Die Gewerkschaft Verdi hat den Arbeitskampf im Handel in Berlin und Brandenburg deutlich ausgeweitet. Nach der zweiten Verhandlungsrunde vom 23. Juni streikten am Donnerstag und Freitag zunächst die Beschäftigten des Großhandels, wie der Landesbezirk mitteilte. Am Freitag und Samstag folgten die Beschäftigten des Einzelhandels. Beteiligen sollen sich nach Angaben von Verdi auch Mitarbeiter des KaDeWe und von Galeria, die wieder unter den Schutz eines Tarifvertrags fallen wollen.
Höhepunkt der Ausstände ist eine gemeinsame Kundgebung von Einzel- und Großhandel am Freitag um 11 Uhr auf dem Breitscheidplatz in Berlin. Erstmals streikten die Beschäftigten des Einzelhandels in beiden Ländern gemeinsam, nachdem die Friedenspflicht in Brandenburg zum 1. Juli ausgelaufen sei, teilte Verdi mit. Auf der Kundgebung soll ein Streiksong aufgeführt werden, den die Beschäftigten gemeinsam mit der Liedermacherin Bernadette La Hengst komponiert haben. Eine Rede halten wird nach Angaben der Gewerkschaft der stellvertretende Landesbezirksleiter Benjamin Roscher.
Kritik an Angeboten der Arbeitgeber
Hintergrund der Warnstreiks sind nach Darstellung von Verdi die Tarifangebote der Arbeitgeber, die zu einem deutlichen Reallohnverlust führen würden. „Die Arbeitgeber wollen einen Abschluss, der für viele Beschäftigte direkt in die Altersarmut führt“, erklärte die Verdi-Fachbereichsleiterin Handel für Berlin und Brandenburg, Conny Weißbach. Dies sei zynisch angesichts der Milliardenprofite, die große Handelskonzerne wie Kaufland, Lidl, Rewe, Edeka oder Ikea Jahr für Jahr erzielten. „Wer täglich den Handel am Laufen hält, verdient eine spürbare Lohnerhöhung.“
Das Angebot der Arbeitgeber im Einzelhandel würde nach Angaben von Verdi in der untersten Entgeltgruppe noch unter dem gesetzlichen Mindestlohn liegen. In der zweiten Verhandlungsrunde am 23. Juni hätten sich die Arbeitgeber geweigert, ein verbessertes Angebot vorzulegen. Auch im Großhandel liege das Angebot bei zwei Jahren Laufzeit deutlich unter der aktuellen Inflationsrate.
Verdi fordert sieben Prozent mehr Lohn
Verdi fordert im Einzelhandel sieben Prozent mehr Entgelt, mindestens jedoch 222 Euro monatlich, einen Mindeststundenlohn von 14,90 Euro sowie höhere Ausbildungsvergütungen. Für den Großhandel verlangt die Gewerkschaft 220 Euro mehr pro Monat und ebenfalls höhere Ausbildungsvergütungen. Die Laufzeit der Tarifverträge soll jeweils zwölf Monate betragen.
Die nächste Tarifverhandlung im Einzelhandel ist nach Angaben von Verdi für den 6. August angesetzt, im Großhandel für den 15. Juli. Bundesweit hat Verdi für diesen Freitag zu weiteren Warnstreiks im Handel aufgerufen. Zentrale Streikkundgebungen sind unter anderem in Dortmund, Wiesbaden, Hannover, Oldenburg, Braunschweig und Hamburg geplant. (mit dpa)
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