URAN-MUNITION - Eine Studie der Vereinten Nationen belegt eine schwache radioaktive Verstrahlung zahlreicher Orte im Kosovo. Umweltschützer fordern eine umfassende Aufklärung der Bevölkerung.: Keine Auskunft von der Kfor

BERLIN, 5. Januar. Umweltaktivisten aus dem Kosovo und Westeuropa versuchen schon seit über einem Jahr, Informationen über die Verwendung Uran-haltiger Munition im Kosovo zu sammeln. Der dänische Ökologe Niels Henrik Hooge, bis vor kurzem Wahlkampfmanager der Grünen Partei des Kosovo, sagte am Freitag der "Berliner Zeitung": "Wir haben bereits im vergangenen Frühjahr Boden- und Wasserproben genommen, aber in der Region kein Labor gefunden, das sie untersuchen wollte." Nachfragen zu dem heiklen Thema habe weder die internationale Kfor-Schutztruppe noch die UN-Verwaltung Unmik beantworten wollen, Er selbst habe in Prizren im Süden des Kosovo Einwohner zu den Bombenschäden in der Stadt befragt, erklärt Hooge. "Mehrere Menschen haben mir gegenüber erklärt, dass das Hauptquartier der Dritten Serbischen Armee mit uranhaltiger Munition beschossen wurde, weil es dort unterirdische Munitionslager gab." Das Gelände am östlichen Stadtrand wurde von den Bomben geradezu umgepflügt. Im vergangenen Jahr errichtete die deutsche Kfor-Truppe dort ihr neues Hauptquartier. "Ich befürchte, dass es im Feldlager Prizren eine Radioaktivitätsgefahr für die Soldaten gibt", sagt der dänische Umweltaktivist. "Aber das größte Risiko besteht vermutlich für die lokale Bevölkerung."Uno warnt vor GesundheitsgefahrDiese Meinung teilt Christy Duijvelaar, Mitarbeiterin der internationalen Umweltschutzorganisation Regional Environmental Center (REC) mit Sitz in Budapest. REC veröffentlichte im vergangenen Mai den ersten Bericht über Umweltgefahren im Kosovo. "Über abgereichertes Uran waren nur sehr wenig Informationen zu bekommen", sagt die Holländerin. "Niemand will dazu Genaues sagen, weder die Weltgesundheitsorganisation WHO noch die Kfor." Bislang habe auch noch niemand die Zivilbevölkerung auf mögliche Krebserkrankungen untersucht. "Wir wissen einfach nicht, ob es einen Anstieg von Krebs im Kosovo gibt", sagt Duijvelaar. Sie verweist darauf, dass schon einzelne radioaktive Partikel Krebs auslösen können, "nicht nur Leukämie, auch andere Krebsarten. Das Problem ist, dass diese Partikel sich als Staub in der Luft verteilt haben."Unterdessen warnten auch die Vereinten Nationen vor möglichen Gesundheitsgefahren für die Bevölkerung im Kosovo durch die Uran-Geschosse. In einer vorläufigen Bilanz der UN-Umweltorganisation Unep nach Untersuchungen in der Region heißt es, an acht von elf Orten sei im Umkreis von Einschusslöchern eine höhere Beta-Strahlung gemessen worden. "Das Unep-Team war erstaunt, eineinhalb Jahre nach dem Konflikt an diesen Stellen Überbleibsel uranhaltiger Munition einfach auf dem Boden zu finden", erklärte der Leiter des Teams, der frühere finnische Umweltminister Pekka Haavisto, in Genf. Die Erde unter der Munition sei leicht kontaminiert gewesen, deshalb werde auch das Grundwasser untersucht.Der Unep-Sprecher Michael Williams sagte der "Berliner Zeitung", zwar sei der Abschlussbericht erst im März zu erwarten. Schon jetzt sei es aber "sinnvoll, vorsorglich Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen, um die Bewohner der Region zu schützen". Die Menschen müssten sich von den Fundstellen der Munition fern halten. Reste der Geschosse sollten aufgesammelt und sicher gelagert werden. "Außerdem müssen die lokalen Behörden informiert werden", sagte Williams.340 ProbenWissenschaftler analysieren derzeit im Auftrag der Unep insgesamt 340 Proben von Boden, Wasser und Pflanzen aus dem Kosovo. Die UN-Umweltorganisation erklärte, ähnliche Untersuchungen seien auch in Serbien und Montenegro geplant. Dort befänden sich weitere der insgesamt 112 Abschussstellen von Uran-Geschossen, die die Nato benannt habe.Der Gründer der Hilfsorganisation Cap Anamur, Rupert Neudeck, sagte allerdings, bis jetzt gebe es im Kosovo keine Hinweise auf gesundheitliche Probleme durch radioaktive Strahlung. Auch nach Angaben des albanischen Arztes Skandar Xhakaliu, der für Cap Anamur arbeitet, wurden noch keine gehäuften Fälle von Leukämie oder anderen Krebsarten festgestellt.112 verstrahlte Orte // Die Nato hat gegenüber der UNO insgesamt 112 Orte in Jugoslawien angegeben, an denen uranhaltige Munition eingesetzt wurde. Die meisten dieser Gebiete liegen laut Nato-Angaben in der Provinz Kosovo.Ein Team der UNO hat stichprobenartig 11 Orte im Kosovo auf Radioaktivität untersucht. An acht Orten wurde eine erhöhte Strahlung festgestellt. Drei der kontaminierten Orte liegen im deutschen Sektor im Kosovo.REUTERS/HAZIR REKA Von der Nato im Krieg 1999 zerbombte Kaserne der jugoslawischen Bundesarmee in der Stadt Pec im ...

