Verdächtiger legt Geständnis ab Zwei Männer aus Sachsen in Haft / GSG 9 greift bei Geldübergabe auf Autobahnrastplatz zu / Beteiligung an drei Anschlägen zugegeben: Polizei nimmt Bahn-Erpresser fest

WIESBADEN, 23. Dezember. Die Erpressung der Deutschen Bahn AG ist offenbar aufgeklärt. Die Polizei nahm am Dienstag abend zunächst den mutmaßlichen Haupttäter und am Mittwoch morgen dann einen mutmaßlichen Komplizen fest. Das teilte das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden mit. Den beiden Männern wird vorgeworfen, mindestens drei Anschläge auf Schienenstrecken verübt zu haben, um von der Bahn zehn Millionen Mark zu erpressen.Der 46jährige mutmaßliche Haupttäter wurde auf dem Autobahnrastplatz Irschenberg an der Autobahn München Salzburg gefaßt. Er habe seine Beteiligung an den drei Anschlägen gestanden. Der zweite, 44jährige Mann sei gegen 8.30 Uhr in seiner Wohnung im sächsischen Chemnitz festgenommen worden. Auch der erste Mann habe zuletzt in Sachsen gewohnt.Der 46jährige gestand nach Angaben von BKA-Präsident Ulrich Kersten, an den drei Anschlägen am 8. Dezember bei Uchtspringe auf die Bahnstrecke Hannover Berlin, am 16. Dezember auf die Strecke Berlin Stralsund und am 18. Dezember auf die Strecke Greifswald Anklam beteiligt gewesen zu sein. Bei der letzten Tat war ein schwedischer Güterzug entgleist. Er sei auch für die Bombendrohungen gegen die Hauptbahnhöfe Hamburg, Frankfurt am Main und Nürnberg in der Nacht zum Mittwoch verantwortlich. Er habe telefonisch gesagt, dort seien "Sprengfallen" deponiert, die im Fall seiner Festnahme explodieren würden. Es sei aber nichts gefunden worden.Der 46jährige hatte sich laut Polizei seit Freitag mehrmals per Telefon bei der Bahn gemeldet. Dazu seien insgesamt vier Erpresserschreiben eingegangen, die mit "Freunde der Eisenbahn" unterzeichnet waren. Der Mann sei dann am Dienstag gegen 22 Uhr von einem Mobilen Einsatzkommando (MEK) des BKA und der Grenzschutz-Sondereinheit GSG 9 festgenommen worden, sagte Kersten. Er habe die Überbringer des erpreßten Geldes auf den Rastplatz gelotst, dort an das Fenster ihres Autos geklopft und dann den Kofferraum aufgerissen, um Taschen mit dem Geld herauszuholen. Ob es sich nur um eine fingierte Übergabe handelte, wollte der Leiter der BKA-Sonderkommission "Zug", Peter Hauk, nicht sagen.Ärger über NachahmungstäterBei dem 44jährigen mutmaßlichen Komplizen handelt es sich um den Halter des Fahrzeugs, mit dem der erste Täter nach Irschenberg gefahren war. Beide seien im Zusammenhang mit Erpressungsdelikten "einschlägig polizeilich in Erscheinung getreten". Bahn-Chef Johannes Ludewig zeigte sich "sehr froh" über das Ende der Erpressung. Er beklagte die hohe Zahl der Nachahmungstäter. So habe es allein am Montag 18 Störungen im Bahnverkehr gegeben, weil mit Anschlägen gedroht wurde. Die Deutsche Bahn wird auch nach den Festnahmen in den kommenden Tagen vorbeugend die Sicherheit auf ihren Strecken kontrollieren. So würden die Bahnlinien aus der Luft überwacht, sagte eine Sprecherin.Verkehrsminister Franz Müntefering und Innenminister Otto Schily (beide SPD) begrüßten die Festnahmen. Die Bundesregierung habe schon länger von der Erpressung gewußt und vor drei Wochen zum ersten Mal im Kabinett darüber gesprochen, sagte Müntefering. Schily sprach von einem "großen Fahndungserfolg der Sicherheitsbehörden". (AFP)(Seite ...

