Veranstalter Schwenkow holt die Rolling Stones zurück in die Waldbühne / Nur 19 000 Karten

"Die freuen sich wie die Kinder"

Stefan Ehlert
3 Min

Manchmal ist es ja doch gut, Geburtstag zu haben. Als Impresario Peter Schwenkow am 15. Juni das 20jährige Jubiläum seiner Entertainment-Company "Concert-Concept" beging, schenkten ihm die Rolling Stones eine Europa-Premiere in Berlin. Nun hat Schwenkow mit Hilfe dieses Geschenkgutscheins einen seiner größten Coups gelandet: Er rang Bandleader Mick Jagger die Zusage für das dritte Stones-Konzert in der Berliner Waldbühne ab. Es wird am 10. September der Abschluß der "Bridges-To- Babylon-Tour" sein."Das ist das Konzert des Jahres, das ist amtlich", sagte Schwenkow am Donnerstag, am Morgen nach der Show im Olympiastadion. Dorthin kamen 70 000 zahlende Zuschauer, von denen viele ihre Helden nur von weitem auf der Bühne oder eben auf der Leinwand zappeln sahen. In der Waldbühne dagegen wird alles ganz anders: "Das wird wie ein großer Club-Gig", schwärmte Schwenkow, der sich nach eigenen Angaben kurz nach Bekanntwerden des Termins vor Anrufen nicht mehr retten konnte. In nur drei Stunden sollen am Donnerstag 11 000 Kartenwünsche registriert worden sein, die allerdings erst ab Freitag an den üblichen Vorverkaufsstellen und beim Ticket-Telefon 030/230 88 230 befriedigt werden können. Insgesamt bietet die Waldbühne 19 000 Plätze. Seit Wochen kursieren Gerüchte, die Stones würden während ihrer Europa-Tournee auch einen Auftritt in kleiner Runde zelebrieren. Aber wo? Spanien galt als Favorit, bis Peter Schwenkow das ganze Gewicht seiner "Gagenrelevanz in die Waagschale" warf. Immerhin hat er in Deutschland rund 800 000 Tickets für die Stones-Tournee an den Fan gebracht. Vor zehn Tagen dann hatte er den Waldbühnen-Gig "zu 99 Prozent" unter Dach und Fach. "Doch das letzte Wort hat immer der Chef, und der heißt Mick Jagger", sagte Schwenkow. Im Backstage-Bereich der Babylon-Bühne traf er sich am Mittwoch nachmittag im Olympiastadion mit Welttourneeveranstalter Michael Cohl, mit dem Agenten der Gruppe, John Giddings und mit Jagger persönlich. "Die freuen sich darauf, wie die kleinen Kinder", sagte Schwenkow und kündigte eine "Best-of-Show" an, wie auch die Bridges-to-Babylon-Tour einen Mix aus Klassikern und neuen Hits der seit 1962 bestehenden Band bietet. Die aufwendige Bühnenshow der Tournee sei allerdings nicht auf die kleine Waldbühne übertragbar. Die Planung läuft noch, nur die Kartenpreise stehen fest: nicht unter 75 Mark.Am 15. September 1965, als die Stones erstmals dort für eine knappe halbe Stunde aufliefen, war man schon mit sechs Mark dabei. Der Schaden belief sich anschließend auf mindestens 300 000 Mark. 87 Menschen, darunter viele Polizisten, wurden verletzt, als Stones-Fans die Sitzmöbel der Arena zerlegten und versuchten, die Bühne zu stürmen. Beim zweiten Waldbühnen-Konzert der Stones, 1982, verlief dann aber alles ganz friedlich. Und für den 10. September, fast auf den Tag 33 Jahre nach dem Krawallkonzert, rechnen weder Polizei noch Charlottenburgs Baustadträtin Beate Profé (Grüne) damit, daß die Familienband jemanden zu Ausschreitungen verleiten könnte.

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