Bildung

Verdi-Faktencheck: So schlimm ist die Berliner Kita-Krise wirklich

Die Bildungssenatorin spricht von einem Betreuungsschlüssel von 1:5. In Wirklichkeit ist dieser mehr als doppelt so hoch, wie eine Befragung ergibt. Verdi sieht ein „systemisches Problem“.

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Die Berliner Kitas sind stark überlastet.

Die Berliner Kitas sind stark überlastet.

© Jens Kalaene/dpa

Die Gewerkschaft Verdi hat in Berlin zahlreiche Kita-Beschäftigte der Eigenbetriebe und Eltern zur Arbeits- und Betreuungssituation der Berliner Kindertagesstätten befragt. Am Montag werden die an die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie übergeben.

Die Ergebnisse sind eindeutig: Aus der Umfrage ergibt sich, dass die durchschnittliche Fachkraft-Kind-Quote bei einer Fachkraft auf 10,7 Kinder liegt. Sie liegt damit doppelt so hoch, wie von Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch im vergangenen Jahr behauptet.

Verdi: „Tiefgreifende Krise“ in Berliner Kitas

In Zeiten maximaler Belastung betreuen die Beschäftigten durchschnittlich sogar 15,8 Kinder. Im Durchschnitt fehlen täglich 37,5 Prozent der Belegschaft, so die Umfrage von Verdi. Fast alle (91 Prozent) Beschäftigten empfinden ihren Arbeitsalltag als stressig oder brennend. Nahezu ein Fünftel der Befragten war zum Umfragezeitpunkt krank, davon geben 88 Prozent an, dass sie aufgrund der Arbeitsbedingungen erkrankt sind.

Dies spiegelt sich auch in der Befragung der Eltern wider: Über die Hälfte der beteiligten Eltern berichten von einer Einschränkung der Betreuungszeiten. 83 Prozent der Eltern erachten die Einstellung weiterer pädagogischer Fachkräfte als notwendig. Dreiviertel der Eltern gaben zudem an, sich wegen der Öffnungszeiten in den Kitas beruflich einschränken zu müssen.

„Die Berliner Kitas befinden sich in einer tiefgreifenden Krise“, so Verdi. Die Berliner Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) spiele das Problem herunter. Sie spreche von „punktueller Belastung“ und einem Fachkraft-Kind-Schlüssel, der im Durchschnitt bei 1:5 läge - was, wie sich aus der Umfrage ergibt, nicht stimmt.

Verdi sieht systemisches Versagen bei Berliner Kita-Krise

„Die Ergebnisse des Kita-Realitätschecks zeichnen ein alarmierendes Bild der Berliner Kita-Landschaft“, so Verdi in einem Fazit. Es handele sich dabei um ein systemisches Problem. Für echte Verbesserungen für die gesamte Kita-Landschaft Berlins sei „eine Erhebung der tatsächlichen Fachkraft-Kind-Relation in den Berliner Kitas erforderlich“.

Die Eltern und Beschäftigten wurden vom 18. bis 24. November befragt. Die Umfrage wurde 3200-mal ausgefüllt, es liegen Rückmeldungen aus 97,5 Prozent der Postleitzahlen der Berliner Kita-Eigenbetriebs-Kitas vor, somit basieren die Ergebnisse auf Angaben aus nahezu dem gesamten Stadtgebiet.

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