Die Bühne vor der Howard Universität in der Hauptstadt Washington DC sollte am Wahlabend der Ort ihrer feierlichen Siegeskundgebung sein. Doch es kam anders. Die demokratische Kandidatin Kamala Harris unterlag bei der Präsidentschaftswahl dem republikanischen Kandidaten Donald Trump recht deutlich. Nachdem sie ihre Rede am Wahlabend abgesagt hatte, räumte sie am späten Mittwochnachmittag Ortszeit ihre Niederlage ein: „Während ich die Niederlage bei dieser Wahl einräume, gebe ich nicht den Kampf verloren, der diese Wahlkampagne befeuert hat“.
Zudem sagte sie: „Mein Herz ist heute voll – voller Dankbarkeit für das Vertrauen, das Sie in mich gesetzt haben, voller Liebe für unser Land und voller Entschlossenheit“. Die Vizepräsidentin fügte hinzu: „Das Ergebnis dieser Wahl ist nicht das, was wir wollten, nicht das, wofür wir gekämpft haben, nicht das, wofür wir gestimmt haben. Aber hören Sie mir zu, wenn ich sage: Das Licht der amerikanischen Verheißung wird immer hell leuchten.“
Harris forderte ihre Unterstützer auf, nicht aufzugeben. „Manchmal dauert der Kampf eine Weile. Das heißt aber nicht, dass wir nicht gewinnen werden ... Geben Sie niemals auf.“. Dann forderte sie „alle Zuschauer“ auf, nicht zu verzweifeln. „Dies ist nicht die Zeit, die Hände in den Schoß zu werfen. Dies ist die Zeit, die Ärmel hochzukrempeln. Dies ist die Zeit, sich zu organisieren, zu mobilisieren und im Interesse der Freiheit und Gerechtigkeit und der Zukunft, die wir alle gemeinsam aufbauen können, engagiert zu bleiben“, sagte sie.
Kurz zuvor war bekanntgeworden, dass Harris Trump bereits angerufen hatte, um ihm zum Sieg zu gratulieren. Bei dem Telefonat habe sie mit dem künftigen Präsidenten die Notwendigkeit einer friedlichen Machtübergabe besprochen, sagte ein Berater von Harris, der anonym bleiben wollte. Trumps Sprecher Steven Cheung erklärte, Trump habe in dem Telefonat mit Harris deren Professionalität während des Wahlkampfes gewürdigt. Beide hätten die Notwendigkeit bekräftigt, „das Land zu einen“.
Harris sagte in ihrer Rede über das Telefonat: „Ich habe ihm auch gesagt, dass wir ihm und seinem Team beim Übergang helfen werden und dass wir uns für eine friedliche Machtübergabe einsetzen werden“.
Joe Biden telefoniert mit Donald Trump und lädt ihn ins Weiße Haus ein
Bis zu den Meldungen über das Telefonat mit Trump hatte es den ganzen Tage keine Neuigkeiten von ihr gegeben. Weder sie noch ihr Vizepräsidentschaftskandidat Tim Walz oder US-Präsident Joe Biden hatten bis dahin ihre Niederlage eingestanden oder Trump zu seinem Sieg gratuliert. Am Abend teilte dann das Weiße Haus mit, dass auch Biden mit Trump telefoniert habe, um ihm zum Wahlsieg zu gratulieren. In dem Telefonat habe Biden betont, wie wichtig es sei, „das Land zusammenzuführen“, hieß es.
Wie der AFP-Korrespondent Danny Kemp berichtete, habe Biden den designierten Präsidenten Trump zu einem Treffen ins Weiße Haus eingeladen. Das Personal werde in naher Zukunft einen konkreten Termin vereinbaren. Am morgigen Donnerstag werde Biden vor der Nation sprechen, um die Wahlergebnisse und den Übergang zu besprechen.
Trump siegte nicht nur deutlich bei der Präsidentschaftswahl, sondern sicherte sich bei der zeitgleich abgehaltenen Kongresswahl die Mehrheit für die Republikaner im Senat – und voraussichtlich sogar im Repräsentantenhaus. Damit dürfte er über eine Machtfülle verfügen, die lange Zeit kein US-Präsident mehr innehatte. (mit AFP)
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