Verkehrsanbindung ist zum wichtigsten Kriterium bei Vermarktung von Wohnprojekten geworden

U-Bahn bringt Bewohner in die neue Siedlung

Michael Dörschel
2 Min

Der U-Bahn-Linie nach Hönow verdankt die Gemeinde heute einen Bauboom ohnegleichen. Gleich hinter der Stadtgrenze entsteht bis zum Jahre 2005 auf einer Fläche von 78 Hektar ein neuer Ortsteil mit 2 800 Einfamilien- und Reihenhäusern. Nach Fertigstellung sollen in der "Siedlungserweiterung" (SEW) über 10 000 Menschen wohnen. Insgesamt kostet das Projekt 122 Millionen Mark. Hönow hat im Gegensatz zu ähnlichen Projekten im Umland keine Vermarktungsprobleme die U-Bahn macht es möglich."Unsere Rechnung ist aufgegangen", sagt Andrea Brehmer von der Landesentwicklungsgesellschaft LEG, die das Areal treuhänderisch vermarktet. Nach ihren Angaben werden bis Anfang nächsten Jahres 470 Haus-und Wohneinheiten nicht nur fertiggestellt, sondern zu über 95 Prozent auch bewohnt sein. Für die Naturnähe sorgt unter anderem ein über zehn Hektar großer Grünzug mit Teichen, der das Gebiet wie eine Seenlandschaft durchzieht. Nicht ganz so zufrieden wie Andrea Brehmer von der LEG ist Waldemar Achtnich, Prokurist der Siedlungsplanung- und Wohnbautengesellschaft (SIWOGE). Sein Unternehmen leitet die Erschließung des Neuenhagener Wohngebietes am Gruscheweg. Kaum fünf Kilometer vom SEW in Hönow entfernt, sollen hier bis zum Jahre 2010 rund 1 100 Wohnungseinheiten errichtet werden. Auf dem Baugebiet von etwa 65 Hektar sind bisher 130 Häuser fertiggestellt. Für das kommende Jahr rechnet Achtnich mit etwa 90 Einheiten. Er spricht von einer "verhaltenen Nachfrage". "Wenn der Teich leergefischt ist, ist kaum etwas zu holen", sagt Achtnich, der einräumt, die Konkurrenz anderer Eigenheimsiedlungen zu spüren. "Es besteht praktisch keine Nachfrage nach Eigentumswohnungen." Noch schlechter sieht es in Rüdersdorf aus. Hier wollte die holländische Firma Wilma an der Marienstraße auf zehn Hektar rund 350 Wohnungseinheiten - zumeist in Reihenhaus-Bauweise - errichten. Vor einem Jahr wurden im ersten Bauabschnitt 85 realisiert, die auch bis auf eine Wohnung veräußert sind. Seitdem ruhen die Arbeiten. Vier, fünf Bauabschnitte waren geplant. "Das totale Überangebot von Eigentumshäusern rund um Berlin und die gesamtwirtschaftliche Situation" macht Bauamtsleiter Christian Breitsprecher für den Baustopp verantwortlich. Da könne auch nicht der relativ niedrige Quadratmeterpreis von 150 bis 170 Mark - in Neuenhagen und Hönow wird rund das Doppelte verlangt - die Menschen zum Bauen bewegen. "Heute zählt die Anbindung an Verkehrsmittel wie U- und S-Bahn", sagt Breitsprecher. Da könne Rüdersdorf mit dem Straßenbahnanschluß nach Berlin-Friedrichshagen nicht mithalten.

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