Die US-Wirtschaft ist unter Präsident Donald Trump in den ersten drei Monaten des Jahres überraschend geschrumpft. Annualisiert – also auf das ganze Jahr hochgerechnet, wie es in den USA bei den Quartalszahlen zur Konjunktur anders als in Deutschland üblich ist – betrug der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) 0,3 Prozent, wie das Handelsministerium in Washington in einer ersten Schätzung mitteilte. Experten hatten mit einem Wachstum gerechnet.
Im Vergleich zum Vorquartal schrumpfte das BIP der USA den Angaben zufolge um 0,1 Prozent. Das Handelsministerium führte die Entwicklung auf deutlich erhöhte Importe vor Trumps erwarteten Zollankündigungen Anfang April zurück.
Trump: „Unser Land wird boomen“
Der Republikaner hatte am Dienstag den 100. Tag seiner zweiten Amtszeit gefeiert und den US-Bürgern eine blühende Wirtschaft und mehr Arbeitsplätze versprochen. Viele Experten halten seine Zollpolitik dagegen für wachstumsschädigend. Zum Ende der Amtszeit von Trumps Vorgänger Joe Biden hatte die Wirtschaft noch deutlich zugelegt.
Nach Veröffentlichung der neuesten Quartalszahlen versuchte Trump, die Bevölkerung und Investoren zu beruhigen. Er gab zunächst seinem Vorgänger die Schuld: „Dies ist Bidens Börse, nicht Trumps. Ich habe erst am 20. Januar übernommen. Bald werden Zölle greifen, und Unternehmen ziehen in Rekordzahlen in die USA“, schrieb der US-Präsident auf seiner Onlineplattform Truth Social. Er fügte hinzu: „Unser Land wird boomen, aber wir müssen den Biden-‚Überhang‘ loswerden. Das wird eine Weile dauern und hat NICHTS MIT ZÖLLEN ZU TUN, nur dass er uns schlechte Zahlen hinterlassen hat. Aber wenn der Boom beginnt, wird er beispiellos sein. HABEN SIE GEDULD!!!“
Trumps aggressive Zollpolitik sorgt für Turbulenzen an den Börsen
Die wirtschaftspolitischen Zahlen zu den ersten Monaten in der Amtszeit Trump waren mit Spannung erwartet worden, besonders angesichts der radikalen Zollpolitik, die er seit seinem Amtsantritt im Januar verfolgt. Der Republikaner hat in den vergangenen Monaten im großen Stil Sonderabgaben auf Einfuhren aus aller Welt verhängt. Besonders betroffen davon ist China.
Trump sorgt mit zahlreichen Zollankündigungen, -rücknahmen und einer insgesamt erratischen Handelspolitik seit Wochen für große Unsicherheit. An den Finanzmärkten hatte dies zeitweise heftige Marktturbulenzen zur Folge. Der 78-Jährige verspricht dabei durchgehend, seine Zollpolitik mache das Land reich und die US-Wirtschaft erfolgreicher denn je.
„Es ist um die US-Wirtschaft schlecht bestellt“
Bereits Ende des vergangenen Jahres hatte die US-Wirtschaft an Tempo verloren. Fachleute waren aber nicht davon ausgegangen, dass die US-Wirtschaft im ersten Quartal schrumpfen würde. Erwartet worden war, dass sich die wirtschaftlichen Auswirkungen der aggressiven Zollpolitik erst in den kommenden Wochen und Monaten richtig bemerkbar machen würden. Experten rechnen nun damit, dass weitere deutliche Effekte in den nächsten Monaten sichtbar werden.
Der US-Experte von KfW Research, Stephan Bales, erklärte mit Blick auf die Entwicklung: „Damit haben sich die seit Februar bestehenden Rezessionssorgen an den Finanzmärkten als Realität erwiesen. Doch die aktuellen Zahlen geben nur einen begrenzten Einblick in die tatsächliche Lage der US-Wirtschaft.“ Einmaleffekte wie Lageraufbau hätten im ersten Quartal noch unterstützend gewirkt – doch das dürfte sich rasch ändern, mahnte er. „Noch spiegeln sich diese Faktoren sowie Trumps Rundumschlag bei den Zöllen im April nur begrenzt in den Daten wider“, betonte Bales. „Die ungeschönte Bremswirkung von Trumps Wirtschaftspolitik dürfte sich ab Mitte des Jahres noch viel deutlicher zeigen.“
Der Analyst Dirk Chlench von der Landesbank Baden-Württemberg erklärte, der Rückgang der US-Wirtschaftsleistung sei vor allem auf das Anschwellen der Einfuhren in die Vereinigten Staaten zurückzuführen: „Die US-Wirtschaftsakteure zogen angesichts der angekündigten Zollerhöhungen ihre Bestellungen zeitlich offenbar nach vorn.“ Chlench warnte: „Es ist um die US-Wirtschaft schlecht bestellt – wie schlecht, werden die nächsten Daten zeigen.“
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