Eberswalder Straße.
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Damals. Früher. Es ist kein erstes Date. Sondern ein Wiedersehen. Zum ersten Mal seit acht Wochen verlassen wir Weißensee, doch die Zeit, in der ich nicht U-Bahn gefahren bin, nicht lesend oder schreibend meine Station verpasst habe, kommt mir viel länger vor. Werde ich sie wiedererkennen, die Stadt? An die Veränderungen im Kiez habe ich mich gewöhnt, doch wie werden die anderen Straßen und Plätze aussehen? Werden viele Menschen unterwegs sein? Und was soll ich hoffen?
Das Kind kümmert das alles nicht. Nach Ostern hat es sein ganzes Playmobil an die Nachbarn verkauft und seitdem vergeht kein Tag ohne Preisungen des Lego-Sets, das es sich kaufen möchte. Wie schön die Riesenkreuzung am U-Bahnhof Eberswalder Straße in der Morgensonne aussieht erwähnt es trotzdem. Es weiß, wie sehr ich diesen Straßenstern mag. Nach der Tramfahrt reißen wir uns die Masken vom Gesicht und atmen auf Vorrat für die U-Bahnstrecke.
Als die vertraute Durchsage erklingt und der Zug einfährt, werde ich selbst zum Kind. Wibbele als ging’s in die Ferien. Es sind wenig Menschen unterwegs und ich genieße die Fahrt wie eine Zugreise durch pralle Landschaft. Die Namen der Stationen werden zum Gedicht. Klosterstraße. Spittelmarkt. Hausvogteiplatz. Am Mendelssohn-Bartholdy-Park erklärt eine Mitreisende dem Kind, dass das ein Komponist war und plötzlich bin ich für einen Augenblick so glücklich, dass es weh tut. Wie mir das gefehlt hat. Das Plaudern in der Bahn.
Nollendorfplatz. Das Kind sagt: „Der kommt doch in „Emil und die Detektive“ vor.“ Seine Lektüre in der ersten Zeit der Schulschließung. Lange her. Wittenbergplatz. Wir verlassen den Bahnhof. Nach einem tiefen Atemzug ruft das Kind: „Das ist doch angenehm!“ und klingt dabei selbst wie eine Figur aus einem Kästnerbuch. Ich muss lachen und auch während des Legokaufs kriege ich das Grinsen nicht vom Gesicht. Die Verkäufer, es sind mehr als Kunden, denken wahrscheinlich, ich hätte gekifft. Es ist mir egal. Ich bin nur froh. Über die Gedächtniskirche. Die Frauen, die Maiglöckchen verkaufen. Über die Menschen, die auf den flachen Mauern rings um die Blumenrabatte sitzen und Kaffee trinken. Schlangen sehe ich nirgends, außer eine kurze vor dem KaDeWe. Mich wundert das nicht. Ich will auch nichts kaufen. Brauche nichts. Außer die Sonne, das Atmen und die Stadt. Sie ist dieselbe und doch verändert. Wie ich. Wie das Kind. Die Freude in seinen Augen kann keine Maske der Welt verbergen. „Bis bald“ rufe ich der Stadt leise zu, bevor wir uns auf den Rückweg machen.
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