Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) will die Bonuszahlungen für den Vorstand der Deutschen Bahn AG künftig unmittelbar an die Erfüllung staatlich vorgegebener Ziele knüpfen. Das sagte Bilger nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters in einem am Sonntag veröffentlichten Interview mit der Bild am Sonntag.
Im Zentrum der Vorgaben steht demnach die Pünktlichkeit der Züge. Ein Verfehlen der vom Bund gesetzten Leistungsziele soll sich damit künftig konkret auf die Bonuszahlungen auswirken.
Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) auf einer Pressekonferenz
© Oliver Berg/dpa
Der Bund als Eigentümer hatte bereits im November 2025 angekündigt, Bonuszahlungen stärker an Zuverlässigkeits- und Pünktlichkeitsvorgaben zu binden. Das geht aus einer Mitteilung des Deutschen Bundestages hervor. Bilgers Vorstoß konkretisiert diese politische Linie.
Um welche Beträge es geht
Um welche Größenordnungen es geht, zeigt der Vergütungsbericht der Deutschen Bahn für 2024. Der damals achtköpfige Vorstand erhielt eine Gesamtvergütung von rund 10,1 Millionen Euro, davon entfielen rund 2,9 Millionen Euro auf variable, an Zielerreichung gebundene Bestandteile. Der damalige Vorstandsvorsitzende Richard Lutz kam auf eine Gesamtvergütung von rund 2,1 Millionen Euro, sein variabler Anteil lag bei rund 706.000 Euro.
Evelyn Palla steht seit Oktober 2025 an der Spitze der Deutschen Bahn.
© Marijan Murat/dpa
Nach der Reform des Vergütungssystems sind die variablen Bestandteile mittlerweile stärker an langfristige Ziele geknüpft. Neben dem Vorstand erhalten auch mehrere tausend leitende Angestellte und außertarifliche Beschäftigte des Konzerns variable Vergütungsbestandteile.
Konzern nennt konkrete Zielmarken
Die Deutsche Bahn selbst weist in ihrem jüngsten Nachhaltigkeitsbericht Pünktlichkeitsziele aus, die der Bund vorgegeben hat. Im Fernverkehr soll die Pünktlichkeit demnach bis 2029 auf mindestens 70 Prozent steigen.
Im europäischen Vergleich fallen die Werte der Deutschen Bahn deutlich ab. Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) meldeten für 2025 eine Pünktlichkeit von 94,1 Prozent, wobei in der Schweiz ein Zug bereits ab drei Minuten Verspätung als unpünktlich gilt. Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) kamen 2025 im Fernverkehr auf 81,6 Prozent bei einer Schwelle von fünf Minuten. Die polnische PKP Intercity erreichte 2024 eine Pünktlichkeit von mehr als 76 Prozent.
Die Deutsche Bahn erreichte im Fernverkehr 2025 dagegen nur 60,1 Prozent – und das bei einer großzügigeren Grenze von unter sechs Minuten Verspätung.
Gewerkschaften fordern seit Langem Reform
Von Gewerkschaftsseite kommt seit Längerem die Forderung, das Vergütungssystem an der Bahnleistung auszurichten. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hatte im Juli 2025 verlangt, die Pünktlichkeit als „oberste Steuerungs- und Qualitätsgröße“ in der Unternehmensführung zu verankern. Personalentscheidungen müssten „an Leistung und Expertise gebunden sein – nicht an politische Rücksichtnahmen“, teilte die GDL mit.
Jahresbericht Deutsche Bahn: Hohe Unpünktlichkeit und Milliardenverlust
Hälfte der Stellen im Management gestrichen: Neue Bahn-Chefin Evelyn Palla baut Konzern um
Im Zuge des Wechsels an der Spitze des Verkehrsministeriums im Juli 2026 mahnte die GDL zudem einen umfassenden verkehrspolitischen Kurswechsel an. GDL-Bundesvorsitzender Mario Reiß erklärte, wer die Krise der Schiene auf eine einzelne Personalie reduziere, mache es sich zu einfach. Die Politik versage seit Jahren darin, „der bundeseigenen Bahn klare Ziele, verbindliche Vorgaben und eine konsequente Steuerung zu geben“. Die Gewerkschaft bot dem neuen Minister eine konstruktive Zusammenarbeit an.
Auch der Verkehrsclub Deutschland (VCD) hatte gefordert, Ziele und Boni des Bahnvorstands an Fahrgastzufriedenheit und Pünktlichkeit auszurichten.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de