Was ist nur in Josip Simunic gefahren? Der schlaksige Innenverteidiger der kroatischen Nationalmannschaft ist mittlerweile 35 Jahre alt, hat gerade gegen Island sein 105. Länderspiel absolviert und mit seinem Team nach dem 2:0-Erfolg in den Playoffs gegen die Mannschaft von der Atlantik-Insel (Hinspiel 0:0) die Endrunde der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien erreicht. Alles bestens, eigentlich.
Am Dienstagabend aber sorgte Simunic nach dem Schlusspfiff in Zagreb für einen Eklat. Simunic nutzte die große Bühne, schnappte sich das Stadionmikrofon und rief in Richtung der heißblütigen Fans „Za Dom – Spremni!“ Der Ustascha-Gruß aus dem Zweiten Weltkrieg heißt übersetzt: „ Für die Heimat – bereit!“ Die Ustascha war ein schon 1929 gegründeter Geheimbund mit faschistischem Hintergrund.
Der kroatische Nationaltrainer Kovac vertraut Simunic
Der neue Nationaltrainer Niko Kovac, 42, vertraut Simunic, ist seit langem mit dem gebürtigen Australier, der den kroatischen und australischen Pass besitzt, befreundet. Immerhin hatten beide als Profis gemeinsam zuerst beim Hamburger SV gespielt und zum Ende der Spielerkarriere von Kovac auch bei Hertha BSC. Dort brachte es Simunic auf stattliche 222 Bundesligaspiele. Längst aber verteidigt Simunic für Dinamo Zagreb. In der Bundesliga flog Simunic, ein eleganter Techniker mit überdurchschnittlichen Fähigkeiten, insgesamt sechs Mal nach Roten und Gelb-Roten Karten – oft üblen Fouls – vorzeitig vom Platz.
Bei der WM 2006 schaffte er es unfreiwillig ins Guinness-Buch der Rekorde, weil ihm der englische Schiedsrichter Graham Poll versehentlich in einem Spiel drei Gelbe Karten zeigte. In Berlin arbeitete Simunic mit einem Mentalcoach zusammen, weil er labil erschien. Nach Fehlern im Spiel grübelte er tagelang, konnte nur schwer abschalten und sich neu konzentrieren. Politisch aber äußerte er sich nie. Doch das ist lange her.
Nach Foul gegen serbischen Spieler für zwei Spiele gesperrt
Nun aber folgten mehrere Ausraster. Erst im Oktober, im WM-Qualifikationsspiel gegen Serbien, wurde er des Feldes verwiesen, als er den Serben Miralem Sulejmani brutal umgerammt hatte. Zwei Spiele Sperre folgten, ehe er gegen die Isländer wieder einsatzbereit war. Kroatische Medien schrieben nun von einer „Schande“ und schließen eine drastische Strafe durch die Fifa nicht aus. „Unser Team hat solange auf diese Feier gewartet, und dann verdirbt Joe alles“, kritisierte die Zeitung 24sata. Hinzu kommt, dass der Schütze des 1:0, Mario Mandzukic vom FC Bayern München, später die Rote Karte wegen eines Tritts bekam und mindestens für das erste WM-Spiel in Brasilien gesperrt wird (das 2:0 schaffte Dario Srna). Simunic aber zeigte erstmal keine Reue, sagte laut kroatischer Medien: „Ich wollte es tun. Ich bin ein Fan von Kroatien, meiner Heimat.“
Trainer Niko Kovac sprach später zuerst von einem „märchenhaften Spiel“, das Kroatien die vierte WM-Teilnahme brachte. Ein Statement des Trainers zum Fall des Josip Simunic war bis gestern noch nicht öffentlich. (mit Agenturen).
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