Nach dem Sturz von Baschar al-Assad griffen die US-Streitkräfte am Sonntag Dutzende Stellungen der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien an. Kampfflugzeuge hätten am Sonntag mehr als 75 IS-Ziele im Zentrum Syriens angegriffen, teilte das US-Zentralkommando (Centcom) im Onlinedienst X (ehem. Twitter) mit. Ziel der Angriffe sei es gewesen zu verhindern, dass der IS den Vorteil der aktuellen Umsturz-Situation in Syrien ausnutze.
Bei den Angriffen in Syrien seien Kampfflugzeuge vom Typ B-52, F-15 und A-10 zum Einsatz gekommen, hieß es weiter. „Wir werden nicht zulassen, dass sich der IS neu formiert und die derzeitige Situation in Syrien ausnutzt“, erklärte Centcom-Befehlshaber Michael Kurilla. „Alle Organisationen in Syrien sollten wissen, dass wir sie zur Rechenschaft ziehen werden, wenn sie mit dem IS in irgendeiner Weise zusammenarbeiten oder ihn unterstützen.“
Biden: Syrisches Volk hat „historische Gelegenheit“ auf bessere Zukunft
US-Präsident Joe Biden forderte zuvor, den langjährigen Machthaber des Landes für seine Verbrechen „zur Rechenschaft zu ziehen“. Assad müsse sich für „hunderttausende unschuldige Syrer, die misshandelt, gefoltert und getötet“ wurden, verantworten.
„Wir sind nicht sicher, wo er sich aufhält, aber es heißt, er sei in Moskau“, fuhr der scheidende US-Präsident fort. Kurz zuvor hatten russische Nachrichtenagenturen gemeldet, Assad und seine Familien hätten Zuflucht in Moskau gefunden. „Der Sturz des Regimes ist ein fundamentaler Akt der Gerechtigkeit“, sagte Biden weiter. Nun habe „das leidgeprüfte syrische Volk“ die „historische Gelegenheit“, eine bessere Zukunft aufzubauen.
Die USA würden „mit allen syrischen Gruppen“ Kontakt suchen, um unter der Schirmherrschaft der UNO „einen Übergang weg vom Assad-Regime hin zu einem unabhängigen, souveränen“ Syrien mit einer neuen Verfassung zu schaffen. Biden übergibt am 20. Januar die Amtsgeschäfte an den Rechtspopulisten Donald Trump, der am 5. November wiedergewählt wurde.
Zugleich warnte Biden, einige der Gruppen, die zum Sturz Assads beigetragen haben, wiesen eine „schlimme Bilanz des Terrors und der Menschenrechtsverletzungen“ auf. Die USA hätten die jüngsten Erklärungen ihrer Anführer zur Kenntnis genommen. Diesen Worten müssten Taten folgen, wenn diese Anführer größere Verantwortung übernommen hätten. Daran werde die US-Regierung sie messen.
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Das US-Militär hat in Syrien 900 und im Irak 2500 Soldaten als Teil der Anti-IS-Koalition stationiert. Diese wurde 2014 gegründet, um die Dschihadisten im Irak und auch in Syrien zu bekämpfen. Der scheidende US-Präsident Joe Biden sagte kurz vor Veröffentlichung der Centcom-Mitteilung, es sei klar, dass der IS „jedes Vakuum nutzen“ wolle, um sich in Syrien wieder zu etablieren.
Die islamistische Gruppierung Hajat Tahrir al-Scham (HTS) und mit ihr verbündete Milizen hatten am 27. November eine Großoffensive in Syrien begonnen. Am Sonntag nahmen sie die syrische Hauptstadt Damaskus ein und stürzten den seit Jahrzehnten herrschenden Machthaber Assad.
Die wichtigsten Verbündeten Assads – Russland, der Iran und die im Libanon ansässige Hisbollah-Miliz – griffen nicht ein, um den Vormarsch der islamistischen Kämpfer zu stoppen. Assad floh mit seiner Familie nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen nach Moskau.
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