Im Garten wächst mehr, als man ausgesät hat“, so lautet ein englisches Sprichwort, das allerdings die zerstörerische Kraft der Schnecken ignoriert. Wahr ist der Satz trotzdem, denn zum inneren Frieden trägt es erheblich bei, versonnen herumzubuddeln und die eigene Ernte stolz heimwärts zu tragen.
Wer sich nicht dem Regiment der Schrebergärten unterwerfen will und sich auch nicht für den größten Streber am Beet hält, dem bieten sich in dieser Stadt auch lässigere Anbaumethoden, Gruppenerlebnis inklusive. In urbanen Gärten – in Höfen, auf Brachen, zwischen Baumärkten und Bahngleisen – ist die große Freiheit im Grünen vielleicht ein Hochbeet, für das Badewanne oder Kinderbett umfunktioniert wurde.
Oder ein „Essbarer Garten“, den alle für alle bewirtschaften. Gemeinschaftsgärten haben ihren Ursprung in den Neunzigern, als interkulturelle Gärten entstanden, um den Austausch zwischen Deutschen und Migranten zu befördern – in Berlin, wie könnte es anders sein, gibt es sie in allergrößter Vielfalt. An die hundert sollen es sein, wir zeigen zehn davon:
Nachhaltiger Nutzen
Einen „Ort des Lernens, Wachsen und Veränderns“ gestaltet hier eine Gemeinschaftsinitiative. Schön ruhig ist es auch, versteckt hinterm Birkenwald, gefühlt weit weg vom Mauerpark-Trubel.
Mauergarten, Parkeingang Lortzingstraße/Gleimtunnel, 13355 Berlin
Tempelhofer Träume
Sollen die anderen auf dem früheren Flugfeld ruhig rennen und rasen – im 5000 Quadratmeter großen Gemeinschaftsgarten mit eigenem Verein guckt man entschleunigt in den Sonnenuntergang.
Allmende-Kontor, Tempelhofer Feld, Eingang Oderstraße, 12101 Berlin
Lässiges Labor
Studenten der nahen Kunsthochschule haben den interkulturellen Garten initiiert – Natur und Kultur für alle Nachbarn.
Bermudagarten, Johannes-Itten-Straße 2, 13086 Berlin
Wild Wedding
1700 Quadratmeter mit Hochbeeten, die verpachtet oder gemeinsam bewirtschaftet werden. Das Low-Waste-Café finanziert das Himmelbeet mit – und hat einen Architekturpreis gewonnen.
Himmelbeet, Ruheplatzstraße 12, 13347 Berlin
Allerlei Arten
Am Ufer der Spree kultiviert der Betreiberverein essbare Landschaften – auch als Lernorte für die Stadtentwicklung.
Spreeacker, Wilhelmine-Gemberg-Weg, 10179 Berlin
Heller Hof
Zwischen den Hausriegeln entstand ein halböffentlicher „Pocketpark“, mit Grabeland, Bühne und Sitzecken im Grünen.
Nachbarschaftsgarten, Wönnichstraße 104, 10317 Berlin
Soziale Stadt
Beete, Bienen oder Bauen? Wer mitmachen will, wird in Arbeitsgruppen aktiv.
Kiezgarten, Fischerstr./Zobtener Str. 61, 10317 Berlin
Urbaner Ursprung
Sogar mit Seerosenteich! Der Garten erblüht auf einer Brache am Ostkreuz.
Laskerwiese, Laskerstraße 6–8, 10245 Berlin
Freunde finden
Der Garten wurde 2006 gegründet, damit Flüchtlinge Wurzeln schlagen können.
Rosenduft, Ostpark Gleisdreieck, 10963 Berlin
Berühmte Beete
Über 500 Gemüse- und Kräutersorten wachsen da, wo eine vermüllte Brache war.
Prinzessinnengarten, Prinzenstraße 35–38, 10969 Berlin
Alle Fotos: Benjamin Pritzkuleit
Noch mehr Urbane Gärten gibt es unter http://anstiftung.de/urbane-gaerten/gaerten-im-ueberblick
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