Die Raketenbestände der Vereinigten Staaten im Iran-Krieg schrumpfen offenbar dramatisch. Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag berichtete, hat die US-Armee während des inzwischen fünf Monate andauernden Krieges gegen den Iran „so gut wie alle“ ihrer hochpräzisen Langstreckenraketen verbraucht. Das geht dem Bericht zufolge aus Angaben von drei internen Quellen hervor.
Betroffen sind vor allem die Boden-Boden-Waffensysteme ATACMS (Army Tactical Missile Systems) und die neuere Präzisionsrakete PrSM (Precision Strike Missile). Genau diese Waffen gelten auch als entscheidend für einen möglichen Krieg im Westpazifik. Ist das US-Militär noch bereit für künftige Konflikte?
Was Reuters über die leeren Depots berichtet
Nach Angaben von Reuters spielt sich das Ausmaß des Munitionsschwunds bislang unbemerkt ab. Zwei der Quellen sprachen davon, dass „so gut wie alle“ – ATACMS- und PrSM-Bestände aufgebraucht seien.
Wie viele der jeweiligen Raketen noch übrig sind, wollten die Quellen nicht sagen. Die Langstreckenwaffen ermöglichen präzise Angriffe aus sicherer Entfernung und kosten laut Analysten jeweils über eine Million US-Dollar.
Zudem verbrauchten die USA laut einer der Reuters-Quellen seit Kriegsbeginn etwas weniger als die Hälfte ihres weltweiten Tomahawk-Bestands. Diese Zahl konnte Reuters nach eigenen Angaben nicht unabhängig überprüfen.
Trump widerspricht: „Haben mehr als wir brauchen“
Das Weiße Haus wies die Sorgen auf Anfrage von Reuters mit einer Stellungnahme Trumps zurück. Die USA hätten „weit mehr Munition als irgendjemand sonst auf der Welt“ und „weit mehr, als wir brauchen“, erklärte Trump demnach.
Auch der oberste Pentagon-Sprecher Sean Parnell verteidigte gegenüber der Nachrichtenagentur die Einsatzbereitschaft: Das US-Militär sei „das mächtigste der Welt“ und habe „alles, was es braucht“.
Bereits zuvor hatte US-UN-Botschafter Mike Waltz Berichten über einen Munitionsmangel widersprochen. In der NBC-Sendung „Meet the Press“ sagte er am 26. Juli 2026: „Ich möchte unmissverständlich klarstellen: Das US-Militär hat – und ich habe das in jeder Hinsicht überprüft – alles, was es braucht.“ Waltz forderte laut dem Bericht zudem Haftstrafen für Whistleblower.
Auch die Verteidigungsraketen werden knapp
Nicht nur Angriffswaffen sind betroffen. Der Thinktank Center for Strategic and International Studies (CSIS) veröffentlichte laut Reuters vergangene Woche einen Bericht, wonach zwischen Februar und Juli rund 65 Prozent der Patriot-Abfangraketen verbraucht wurden. Die Zahl der THAAD-Abwehrraketen lag demnach mindestens 38 Prozent unter dem Vorkriegsstand.
CSIS-Analysen zufolge verbleiben schätzungsweise weniger als 1000 Patriot-Abfangraketen – etwa ein Drittel des Vorkriegsbestands – und nur noch rund 250 THAAD-Raketen. Wichtig: Es handelt sich um Schätzwerte aus offenen Modellrechnungen, nicht um offiziell freigegebene Pentagon-Bestände.
Laut CSIS ist der Engpass ein strukturelles Problem. Die US-Planung sei nach dem Kalten Krieg eher auf kürzere Regionalkriege ausgelegt worden als auf lange, hochintensive Konflikte gegen einen gleichwertigen Gegner.
Asymmetrische Dynamik: Abwehr teuer, Aufrüstung billig
Ein Detail verdeutlicht das Ungleichgewicht. Während die USA teure Abfangraketen im Millionenwert verbrauchen, rüstet der Iran offenbar kostengünstig auf.
Berichten von Reuters zufolge liefert China in den kommenden Wochen eine erste Tranche von bis zu 400 tragbaren Luftabwehr-Raketenwerfern (MANPADS) der Typen QW-12 und FN-16 an den Iran. Der Rüstungsdeal hat demnach einen geschätzten Wert von 60 bis 70 Millionen US-Dollar.
Der Iran-Krieg wurde im Februar von US-Präsident Donald Trump gemeinsam mit Israel begonnen. Trump hatte damals vorausgesagt, der Konflikt werde nur kurz dauern. Fünf Monate später warnen die Quellen nun, dass die schwindenden Bestände die Abschreckung gegenüber Gegnern schwächen könnten. Zuletzt gab es Unklarheit über angebliche Verhandlungen zwischen Washington und Teheran.
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