sondern auch die Abläufe haben sich verändert. „Als Spieler würde ich einfach aufs Zimmer gehen, mich von der körperlichen Belastung erholen. Als Trainer geht der Arbeitstag bis 22, 23 Uhr. Ich fange auch morgens früher an, um den Tag zu planen. Trainingsdokumentation, Besprechungen“, sagt Gspurning.


Sieg gegen Gent

Polter macht den Anfang: Geht ja doch mit dem Gewinnen unter André Hofschneider. Gegen den belgischen Erstligafünften KAA Gent sprang ein 3:1 für den 1.FC Union heraus. Und das, obwohl Felix Kroos (Infekt) und Michael Parensen (reiste wegen der bevorstehenden Geburt seiner Tochter zurück) nicht mitwirken konnten. Sebastian Polter (51.), Simon Hedlund (55.) und Philipp Hosiner trafen für die Eisernen, die Belgier konnten einen Treffer von Esiti (12.) bejubeln. Torhüter Jakob Busk wurde noch geschont, wird frühestens am Freitag beim zweiten Test gegen den SV Wehen-Wiesbaden auflaufen können. (BLZ)


Ein Beispiel dafür ist die Arbeit mit Videoanalyst Adrian Wittmann. Oft stehen beide nach dem Training am Spielfeldrand und diskutieren. „Ich will verstärkt auch dessen Aufnahmen nutzen, um Bewegungsmuster besser zu erkennen und zu optimieren“, sagt Gspurning: „Die Handhabung beispielsweise. Das geht leichter, wenn man das sich noch mal ansieht und nicht nur auf dem Platz sagt: guter Ball oder so.“

Gspurning weiß, dass er sofort in die Verantwortung genommen wird, Trainer André Hofschneider hat ja bei den Eisernen ein Torwartduell ausgerufen. Jakob Busk soll sich des Angriffs von Daniel Mesenhöler erwehren. Hier muss der stets so lockere Österreicher auf einmal seinen Kumpels nicht nur etwas beibringen, sondern gar über die alten Kollegen urteilen. Bislang, sagt Gspurning, sei das Verhältnis weiterhin gut. So scherzte er schon mit dem Duo, dass er nur deshalb in den Trainerstab gewechselt sei, um sich endlich selbst aufstellen zu können.

Einem muss er wehtun

„Ich war ja früher schon ein bisschen so etwas wie ein Mentor für die beiden. Es hat mich immer gefreut, wenn ich ihnen etwas aufzeigen oder ihnen weiterhelfen konnte“, so der gebürtige Grazer. „Wir haben schon Einzelgespräche gemacht. Da haben wir uns über Zielsetzung ausgetauscht“, berichtete Gspurning über einen Schwerpunkt der zurückliegenden Tage. Dass das Verhältnis nicht ganz ungetrübt bleiben muss, ist ihm klar. Denn: „Ich weiß, dass ich einem wehtun muss. Die Entscheidung müssen sie dann akzeptieren, auch wenn sie sie nicht teilen sollten. Ich hoffe, einer der beiden ist dann sauer mit der Entscheidung, nicht mit mir.“

Daher begrüßt er es sehr, dass das Binnenverhältnis der Schlussleute intakt ist: „Mesi hat sich wirklich gefreut, dass sich Busk nicht schwer verletzt hat. Er will dieses Duell nicht dadurch gewinnen, dass der andere ausfällt.“ Dass der Vertrag von Mesenhöler im Sommer ausläuft, spielt in seinen Überlegungen um die künftige Nummer 1 keine Rolle: „Das ist für mich jetzt nicht entscheidend. Es kommt jetzt nur darauf an, die beste Mannschaft zusammenzustellen.“

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