Die Polizei hat am Dienstag in Kreuzberg eine Moschee geräumt. Ein Gerichtsvollzieher versiegelte die Räume in einem Hinterhof am Mehringdamm. Der Hauseigentümer hatte vor Gericht eine entsprechende einstweilige Verfügung erwirkt. Nach Aussage des Eigentümer-Anwaltes Roland Kuckhoff hatte der Verein, der die Moschee betreiben wollte, ohne Mietvertrag die Räume umgebaut. "Wir hatten lediglich über einen Mietvertrag verhandelt", sagte Kuckhoff.Der Verein der Hasan-Basri-Moschee, der zur Islamischen Föderation gehört, betreut hunderte Gläubige in einem Gebiet zwischen Südstern und Yorckstraße, Halleschem Tor und Columbiadamm. Ihnen waren die alten Räume an der Nostitzstraße 19 zu eng geworden und sie beschlossen, an den Mehringdamm umzuziehen. Mehrmals besichtigte der Verein die 210 Quadratmeter großen Räume, die sich in einem Hinterhof direkt über einem Bioladen befinden, und brachten gleich seine Architekten mit. Nach dem sechsten oder siebten Termin händigte die Hausverwaltung den Interessenten einen "Besichtigungsschlüssel" aus. Diskutiert wurde eine monatliche Kaltmiete von 1 200 Euro.Den Schlüssel verwendeten die Planer des Moscheevereins: Sie begannen mit dem Umbau der Räume und rissen unter anderem eine Zwischenwand heraus. Der Verein gab die Räume an der Nostitzstraße auf und nutzte fortan die Baustelle am Mehringdamm zum Beten.Mehrere Nachbarn, die das Treiben verfolgten, beschwerten sich beim Hauseigentümer über vermeintliche islamistische Umtriebe, so dass der Vermieter stutzig wurde. Er teilte dem Verein mit, dass man ihn doch nicht als Mieter wolle. Allerdings musste er überrascht zur Kenntnis nehmen, dass der Verein sich auch ohne schriftlichen Vertrag schon eingerichtet hatte."Wir haben den Verein dann gebeten, die Räume zu verlassen", sagte Kuckhoff. Dieser Aufforderung kam der Verein jedoch nicht nach, was Kuckhoff fassungslos macht: "Wie kann man auf die Idee kommen, Räume, die man nicht gemietet hat, umzubauen?" Kuckhoff ging also vors Landgericht und erwirkte eine Räumungsverfügung. Der Verein ging dagegen in Berufung, die vom Kammergericht aber abgelehnt wurde.Der Moscheeverein fühlt sich ungerecht behandelt. Denn für den Vorsitzenden Fevzi Gülle war alles klar: "Wir hatten mündlich die Erlaubnis zu renovieren, dafür gibt es Zeugen", sagt er. "Und das ist wie ein Vertrag. " Anwalt Kuckhoff bezeichnet dies als völligen Blödsinn. Gülle fühlt sich zu hundert Prozent im Recht und will bis zum Europäischen Gerichtshof ziehen.In Berlin gibt es 75 bis 80 Hinterhofmoscheen. Die meisten werden von Moscheevereinen betrieben. Einige von ihnen haben aus den unterschiedlichsten Gründen Mietschulden. Der Imam der Islamischen Gemeinschaft deutschsprachiger Muslime Berlin, Mohammed Herzog, bestätigt: "Dieses Problem gibt es seit längerem. " (kop. )BLZ/WÄCHTER Am Mehringdamm wurde gestern geräumt statt gebetet.
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