Migration

USA schicken erstmals Abschiebe-Flüge in die Demokratische Republik Kongo

Migranten aus Lateinamerika sollen diese Woche von den USA in den Kongo abgeschoben werden – ein Land, in dem sie nie gelebt haben. Was danach mit ihnen geschieht, ist unklar.

3 Min
Demonstranten protestieren vor einem Bundesgebäude in New York gegen das Vorgehen der US-Einwanderungsbehörde ICE.

Demonstranten protestieren vor einem Bundesgebäude in New York gegen das Vorgehen der US-Einwanderungsbehörde ICE.

© Gina M Randazzo/imago

Die Demokratische Republik Kongo wird in dieser Woche erstmals eine Gruppe von Abgeschobenen aus den USA aufnehmen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf vier mit der Angelegenheit vertraute Quellen. Es handelt sich dabei nicht um kongolesische Staatsbürger, sondern um Migranten aus Drittstaaten – teilweise aus Mittel- und Südamerika.

Die Zahl der Betroffenen liegt laut Reuters je nach Quelle zwischen 37 und 45 Personen. Sie sollen bis Freitag in Kinshasa eintreffen und in einem Hotel nahe dem Hauptflughafen untergebracht werden. Dort erhalten sie Einzelzimmer und zwei Mahlzeiten täglich, wie Reuters weiter berichtet. Das Hotel soll für andere Gäste geöffnet bleiben, die Abgeschobenen dürften sich frei bewegen. Die kongolesische Nationalpolizei und ein privates Sicherheitsunternehmen sichern das Gelände. Die Unterbringung ist laut einer der Reuters-Quellen auf zehn bis fünfzehn Tage angelegt. Was danach mit den Betroffenen geschieht, ist unklar.

USA sichert sich Zugang zu Kongos Rohstoffen

Die Abschiebungen fallen zeitlich mit zwei weiteren diplomatischen Vorgängen zusammen: Die Trump-Regierung vermittelt derzeit ein Friedensabkommen zwischen dem Kongo und Ruanda zur Beendigung der Kämpfe mit den von Ruanda unterstützten M23-Rebellen. Zudem wurde eine strategische Partnerschaft unterzeichnet, die den USA bevorzugten Zugang zu kongolesischen Rohstoffen sichert.

Das kongolesische Kommunikationsministerium bezeichnete die Vereinbarung laut AP als „vorübergehend“ und als Ausdruck des „Engagements für die Menschenwürde und internationale Solidarität“. Die USA tragen sämtliche Kosten, so die Regierung in Kinshasa.

Reuters identifizierte mindestens vier Migranten aus Kolumbien, Peru, Chile und Guatemala, die in dieser Woche in den Kongo abgeschoben werden sollen. Einem Gerichtsdokument zufolge erhielt ein peruanischer Migrant zwar keinen Asylstatus, jedoch gerichtlichen Schutz vor einer Abschiebung nach Peru wegen drohender Verfolgung – trotzdem soll er nun in den Kongo gebracht werden.

Scharfe Kritik von Menschenrechtsorganisationen

Menschenrechtsgruppen und Rechtsexperten kritisieren die Praxis der Drittstaaten-Abschiebungen scharf. Laut dem US Committee for Refugees and Immigrants werden solche Abschiebungen seit Februar 2025 „systematisch betrieben“. Die Betroffenen hätten keine Wahl, wohin sie geschickt werden, was „ernsthafte rechtsstaatliche und menschenrechtliche Bedenken“ aufwerfe, so das Komitee.

Laut einem Bericht der demokratischen Fraktion im US-Senatsausschuss für Außenbeziehungen hat die Trump-Regierung mindestens 40 Millionen Dollar ausgegeben, um rund 300 Migranten in Drittstaaten abzuschieben. Wie Al Jazeera berichtet, nannte der Vizepräsident der ugandischen Anwaltsvereinigung, Asiimwe Anthony, die Praxis „einen Windhauch transnationaler Unterdrückung“ und verglich sie mit einem „dunklen Kapitel“, das die Menschheit eigentlich hinter sich gelassen habe.

Die UN-nahe Internationale Organisation für Migration (IOM) erklärte laut Reuters, sie sei nicht an den Abschiebungen selbst beteiligt, könne aber auf Anfrage der kongolesischen Behörden „humanitäre Hilfe nach der Ankunft“ leisten. Das US-Außenministerium lehnte eine Stellungnahme zu den diplomatischen Details ab.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema