Am Anfang steht der Kaffeeautomat. Selbst der genialste Softwaretüftler wird im Cisco-Innovationszentrum erstmal zum Barista weitergebildet. Denn jeder, der in dem sanierten Backsteingebäude auf dem Euref Campus in Schöneberg mitarbeiten will, hat in der Woche zwei Stunden Dienst an der Kaffeemaschine. Die steht auf einem Tresen in einem Raum, in dem liebevoll aufgearbeitete Secondhand-Möbel Wohngemeinschaftsküchen-Charme verbreiten. Das fördert den Zusammenhalt – und die besten Ideen werden ohnehin in der Küche geboren. Genau darum geht es in der neuen Berliner Werkstatt des amerikanischen IT-Giganten Cisco. Am Donnerstag wurde sie offiziell eröffnet.
Ein Jahr lang hat das kalifornische Unternehmen das alte Magazingebäude auf dem einstigen Gasometer-Gelände saniert, mit moderner Kommunikationstechnik ausgestattet. Es soll Ciscos Ideenschmiede für das „Internet of Everything“ werden. 26 Millionen Euro investiert das Unternehmen in das Projekt in den nächsten Jahren. Weltweit verfügt der Konzern nur über sechs solcher Zentren. Berlin steht nun neben Rio de Janeiro, Toronto, Barcelona, London und das südkoreanische Songdo. Der Schwerpunkt in Berlin sind Lösungen für die Sparten Produktion, Transport und Logistik.
Berlins Vorteile waren unschlagbar
In Deutschland konkurrierte die Hauptstadt mit Stuttgart, München und Hamburg als Standort. Die Vorteile Berlins waren am Ende unschlagbar: die große Start-up-Szene, die starke Forschungs- und Universitätslandschaft, das Lebensgefühl und auch die günstigen Immobilien- und Lebenshaltungskosten. Kurz: „Berlin ist im europäischen Vergleich der Hotspot“, sagt Cisco-Manager Bernd Heinrichs und Leiter des openBerlin Innovation Centers, wie es offiziell heißt.
Die Ideenwerkstatt ist als ein im Prinzip offenes Haus konzipiert. Von den gut 100 Jobs werden nur etwa zehn Prozent Cisco-Mitarbeiter sein. Der Rest sind externe Start-ups, Forscher, Entwickler, Vertreter von Partnerfirmen wie etwa Bosch und Intel, die von Cisco eingeladen werden, gemeinsam ein Problem zu lösen. „Die Idee ist, dass am Ende immer ein vermarktbares Produkt steht“, sagt Heinrichs. Gemeinsam, so der Plan, wird dann daran verdient. Daher zahlen die eingeladenen Partner auch keine Miete. Cisco stellt dafür seine weltweite Infrastruktur – Software wie Hardware – und das Wissen der 75 000 Mitarbeiter zur Verfügung.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de