BLZ
7 Min

WIESBADEN, 23. Dezember. Die Erpressung der Deutschen Bahn AG ist offenbar aufgeklärt. Die Polizei nahm am Dienstag abend zunächst den mutmaßlichen Haupttäter und am Mittwoch morgen dann einen mutmaßlichen Komplizen fest. Das teilte das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden mit. Den beiden Männern wird vorgeworfen, mindestens drei Anschläge auf Schienenstrecken verübt zu haben, um von der Bahn zehn Millionen Mark zu erpressen.Der 46jährige mutmaßliche Haupttäter wurde auf dem Autobahnrastplatz Irschenberg an der Autobahn München Salzburg gefaßt. Er habe seine Beteiligung an den drei Anschlägen gestanden. Der zweite, 44jährige Mann sei gegen 8.30 Uhr in seiner Wohnung im sächsischen Chemnitz festgenommen worden. Auch der erste Mann habe zuletzt in Sachsen gewohnt.Der 46jährige gestand nach Angaben von BKA-Präsident Ulrich Kersten, an den drei Anschlägen am 8. Dezember bei Uchtspringe auf die Bahnstrecke Hannover Berlin, am 16. Dezember auf die Strecke Berlin Stralsund und am 18. Dezember auf die Strecke Greifswald Anklam beteiligt gewesen zu sein. Bei der letzten Tat war ein schwedischer Güterzug entgleist. Er sei auch für die Bombendrohungen gegen die Hauptbahnhöfe Hamburg, Frankfurt am Main und Nürnberg in der Nacht zum Mittwoch verantwortlich. Er habe telefonisch gesagt, dort seien "Sprengfallen" deponiert, die im Fall seiner Festnahme explodieren würden. Es sei aber nichts gefunden worden.Der 46jährige hatte sich laut Polizei seit Freitag mehrmals per Telefon bei der Bahn gemeldet. Dazu seien insgesamt vier Erpresserschreiben eingegangen, die mit "Freunde der Eisenbahn" unterzeichnet waren. Der Mann sei dann am Dienstag gegen 22 Uhr von einem Mobilen Einsatzkommando (MEK) des BKA und der Grenzschutz-Sondereinheit GSG 9 festgenommen worden, sagte Kersten. Er habe die Überbringer des erpreßten Geldes auf den Rastplatz gelotst, dort an das Fenster ihres Autos geklopft und dann den Kofferraum aufgerissen, um Taschen mit dem Geld herauszuholen. Ob es sich nur um eine fingierte Übergabe handelte, wollte der Leiter der BKA-Sonderkommission "Zug", Peter Hauk, nicht sagen.Ärger über NachahmungstäterBei dem 44jährigen mutmaßlichen Komplizen handelt es sich um den Halter des Fahrzeugs, mit dem der erste Täter nach Irschenberg gefahren war. Beide seien im Zusammenhang mit Erpressungsdelikten "einschlägig polizeilich in Erscheinung getreten". Bahn-Chef Johannes Ludewig zeigte sich "sehr froh" über das Ende der Erpressung. Er beklagte die hohe Zahl der Nachahmungstäter. So habe es allein am Montag 18 Störungen im Bahnverkehr gegeben, weil mit Anschlägen gedroht wurde. Die Deutsche Bahn wird auch nach den Festnahmen in den kommenden Tagen vorbeugend die Sicherheit auf ihren Strecken kontrollieren. So würden die Bahnlinien aus der Luft überwacht, sagte eine Sprecherin.Verkehrsminister Franz Müntefering und Innenminister Otto Schily (beide SPD) begrüßten die Festnahmen. Die Bundesregierung habe schon länger von der Erpressung gewußt und vor drei Wochen zum ersten Mal im Kabinett darüber gesprochen, sagte Müntefering. Schily sprach von einem "großen Fahndungserfolg der Sicherheitsbehörden". (AFP)(Seite 2)

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema