Geopolitik

US-Druck auf Indien: Raffinerien zögern bei russischem Öl – Sorge um Europas Diesel

Unter US-Druck erwägt Indien, weniger russisches Öl zu importieren. Ein Schritt, der auch Europa treffen könnte. Neue EU-Sanktionen gefährden Milliardenexporte indischer Raffinerien.

BLZ
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Zapfsäulen an einer Tankstelle: Die Spritpreise sind wieder nach oben gegangen.

Zapfsäulen an einer Tankstelle: Die Spritpreise sind wieder nach oben gegangen.

© Christoph Schmidt/dpa

Unter wachsendem Druck aus den USA erwägt Indien, seine Ölimporte aus Russland zu drosseln - ein Schritt, der auch für Europa Folgen haben könnte. EU-Sanktionen treffen indische Raffinerien bereits, Dieselimporte stehen auf der Kippe.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag berichtete, bereiten sich einige indische Raffinerien darauf vor, ihre Rohölimporte aus Russland in den kommenden Monaten zu reduzieren. Von April bis September 2025 stammten rund 36 Prozent der indischen Rohölimporte aus Russland. Nun erwägen mehrere Unternehmen, diesen Anteil zu verringern - auch wegen des zunehmenden Drucks aus Washington.

Eine Verlagerung der Bezugsquellen könnte zwar mögliche Konflikte mit den EU-Bestimmungen entschärfen, zugleich aber die Versorgungslage verschärfen.

EU-Sanktionen gegen russisches Öl treffen Indien indirekt

Der Hintergrund: Ab dem 21. Januar 2026 ist der Import von Diesel und anderen Raffinerieprodukten verboten, die aus russischem Rohöl hergestellt wurden - selbst wenn die Verarbeitung in Drittstaaten wie Indien erfolgte.

Nach Berechnungen der Global Trade Research Initiative (GTRI) könnte das Vorgehen der USA und der EU rund ein Drittel der indischen Exporte raffinierter Ölprodukte nach Europa gefährden. Etwa fünf Milliarden US-Dollar der insgesamt 15 Milliarden US-Dollar schweren Öl-Exporte Indiens in die EU stehen damit auf dem Spiel, vor allem Diesel für den europäischen Markt.

Besonders betroffen sind die Großraffinerien Nayara Energy und Reliance Industries Limited (RIL). Nayara – zu knapp 49 Prozent im Besitz des russischen Staatskonzerns Rosneft – steht unter direktem Druck. Rosneft bezeichnete die EU-Sanktionen als „ungerechtfertigt und illegal“ und kündigte Widerstand an.

Auch die indische Regierung hatte die Entscheidung der EU scharf kritisiert und Europa „doppelte Standards“ vorgeworfen. Während europäische Unternehmen weiterhin indirekt an russischen Ölgeschäften verdienen könnten, werde Indien ungerecht behandelt, so der Vorwurf.

Diese EU-Länder nehmen indische Ölprodukte ab

Trotz verschärfter Regeln zeigen Analysen, dass die EU-Sanktionen bislang nur begrenzte Wirkung auf den Handel zwischen Indien und Europa hatten. Laut dem Center for the Study of Democracy stammten 2024 etwa 13 Prozent der über See eingeführten EU-Importe von Diesel und Flugbenzin aus Indien.

Wichtigster Abnehmer innerhalb der EU waren dabei die Niederlande, die allein Ölprodukte im Wert von 10,9 Milliarden US-Dollar bezogen – fast drei Viertel der gesamten EU-Importe aus Indien. Für Deutschland dagegen lag der Anteil 2023 bei rund einem Prozent oder 831 Millionen US-Dollar der Gesamtimporte.

Was das für Europa bedeutet

Noch ist offen, ob Indien seine Russland-Importe tatsächlich spürbar reduziert. Analysten erwarten, dass das Land Ausfälle durch zusätzliche Lieferungen aus dem Nahen Osten oder Afrika kompensieren könnte. Eine massive Verknappung auf dem Weltmarkt gilt daher als unwahrscheinlich – doch die Preise könnten kurzfristig steigen.

Energieexperten warnen, dass eine Zuspitzung des US-Drucks auf Indien die globalen Märkte weiter destabilisieren würde – mit möglichen Folgen auch für Verbraucherinnen und Verbraucher in Europa.

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