Zuerst werden ab November die betroffenen Kleingärten beräumt, berichtete der Staatssekretär. Rund 300 aufgegebene Parzellen in Neukölln und Treptow müssen nun planiert werden. Ab März 2013 soll dann mit den Abrissarbeiten begonnen werden, sagte Gaebler. „Wir fangen damit an der Grenzallee auf dem ehemaligen Gelände von Möbel Hütter und auf dem Magna-Gelände an der Sonnenallee an.“ Dort stehen leere Bauten der Trasse im Weg. „Der Spatenstich könnte daher im März 2013 stattfinden – in Neukölln“, so der SPD-Politiker. Das wäre dann der Startschuss für den eigentlichen Autobahnbau, der nach Angaben des Senats im Juli oder August 2013 in Angriff genommen werden kann. „2020 soll die Trasse fertig sein“, hieß es.
Teuerste Autobahn Deutschlands
Neu ist das Projekt, eine Schnellstraßenverbindung von Neukölln nach Treptow zu bauen, nicht. Bereits 1927 tauchte es in einem offiziellen Dokument auf, dem Straßenausbauplan – als Teil des Mittleren Rings, den die Haupttiefbauverwaltung um das Zentrum herumführen wollte. Auch in den Plänen, die während der Nazi-Zeit unter Generalbauinspektor Albert Speer entstanden, war eine ähnliche Verbindung eingezeichnet.
Mit geschätzten Kosten zwischen 450 Millionen und 500 Millionen Euro werden die 3,2 Kilometer das teuerste Stück Autobahn sein, das je in Deutschland gebaut worden ist, sagte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). Die sechsspurige Trasse werde größtenteils in einem Tunnel oder in einem Geländeeinschnitt verlaufen, erklären Planer. Zudem werde die Autobahn die erste Straße in Berlin sein, die eine Deckschicht aus „Flüsterasphalt“ erhält – in Fachkreisen offenporiger Asphalt, kurz OPA, genannt. Auch dies treibe die Kosten hoch.
Ramsauer begrüßte das Urteil. Er sei zuversichtlich, dass der Bau in der ersten Hälfte 2013 beginnt. Im Senat wertet man derlei Aussagen als Beleg dafür, dass der Bund die A 100 finanziert. Das Geld „kommt auf jeden Fall, das wurde uns zugesichert“, sagte Gaebler. „Wir gehen fest davon aus, dass im Zusammenhang mit der Verabschiedung des neuen Bundeshaushalts im Frühjahr 2013 die endgültige Aufnahme in den Straßenbauplan erfolgen wird.“ Berechnungen hätten ergeben, dass der Nutzen der A 100 mehr als drei Mal so hoch ist wie die Kosten.
Tunnel unter Friedrichshain
Andere Projekte in Deutschland hätten einen höheren Nutzen-Kosten-Faktor, konterte Tilmann Heuser vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Auch in Berlin gebe es Wichtigeres: „Mit dem vielen Geld könnte man die Stadtautobahn endlich sanieren. Nicht nur die A 114 in Pankow ist eine einzige Holperstrecke.“ Zwar hätten der BUND und andere Kläger vor Gericht Erfolge erzielt: So werde der Lärmschutz verbessert, ein Gewerbebetrieb dürfe bleiben, die Wohnhäuser Beermannstraße 16 und 18 blieben stehen. Doch die beiden Nachbargebäude würden abgerissen, mehr als 400 Bäume gefällt. Der Elsenbrücke drohe Dauerstau – was das Gericht allerdings nicht so sah.
„Der neue Autobahnabschnitt überwindet die Verkehrsbarriere zwischen Treptow und Neukölln“, so Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD). Die östlichen Bezirke würden besser an das Autobahnnetz angebunden. Den Planern zufolge müssten 30.000 Berliner künftig weniger Verkehr ertragen, weil die neue Autobahn von vielen Straßen Verkehr abzieht – zum Beispiel vom Dammweg. Rund doppelt so viel wären es, wenn die A 100 über Treptow hinaus bis nach Friedrichshain verlängert würde. „Die Fortführung zur Frankfurter Allee ist vernünftig,“ bekräftigte Gaebler.
Der Senat will sich beim Bund dafür einsetzen, dass dieses Projekt im Bundesverkehrswegeplan hochgestuft wird. „Ansonsten ist im Moment nichts Konkretes geplant“, so Gaebler. Die Fortführung sei kompliziert, weil dafür in Friedrichshain ein Doppelstocktunnel gebaut werden müsste. Jetzt aber gehe es erst mal um den 16. Bauabschnitt nach Treptow, hieß es im Senat. Ihn durchzusetzen sei schwierig genug gewesen.
"Vernunft statt Beton! A100 stoppen!": Am Sonntag (26.08.2012) demonstrieren ca. 500 Radfahrer und Skater gegen den Ausbau der A 100.
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