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BERLIN, 5. Januar. Umweltaktivisten aus dem Kosovo und Westeuropa versuchen schon seit über einem Jahr, Informationen über die Verwendung Uran-haltiger Munition im Kosovo zu sammeln. Der dänische Ökologe Niels Henrik Hooge, bis vor kurzem Wahlkampfmanager der Grünen Partei des Kosovo, sagte am Freitag der "Berliner Zeitung": "Wir haben bereits im vergangenen Frühjahr Boden- und Wasserproben genommen, aber in der Region kein Labor gefunden, das sie untersuchen wollte." Nachfragen zu dem heiklen Thema habe weder die internationale Kfor-Schutztruppe noch die UN-Verwaltung Unmik beantworten wollen, Er selbst habe in Prizren im Süden des Kosovo Einwohner zu den Bombenschäden in der Stadt befragt, erklärt Hooge. "Mehrere Menschen haben mir gegenüber erklärt, dass das Hauptquartier der Dritten Serbischen Armee mit uranhaltiger Munition beschossen wurde, weil es dort unterirdische Munitionslager gab." Das Gelände am östlichen Stadtrand wurde von den Bomben geradezu umgepflügt. Im vergangenen Jahr errichtete die deutsche Kfor-Truppe dort ihr neues Hauptquartier. "Ich befürchte, dass es im Feldlager Prizren eine Radioaktivitätsgefahr für die Soldaten gibt", sagt der dänische Umweltaktivist. "Aber das größte Risiko besteht vermutlich für die lokale Bevölkerung."Uno warnt vor GesundheitsgefahrDiese Meinung teilt Christy Duijvelaar, Mitarbeiterin der internationalen Umweltschutzorganisation Regional Environmental Center (REC) mit Sitz in Budapest. REC veröffentlichte im vergangenen Mai den ersten Bericht über Umweltgefahren im Kosovo. "Über abgereichertes Uran waren nur sehr wenig Informationen zu bekommen", sagt die Holländerin. "Niemand will dazu Genaues sagen, weder die Weltgesundheitsorganisation WHO noch die Kfor." Bislang habe auch noch niemand die Zivilbevölkerung auf mögliche Krebserkrankungen untersucht. "Wir wissen einfach nicht, ob es einen Anstieg von Krebs im Kosovo gibt", sagt Duijvelaar. Sie verweist darauf, dass schon einzelne radioaktive Partikel Krebs auslösen können, "nicht nur Leukämie, auch andere Krebsarten. Das Problem ist, dass diese Partikel sich als Staub in der Luft verteilt haben."Unterdessen warnten auch die Vereinten Nationen vor möglichen Gesundheitsgefahren für die Bevölkerung im Kosovo durch die Uran-Geschosse. In einer vorläufigen Bilanz der UN-Umweltorganisation Unep nach Untersuchungen in der Region heißt es, an acht von elf Orten sei im Umkreis von Einschusslöchern eine höhere Beta-Strahlung gemessen worden. "Das Unep-Team war erstaunt, eineinhalb Jahre nach dem Konflikt an diesen Stellen Überbleibsel uranhaltiger Munition einfach auf dem Boden zu finden", erklärte der Leiter des Teams, der frühere finnische Umweltminister Pekka Haavisto, in Genf. Die Erde unter der Munition sei leicht kontaminiert gewesen, deshalb werde auch das Grundwasser untersucht.Der Unep-Sprecher Michael Williams sagte der "Berliner Zeitung", zwar sei der Abschlussbericht erst im März zu erwarten. Schon jetzt sei es aber "sinnvoll, vorsorglich Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen, um die Bewohner der Region zu schützen". Die Menschen müssten sich von den Fundstellen der Munition fern halten. Reste der Geschosse sollten aufgesammelt und sicher gelagert werden. "Außerdem müssen die lokalen Behörden informiert werden", sagte Williams.340 ProbenWissenschaftler analysieren derzeit im Auftrag der Unep insgesamt 340 Proben von Boden, Wasser und Pflanzen aus dem Kosovo. Die UN-Umweltorganisation erklärte, ähnliche Untersuchungen seien auch in Serbien und Montenegro geplant. Dort befänden sich weitere der insgesamt 112 Abschussstellen von Uran-Geschossen, die die Nato benannt habe.Der Gründer der Hilfsorganisation Cap Anamur, Rupert Neudeck, sagte allerdings, bis jetzt gebe es im Kosovo keine Hinweise auf gesundheitliche Probleme durch radioaktive Strahlung. Auch nach Angaben des albanischen Arztes Skandar Xhakaliu, der für Cap Anamur arbeitet, wurden noch keine gehäuften Fälle von Leukämie oder anderen Krebsarten festgestellt.112 verstrahlte Orte // Die Nato hat gegenüber der UNO insgesamt 112 Orte in Jugoslawien angegeben, an denen uranhaltige Munition eingesetzt wurde. Die meisten dieser Gebiete liegen laut Nato-Angaben in der Provinz Kosovo.Ein Team der UNO hat stichprobenartig 11 Orte im Kosovo auf Radioaktivität untersucht. An acht Orten wurde eine erhöhte Strahlung festgestellt. Drei der kontaminierten Orte liegen im deutschen Sektor im Kosovo.REUTERS/HAZIR REKA Von der Nato im Krieg 1999 zerbombte Kaserne der jugoslawischen Bundesarmee in der Stadt Pec im Kosovo

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