US-Tech-Milliardär Elon Musk hat den in Deutschland nicht freigegebenen Actionthriller „Citizen Vigilante“ des Regisseurs Uwe Boll in voller Länge auf seiner Plattform X verbreitet. Zuvor hatte sich Boll in einer Videobotschaft direkt an Musk gewandt. Der Film hat in Deutschland keine Altersfreigabe durch die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) erhalten. Boll kritisierte dies in einem Interview mit dieser Zeitung.
Boll richtete sich am Montag auf X mit den Worten an Musk: „Es ist auch ein Film gerade für Sie. Sehen Sie ihn sich an. Er ist gegen alle in der Filmindustrie gerichtet und zeigt die Verbrechen von Migranten in Europa und dass wir in einer existentiellen Krise sind – genau wie Sie es schon die ganze Zeit sagen.“
Die FSK hatte den Film in zwei voneinander unabhängigen Prüfverfahren mit dem Label „KK“ (Kein Kennzeichen) versehen. Damit dürfen Kinos, Streamingdienste, Fernsehsender und Elektronikmärkte den Film in Deutschland nicht anbieten. In den USA lief „Citizen Vigilante“ nach Angaben Bolls bereits am 19. Juni an, auch in anderen Ländern sei er ohne Auflagen freigegeben.
Boll wirft FSK politische Zensur vor
In dem Film mit dem US-Schauspieler Armie Hammer in der Hauptrolle begibt sich ein Geschäftsmann namens Sanders auf einen Selbstjustiz-Feldzug. Er tötet unter anderem migrantische Täter einer Gruppenvergewaltigung sowie einen Richter, der diese nicht ins Gefängnis geschickt hatte. Es handelt sich nach Angaben Bolls um den dritten Teil seiner Trilogie „Deutschland im Winter“ nach „Hanau“ und „Run“.
Nach Darstellung Bolls begründet die FSK ihre Entscheidung damit, dass der Film Selbstjustiz propagiere. Der Regisseur widerspricht in einem offenen Brief, den diese Zeitung dokumentiert hat. Seine Hauptfigur werde nicht als Held inszeniert, sondern als „egoistischer und sehr reicher Geschäftsmann, der quasi aus Langeweile anfängt, die Justiz in die eigenen Hände zu nehmen“, schrieb Boll. Das Gewaltlevel sei mit Filmen wie „John Wick“ oder „Equalizer“ vergleichbar.
Verweis auf Kunstfreiheit
Boll richtete den offenen Brief unter anderem an die Filmakademie, den Regieverband, PEN Deutschland und die Produktionsallianz. „Dies ist eine politisch motivierte Entscheidung der FSK“, heißt es darin. Acht von der FSK ausgewählte Personen entschieden, was mehr als 50 Millionen Erwachsene in Deutschland sehen dürften. Der Regisseur beruft sich auf die in Artikel 5 Absatz 3 des Grundgesetzes verankerte Kunstfreiheit.
Als Inspirationsquelle nannte Boll einen Fall aus Hamburg. Das Landgericht Hamburg hatte im November 2023 neun Männer im Alter zwischen 19 und 23 Jahren wegen der Vergewaltigung einer 15-Jährigen zu Jugendstrafen verurteilt. Bei acht der neun Verurteilten wurde die Strafe zur Bewährung ausgesetzt oder eine Vorbewährung angeordnet. Nach Angaben Bolls wird die FSK den Film in etwa vier Wochen erneut sichten.
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