Im Zweifel für den Angeklagten. Mit diesem juristischen Grundsatz lässt sich erklären, dass sich Armie Hammer nicht vor einem Gericht verantworten muss. Nach einer Prüfung des Falls werde aus Mangel an Beweisen keine Anklage gegen den Hollywoodstar erhoben, wie die Staatsanwaltschaft in Los Angeles vor einigen Sunden mitteilte.
Mehrere Ex-Partnerinnen und weitere Frauen beschuldigen den 36-Jährigen, nicht einvernehmliche sexuelle Handlungen und andere Gewalttaten vorgenommen zu haben – die Vorwürfe reichen von psychischer Gewalt über Nötigung bis hin zu Vergewaltigung. Gerade im September erst erschien eine entsprechende Dokumentation auf Netflix.
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Zu Wort kommen darin mehrere Ex-Freundinnen Hammers; auch eine Tante des Schauspielers zeichnet in dem Doku-Film das Bild eines jähzornigen Patriarchen, der bewusst Macht auf Frauen ausübt. Eingespielt werden zudem Chat- und Sprachnachrichten, in denen der Star heftige Gewaltfantasien äußert: Er wolle seiner Partnerin drastische körperliche Behinderungen zufügen, um sie so bewegungslos zu machen und ein Leben lang als Sklavin an ihn binden zu können, oder sie anderen Männern für Vergewaltigungen zur Verfügung zu stellen, heißt es darin.
Große Kreise hatten in US-Medien Hammers Kannibalismus-Fantasien gezogen: In Chatverläufen und Sprachnachrichten äußerte er die Wünsche, seinen Partnerinnen die Haut abziehen und die Rippen grillen, ihre Herzen verspeisen zu wollen. Bestreiten konnte Hammer zumindest das Teilen dieser Fantasien nicht – sie sind ja in den geleakten Chats und noch deutlicher in den Sprachnachrichten dokumentiert.
Hammer selbst gab an, er habe Frauen „benutzt“
In einem ersten Interview nach Bekanntwerden der Vorwürfe sagte Hammer im Februar gar, er habe Frauen auf vielfache Weise „benutzt“ und entschuldigte sein Fehlverhalten mit einem „extremen Lebensstil“, der sich wie ein „Wirbelwind aus Reisen und Sex und Drogen und großen Emotionen“ gestaltet habe. Hammer bestritt allerdings weiterhin, jene Straftaten wie körperliche Gewalt und Vergewaltigung begangen zu haben, die ihm von mehreren Frauen übereinstimmend zur Last gelegt worden waren.
Dass es nun nicht zur Anklage kommt, schockiert zahlreiche Kommentatorinnen und Kommentatoren, gerade jene aus dem feministischen Spektrum der USA. Hammer selbst nimmt die Nachricht wohlwollend hin. Er sei „dankbar“ für die Untersuchungen und das Ergebnis, schrieb er am Donnerstag (1. Juni) auf seinem Instagram-Account. Er werde mit dem „langen, schwierigen Prozess“ beginnen, sein Leben wieder in Ordnung zu bringen.
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Hammer war vor allem durch seine Rollen in Filmen wie „The Social Network“ oder dem Oscar-prämierten Liebesdrama „Call Me By Your Name“ bekannt geworden. Mit seiner Ehefrau, der Journalistin Elizabeth Chambers, mit der Hammer zwei Kinder hat, lebt der Schauspieler seit Bekanntwerden der Vorwürfe in Scheidung – in Schutz genommen hatte Chambers ihren Ex-Partner nicht, was viele Beobachterinnen und Beobachter des Falls abermals als Indiz für Hammers Fehlverhaften werteten.
Auch die Herkunft des Hollywoodstars wurde bei der Betrachtung seiner Person vielfach thematisiert: Armie Hammer entstammt einer US-amerikanischen Öl-Dynastie, die offenbar durch extreme patriarchale Strukturen geprägt ist. Mehreren männlichen Vorfahren des Stars – darunter seinem Vater und seinem Großvater – wurden ebenso sexualisierte Gewalttaten gegen Frauen vorgeworfen. In der Dokumentation zeigten das Fotografien und Zeitungsartikel – sowie Dokumente zu entsprechenden Gerichtsverfahren, zu denen es, anders als in Armie Hammers Fall, damals gekommen war.
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