Untersuchungsprotokolle und Interviews

Die Ereignisse von Oktober 1989 bis April 1990

Am 7. und 8. Oktober 1989 kam es in Ost-Berlin zu massiven Übergriffen.

Andreas Förster
4 Min
Gesperrter Zugang zur Gethsemanekirche (08.10.1989): In der Gethsemanekirche fand eine Fürbittandacht anlässlich der Verhaftung von Teilnehmern kirchlicher und anderer Friedensdemonstrationen statt.

Gesperrter Zugang zur Gethsemanekirche (08.10.1989): In der Gethsemanekirche fand eine Fürbittandacht anlässlich der Verhaftung von Teilnehmern kirchlicher und anderer Friedensdemonstrationen statt.

© Imago Images

7. Oktober 1989

Friedliche Demonstration für Demokratie und Menschenrechte rund um den Alexanderplatz, die am Abend von Sicherheitskräften brutal aufgelöst wird. Hunderte Menschen werden verletzt und von Stasi- und Polizeikräften zugeführt.

Ablauf der Ereignisse: Bevorzugt richtet sich die Brutalität gegen Frauen

8. Oktober 1989

Nach einem Fürbitt-Gottesdienst in der Gethsemanekirche nahe der Schönhauser Allee werden Teilnehmer von Polizei und Stasi eingekesselt und brutal misshandelt. Wieder gibt es viele verletzte und zugeführte Personen.

Ablauf der Ereignisse: Auch Schlagringe und Reizgas kommen zum Einsatz

9. Oktober 1989

In der Nacht werden die letzten 59 Personen, die an den Tagen zuvor zugeführt worden waren, entlassen; weitere 17 Demonstranten kommen in Untersuchungshaft.

Ablauf der Ereignisse: Bürger werden mit sadistischen Bemerkungen zu Tode geängstigt

13. Oktober 1989

Auf Druck der empörten Öffentlichkeit werden alle noch wegen der Demonstrationen am 7. und 8. Oktober in U-Haft sitzenden Personen freigelassen.

22. Oktober 1989

Kundgebung vor dem Roten Rathaus, auf der empörte Bürger vom Magistrat die Einsetzung einer Untersuchungskommission zu den Übergriffen vom 7. und 8. Oktober fordern.

23. Oktober 1989

Oppositionelle berichten in einer Pressekonferenz im Gemeindezentrum „Am Fennpfuhl“ von den Übergriffen der Sicherheitskräfte am 7. und 8. Oktober und übergeben Gedächtnisprotokolle von Opfern an die Staatsanwaltschaft.

28. Oktober 1989

In einer Gemeinschaftsaktion der Berliner Künstlerverbände in der Erlöserkirche wird die Einsetzung einer unabhängigen Kommission gefordert, die die Ereignisse vom 7. und 8. Oktober untersuchen soll.

3. November 1989

Die Stadtverordnetenversammlung beschließt im Roten Rathaus die „Bildung einer zeitweiligen Kommission zur Prüfung der Anliegen von Bürgern im Zusammenhang mit den Ereignissen im Zusammenhang mit den Ereignissen vom 7. und 8. Oktober 1989“. Am selben Tag gründet sich in den Räumen des Berliner Verbandes der Bildenden Künstler eine unabhängige Untersuchungskommission, der Oppositionelle, Anwälte, Ärzte und Künstler angehören.

9. November 1989

Die beiden am 3. November gegründeten Kommissionen fusionieren zu einer gemeinsamen Zeitweiligen Untersuchungskommission, die fortan in einem Saal im Roten Rathaus tagt.

Interview mit Christoph Singelnstein: Wir waren in ihren Augen Kriminelle

15. November 1989

Die Kommission beginnt mit den Befragungen von Verantwortlichen und Beteiligten der Ereignisse vom 7. und 8. Oktober. An diesem Tag werden der Berliner Polizeipräsident, Generalleutnant Friedhelm Rausch, und der Berliner Stasi-Chef, Generalmajor Siegfried Hähnel, befragt.

29. November 1989

Die Untersuchungskommission stellt sich hinter eine Erklärung ihres Mitglieds Christoph Hein, der eine Behinderung der Aufklärung beklagt und die Weigerung von Mitgliedern des Politbüros und des Nationalen Verteidigungsrates kritisiert, vor dem Gremium auszusagen.

6. Dezember 1989

Die Untersuchungskommission übergibt an die DDR-Generalstaatsanwaltschaft erste Arbeitsergebnisse und Anzeigen gegen Stasi-Chef Erich Mielke, den Berliner Polizeipräsidenten Friedhelm Rausch, den Berliner Stasi-Chef Siegfried Hähnel und den Generalstaatsanwalt der Hauptstadt, Dr. Simon.

8. Dezember 1989

Im Aktionszentrum „Treibhaus“ im Untergeschoss des Fernsehturms findet die erste von mehreren Zusammenkünften zwischen Betroffenen vom 7. und 8. Oktober und Mitgliedern der Untersuchungskommission statt.

Hauptaugenmerk Betroffene: Zusammenkünfte im „Treibhaus“

6. Januar 1990

Erste öffentliche Sitzung der Kommission im überfüllten Abgeordnetensaal im Roten Rathaus und Vorstellung des ersten Zwischenberichts. Erneut wird die Behinderung der Aufklärung durch die Behörden gerügt.

Analyse der Verletzungen: Verdrehungen der Gelenke, Platzwunden, Knochenbrüche

17. Januar 1990

Mit dem letzten SED-Chef Egon Krenz, dem ehemaligen Berliner SED-Bezirksvorsitzenden Günter Schabowski und dem früheren Leiter der Abteilung Sicherheitsfragen im SED-Zentralkomitee, Wolfgang Herger, befragt die Kommission erstmals hochrangige Parteifunktionäre zu den Ereignissen vom 7. und 8. Oktober.

Interview mit Martin-Michael Passauer: Eine der Sternstunden des Umbruchs

24. Januar 1990

Der ehemalige DDR-Innenminister, Armeegeneral Dickel, muss mit seinem Stabschef, Generaloberst Wagner, vor der Kommission erscheinen.

26. Januar 1990

Vier Mitglieder der Untersuchungskommission – Daniela Dahn, Lothar Franz, Heinz Nabrowsky und Harald Zientek – befragen in der Haftanstalt Rummelsburg den in Untersuchungshaft sitzenden Ex-Stasi-Chef Erich Mielke.

Interview mit Daniela Dahn: Mielke gehorchte

31. Januar 1990

Der Mielke-Stellvertreter und zeitweilige Chef des MfS/AfNS, Generaloberst Wolfgang Schwanitz, wird von der Untersuchungskommission befragt.

14. März 1990

Ende der Anhörungen durch die Untersuchungskommission

Fazit der Anhörungen und Recherchen: Befehl schließt Gewaltanwendung nicht aus

27. April 1990

Mit Beendigung der Arbeit der Stadtverordnetenversammlung (SVV) erlischt der Auftrag der Kommission. Christoph Hein stellt noch den Antrag, einen Bürgerbeauftragten zu ernennen, an den sich Personen wenden können, die Opfer polizeilicher Übergriffe geworden sind. Über diesen Antrag wird von der SVV nicht mehr entschieden. In Absprache mit dem damaligen Stadtrat für Inneres, Thomas Krüger (SPD), setzt die Kommission ihre Arbeit – mit reduzierten Möglichkeiten – bis zur Vorlage eines Abschlussberichtes 1991 fort.

Interview mit Christoph Hein: Hohe Funktionäre und Stasi-Generäle mussten antworten

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