Spiel gegen Leverkusen

Herthas Valentino Lazaro lässt die Berge hinter sich

Das Top-Talent ist defnitiv Fußballer und Stadtmensch - und kein Wintersportler.

Paul Linke
5 Min
 Valentino Lazaro im Spiel gegen Werder Bremen.

 Valentino Lazaro im Spiel gegen Werder Bremen.

© Carmen Jaspersen/dpa

Valentino Lazaro ist ein Spitzensportler. Und er ist ein Spitzensportfan. Es fasziniert ihn, zu sehen, zu welchen Leistungen ein Mensch imstande ist. Es interessiert ihn, wie andere trainieren, was sie dafür tun müssen, um erfolgreich zu sein, um ganz nach oben zu kommen. So wie er selbst. Turnen, Schwimmen, Basketball, das waren seine Fächer in der Schule. Er hat ein Sportgymnasium besucht, in Graz, die schöne Steiermark. Natürlich stand dort Skifahren auf dem Stundenplan. Und natürlich fuhr er auch in seiner Freizeit auf zwei Brettern, später auf einem. „Auf wilderen Pisten, durch den Tiefschnee, Schanzenspringen“, sagt Lazaro, scheint sich zu erinnern, „war schon gut.“ Ist aber auch schon fünf, sechs Jahre her.

Am Samstag werden in Pyeongchang die ersten winterolympischen Medaillen vergeben, die Spiele sind ein großes Thema in Österreich. Doch Lazaro hat sich nicht nur räumlich distanziert vom Land der Berge, nachdem er im vergangenen Sommer von RB Salzburg nach Berlin wechselte; um halb vier spielt Hertha BSC bei Bayer Leverkusen, etwa zeitgleich wird der Olympiasieger im Skispringen von der Normalschanze gekürt. Auch sein Gespür für Schnee ist schon länger nicht mehr das Gleiche.

Es geht nichts über den Fußball

Spätestens seit Lazaro in den Profikader, in die Salzburger Kampfmannschaft befördert worden ist und mit sechzehn in der österreichischen Bundesliga debütierte, war Skifahren keine Option mehr. Einerseits zu gefährlich. Andererseits: „Ich bin ein Typ, dem schnell kalt wird.“ Ein oder zwei Wochen kann er sich freuen über Schnee. „Dann hasse ich es.“

Dass einer, nur weil er Österreicher ist, die Winterspiele verfolgen muss, ist so ein Gedanke, der wohl auf Klischees basiert. Lazaro lächelt das weg und sagt, dass er bestimmt mal einschalten wird. Aus Interesse. Wegen der Faszination. Er war ja auch mal am Kulm, Weltcup, die größte Skiflugschanze der Welt. „War schon geil.“ Aber es geht nun mal nichts über Fußball. Von Anfang an. Er war drei Jahre alt, als er zum ersten Mal mit der Mannschaft seines Vaters trainierte. Heute ist er 21 und ein Beleg dafür, dass die Wintersportnation Österreich immer mehr zum Fußballland wird. Dank Red Bull und wegen Konzernchef Dietrich Mateschitz über den man vieles sagen kann, aber nicht: dass er kein Sportfan ist.


Gegnercheck

Söhne: Vor dem Heimspiel am Samstag gegen Hertha (15.30 Uhr) sagte Leverkusens Trainer Heiko Herrlich. „Ich habe einen Sohn, der ist 14 Jahre alt, und ich stelle mir vor, wenn er jetzt ein paar Jahre älter und ein Teil dieser Mannschaft wäre: Wie würde ich mit ihm umgehen, wenn ich jetzt Trainer wäre und ihm klarmachen müsste, dass er nicht spielt? Diesen Respekt versuche ich jedem einzelnen Spieler zu geben, als wäre es mein eigener Sohn.“

Brüder: Herrlichs Vaterrolle kommt anscheinend gut an in der Mannschaft. Die letzte schlechte Leistung zeigte Leverkusen bei der Auswärtsniederlage (1:2) in Berlin. Danach ging es von Tabellenplatz vierzehn auf zwei und am vergangenen Dienstag ins Pokalhalbfinale. Die einzig zurzeit schlechte Nachricht: Beim Heimsieg gegen Bremen erlitt Lars Bender einen Muskelfaserriss. Der Kapitän fällt mehrere Wochen aus. Bruder Sven ist fit. 


Als Lazaro noch in der Jugend für den Grazer AK spielte, gab es immer schon bessere Teams und fast immer prangten zwei rote Bullen auf deren Trikots. „Die haben fast jeden abgeschossen“, sagt Lazaro. Seit 2005 gibt es RB Salzburg, in den nachfolgenden zwölf Spielzeiten ist der Verein nur viermal nicht Meister geworden. Bei den Jugendteams ist die Dominanz ähnlich. Die besten Talente landen in Salzburg, wo es auch die beste Talentförderung gibt. Mit fünfzehn wechselte auch Valentino Lazaro. Er sagt: „Mir war damals gar nicht bewusst, dass der Verein so reich ist.“ Und: „Es hat einfach Spaß gemacht guten Fußball zu spielen und oft zu gewinnen.“

Für Hertha ist Lazaro ein Glücksgriff

Mateschitz hat den Fußball in Österreich verändert. Und die Diskussionen, die es später in Deutschland und um RB Leipzig gab, wurden natürlich auch dort geführt – aber nicht so polemisch. Und irgendwann arrangierten sich alle damit. Schaut man sich heute Österreichs Bundesliga an, fällt auf, dass es keinen Verein mehr gibt, der nicht mindestens einen in Salzburg oder beim Farmteam FC Liefering ausgebildeten Spieler in seinem Kader hat. „Die ganze Liga hat davon profitiert“, sagt Lazaro. Und dass die ganze Liga um einen zweiten Startplatz für die Champions League kämpft, stützt diese These.

Für Hertha ist Lazaro ein Glücksgriff. Der Offensivspieler, den man gar nicht falsch aufstellen kann, weil er auf jeder Position überraschende Lösungen findet, hat in Salzburg erst die holländische Schule durchlaufen, als Ricardo Moniz die Fußballakademie leitete. Später die deutsche, als Ralf Rangnick das Sagen hatte. Bedeutet in der Summe, dass er wie zuletzt gegen Bremen und Hoffenheim viele weite Wege ging und jeweils die auffälligsten Dribblings zeigte. Fünf Tore hat Lazaro bereits vorbereitet, das ist der Bestwert im Team.

Am Ende muss unbedingt noch ein zweites Klischee ausgeräumt werden. Nein, Valentino Lazaro vermisst nicht die Berge, er war nämlich nie der Typ, der ständig die Gipfel stürmen musste, er sagt: „Ich bin ein Stadtmensch.“

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