Bei seinem ersten Besuch in Brüssel als neuer US-Verteidigungsminister hat Pete Hegseth von der Nato einen Kurswechsel gefordert. Im Onlinenetzwerk X postete er ein Foto seiner Ankunft im Nato-Hauptquartier kurz vor einem Verteidigungsminister-Treffen. Dazu schrieb er, die Nato müsse eine „stärkere, tödlichere Kraft“ werden, und kein „diplomatischer Club“ sein.
Hegseth wollte am Nachmittag im Nato-Hauptquartier zunächst an dem Verteidigungsministertreffen von mehr als 50 Ländern teilnehmen, die die Ukraine unterstützen. Die sogenannte Kontaktgruppe tagt erstmals unter Leitung Großbritanniens, nachdem die USA unter Präsident Donald Trump die Federführung abgegeben haben. Am Donnerstag kommt Hegseth dann mit den Amtskollegen der anderen 31 Nato-Länder zusammen. Auf dem Programm steht zudem ein Nato-Ukraine-Rat mit dem ukrainischen Verteidigungsminister Rustem Umerow.
Von den Nato-Partnern forderten US-Präsident Donald Trump und sein Verteidigungsminister Pete Hegseth zuletzt Ausgaben von fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung, Deutschland hatte zuletzt knapp über zwei Prozent dafür ausgegeben. Zwei Prozent sind derzeit auch das offizielle Ziel des Verteidigungsbündnisses. Nach Angaben aus der Allianz erfüllen in diesem Jahr voraussichtlich 25 Staaten die Nato-Vorgabe. Das wären zwei mehr als 2024. Nach Ansicht von Hegseth müsse Europa selbst am meisten zur Verteidigung seiner Nachbarschaft beitragen, sagte er mit Blick auf die Ukraine kürzlich bei einem Besuch von US-Streitkräften in Stuttgart.
Beim Treffen am Mittwoch dürfte es nun vor allem darum gehen, wie die Trump-Regierung künftig mit der Ukraine-Hilfe umgeht und wie das Ramstein-Format ohne US-Führung aussehen kann. Der US-Präsident hatte wiederholt die US-Hilfen an Kiew kritisiert und behauptet, den Krieg innerhalb kürzester Zeit beenden zu können. Die Nato-Länder erhoffen sich von Hegseth auch mehr Aufschluss darüber. „Wir schicken keine US-Truppen in die Ukraine“, stellte der Pentagonchef dazu in Stuttgart klar.
Befürchtungen über einen Abzug der rund 100.000 US-Streitkräfte aus Europa spielte Hegseth im Vorfeld herunter. Es seien „derzeit keine Pläne in Vorbereitung, irgendetwas zu kürzen“, betonte er. Allerdings wollten die USA ihre Militärpräsenz „weltweit auf den Prüfstand stellen“, um sich stärker auf Chinas Ambitionen im Indopazifik konzentrieren zu können. (mit AFP)
Selenskyj vor wichtigstem Termin seit Monaten – in München trifft er J.D. Vance
Trumps Handelskrieg: Das sind die rationalen und irrationalen Elemente seiner Warnschüsse
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de