Enthüllung

Mysteriöser Untergang der „Ursa Major“: Russisches Schiff transportierte offenbar Atomtechnik für Nordkorea

Ein Medienbericht wirft neue Fragen zum mysteriösen Untergang des russischen Militär-Frachters auf. Spanische Ermittler vermuten eine geheime Lieferung von Atomtechnik nach Nordkorea.

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Das russische Frachtschiff „Ursa Major“ auf einem Foto der portugiesischen Marine

Das russische Frachtschiff „Ursa Major“ auf einem Foto der portugiesischen Marine

© © Handout/Portuguese Navy/AFP

Als das russische Frachtschiff „Ursa Major“ Ende 2024 nach mehreren Explosionen im Mittelmeer sank, blieben viele Fragen offen. Nun legt eine umfangreiche Recherche des US-Senders CNN nahe: Das Schiff könnte auf geheimer Mission nach Nordkorea unterwegs gewesen sein – mit Bauteilen für Atomreaktoren an Bord. Spanische Ermittler prüfen demnach Hinweise auf eine mögliche Lieferung russischer Atomtechnik für U-Boote.

Der Untergang ereignete sich rund 100 Kilometer vor der spanischen Küste. Zwei Besatzungsmitglieder kamen ums Leben, 14 weitere Seeleute konnten gerettet werden. CNN beruft sich auf spanische Ermittlungsunterlagen, Aussagen von Beteiligten sowie ausgewertete Flug-, Schiffs- und Satellitendaten. Die Hintergründe des Vorfalls sind bis heute ungeklärt.

Ermittler prüfen Verbindung zu Nordkorea

Laut einer Stellungnahme der spanischen Regierung gegenüber Oppositionsabgeordneten erklärte der russische Kapitän gegenüber Ermittlern, die „Ursa Major“ habe „Komponenten für zwei Atomreaktoren ähnlich denen in U-Booten“ transportiert. Ob sich nuklearer Brennstoff an Bord befand, habe er nicht bestätigen können.

CNN berichtet unter Berufung auf eine mit den spanischen Ermittlungen vertraute Quelle, der Kapitän habe geglaubt, die Fracht solle in den nordkoreanischen Hafen Rason geliefert werden. Nordkorea hatte wenige Monate zuvor Soldaten zur Unterstützung Russlands im Krieg gegen die Ukraine entsandt.

Die spanischen Ermittler halten laut CNN die offizielle Route des Schiffes für auffällig. Öffentlich war als Ziel der russische Hafen Wladiwostok angegeben worden. Die Ladung bestand laut Frachtpapieren unter anderem aus zwei großen Kränen, 129 leeren Containern und zwei als „Mannlochdeckel“ bezeichneten Objekten. Ermittler bezweifeln laut CNN, dass für eine solche Lieferung eine monatelange Seereise quer um Europa nötig gewesen wäre, obwohl Russland über ein dichtes Schienennetz verfügt.

Explosionen und plötzliches Sinken

Nach Angaben der spanischen Untersuchung verlangsamte sich das Schiff am 22. Dezember 2024 plötzlich in spanischen Gewässern. Auf Nachfrage spanischer Rettungskräfte habe die Crew zunächst keine Probleme gemeldet. Einen Tag später soll die „Ursa Major“ dann einen Notruf abgesetzt haben. Laut den Ermittlungen erschütterten drei Explosionen die Steuerbordseite nahe des Maschinenraums. Zwei Crewmitglieder kamen ums Leben. Die übrigen 14 Seeleute wurden von spanischen Rettungskräften aufgenommen.

CNN zufolge galt das Schiff zunächst noch als stabil. Später traf jedoch das russische Kriegsschiff „Ivan Gren“ am Unglücksort ein und forderte andere Schiffe auf, Abstand zu halten. Kurz darauf registrierte das spanische seismische Netzwerk laut CNN vier weitere Explosionen in dem Gebiet. Wenig später sank die „Ursa Major“.

Spekulationen über Sabotage

Besonders brisant sind Details aus der spanischen Untersuchung, über die CNN berichtet. Demnach fanden sich im Rumpf des Schiffes Schäden von etwa 50 mal 50 Zentimetern. Die Ermittler ziehen laut der Quelle in Betracht, dass ein sogenannter superkavitierender Torpedo eingesetzt worden sein könnte. Solche Hochgeschwindigkeitswaffen verfügen nur wenige Staaten, darunter die USA, Russland und einige Nato-Länder.

Andere von CNN befragte Experten halten diese Theorie allerdings für fragwürdig. Mike Plunkett vom Analyseunternehmen Janes sagte dem Sender, wahrscheinlicher sei eine Haftmine gewesen, die außen am Schiff angebracht worden sei. Mehrere westliche Sicherheitsvertreter bezeichneten den Vorfall gegenüber CNN zwar als ungewöhnlich, hielten Teile der spanischen Schlussfolgerungen aber für weit hergeholt. Eine alternative Erklärung für die Explosionen nannten sie laut dem Bericht nicht.

Radioaktivität? US-Militär schickte Spezialflugzeuge

Zusätzliche Fragen werfen laut CNN Aktivitäten des US-Militärs über dem Wrackgebiet auf. Demnach überflogen spezielle WC135-R-Aufklärungsflugzeuge der US-Luftwaffe das Gebiet mindestens zweimal nach dem Untergang. Die Maschinen dienen normalerweise dazu, radioaktive Partikel in der Atmosphäre aufzuspüren.

Ein Sprecher der zuständigen US-Luftwaffeneinheit bestätigte CNN zufolge, die Flugzeuge würden üblicherweise zur Analyse nuklearer Rückstände eingesetzt. Zu konkreten Einsätzen äußerte sich das Militär nicht.

Die spanische Regierung erklärte bislang nicht öffentlich, dass eine radioaktive Gefahr für die Küste bestanden habe. Hinweise auf Strahlung wurden bisher nicht bekannt.

Russische Reederei spricht von „Terrorangriff“

Die staatlich verbundene russische Reederei Oboronlogistics bezeichnete den Untergang wenige Tage später als „gezielten Terrorangriff“. Nach ihren Angaben gab es drei Explosionen. Außerdem sei der Schiffsrumpf durchlöchert und mit Splittern übersät gewesen.

CNN berichtet zudem, dass eine Woche nach dem Untergang das russische Spezialschiff „Yantar“ zum Wrack zurückkehrte. Das Schiff wird von westlichen Staaten seit Jahren verdächtigt, Spionage- und Sabotageoperationen in Nato-Gewässern zu unterstützen. Während des Aufenthalts der „Yantar“ registrierten Sensoren laut CNN erneut Explosionen am Meeresboden.

Unklar bleibt bislang, ob wichtige Beweise vom Wrack geborgen wurden. Das Schiff liegt laut spanischer Regierung in etwa 2500 Metern Tiefe. Oppositionspolitiker in Spanien äußerten gegenüber CNN Zweifel daran, dass eine Bergung des Datenschreibers technisch unmöglich sei.

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