Handelsabkommen

Kanada wirbt mit „Fortress North America“ um Trump

Kanada will zurück an den Verhandlungstisch: Premier Carney und Ontarios Regierungschef Ford werben mit dem Konzept einer „Festung Nordamerika“ um die Gunst von US-Präsident Trump.

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Kanadas Premierminister Mark Carney bei einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump

Kanadas Premierminister Mark Carney bei einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump

© Adrian Wyld/imago

Kanada versucht mit einer offenbar geänderten Strategie, in die Handelsgespräche mit den USA über das nordamerikanische Freihandelsabkommen USMCA zurückzukehren. Premierminister Mark Carney und Ontarios Premier Doug Ford werben derzeit für eine engere Verzahnung der drei Volkswirtschaften unter dem Schlagwort „Fortress North America“ („Festung Nordamerika“).

Ford reist an diesem Montag nach Washington, um dort mit US-Vertretern über das Konzept zu sprechen. „Zölle und Unsicherheit schaden Arbeitnehmern, Unternehmen und Familien in beiden unseren Ländern“, schrieb Ford in einem Gastbeitrag für die Financial Post. Ein erneuertes Abkommen zwischen Kanada, den USA und Mexiko könne einen „Jobs-Boom“ auslösen und Investitionen in Auto-, Stahl-, Energie- und Rohstoffsektoren freisetzen.

USMCA-Abkommen soll überprüft werden

Hintergrund ist die anstehende Überprüfung des US-Mexiko-Kanada-Abkommens (USMCA), das jährliche Warenströme von rund 1,3 Billionen kanadischen Dollar zwischen Kanada und den USA regelt. Kanada ist derzeit von den bilateralen US-mexikanischen Gesprächen ausgeschlossen. Die Spannungen verschärften sich insbesondere nach einer von Ford gestarteten Anti-Zoll-Werbekampagne im Oktober 2025, die Präsident Donald Trump verärgerte und zum Abbruch laufender Handelsgespräche beitrug.

Carney hatte laut Financial Times Ende vergangenen Monats vor Wall-Street-Vertretern in New York erklärt, ein „starkes Kanada werde helfen, Amerika wieder groß“ zu machen.  Die Financial Times wertet Carneys Wortwahl als Anlehnung an Trumps Wahlkampfslogan „Make America Great Again“.  Anfang Mai hatte Carney laut dem Blatt erklärt, Kanada bleibe „offen für eine tiefere Integration, einschließlich Optionen für ein Fortress North America in ausgewählten Sektoren“.

Carney zwischen Abgrenzung und Annäherung

Carney war mit dem Versprechen ins Amt gewählt worden, sich gegen die US-Politik zur Wehr zu setzen, und hatte wiederholt von einem „Bruch“ mit den USA gesprochen. In seiner vielbeachteten Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar sagte er etwa: „Man kann nicht in der Lüge eines gegenseitigen Nutzens durch Integration leben, wenn Integration zur Quelle der eigenen Unterordnung wird“.

Das Weiße Haus kritisierte Carney scharf für die Davos-Rede sowie zuletzt auch für eine Annäherung Kanadas an China. Befeuert waren die diplomatischen Spannungen durch Trumps wiederholtes Bezeichnen von Kanada als „51. US-Bundesstaat“.

Trotz der Spannungen liefen nach Angaben von Goldy Hyder, Präsident des Business Council of Canada, gegenüber der Financial Times hinter verschlossenen Türen weiter Gespräche zwischen Verhandlern beider Seiten.

Kip Eideberg vom nordamerikanischen Maschinenbauverband warnte angesichts der neuen Rhetorik der kanadischen Regierung jedoch vor Verstimmungen mit anderen Regierungen. Gegenüber der kanadischen Zeitung Globe and Mail sprach er davon, dass der Ausdruch „Fortress North America“ in Brüssel, Neu-Delhi und Peking für Unmut sorgen werde.

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