Vernehmung brachte keine neuen Aussagen

Ghanaer bleibt dabei: Es waren Skinheads

Ralf Geißler
2 Min

Oranienburg. Der 25jährige Ghanaer Martin Agyare bleibt bei seiner Aussage, Skinheads hätten ihn im September vergangenen Jahres bei Hohen Neuendorf aus der fahrenden S-Bahn geworfen.Gestern wurde der schwarzafrikanische Asylbewerber im Polizeipräsidium Oranienburg über viereinhalb Stunden von Kriminalisten und Neuruppiner Staatsanwälten zum Tathergang vernommen. In der letzten Befragung Ende November letzten Jahres hatte Agyare die Aussage verweigert, nachdem die Ermittler Zweifel an seiner ursprünglichen Schilderung des Geschehens geäußert hatten.Ihr Klient habe seine erste Aussage "in allen wesentlichen Punkten wiederholt und bekräftigt", so gestern Rechtsanwältin Andrea Würdinger zur Berliner Zeitung. Agyare hatte damals angegeben, zwei Skinheads hätten ihn am späten Abend des 16. September mit Messern bedroht und aus der fahrenden Bahn geworfen. In demselben Zug seien noch vier weitere Glatzköpfe sowie 15 unbeteiligte Personen mitgefahren, so das Opfer seinerzeit.Von Bahnarbeitern war Agyare am Morgen des nächsten Tages mit Stichverletzungen am ganzen Körper und einem Schädelbruch an den Gleisen aufgefunden worden. Im Krankenhaus mußten ihm der linke Oberschenkel und zwei Zehen des rechten Fußes amputiert werden. Zu der gestrigen erneuten Vernehmung wollte die Staatsanwaltschaft Neuruppin vorerst noch keine Angaben machen.Zuletzt hatte der leitende Neuruppiner Oberstaatsanwalt Erardo Rautenberg deutliche Zweifel an der Version des Ghanaers geäußert. So ist nach Ansicht der Ermittler verwunderlich, daß sich trotz einer ausgesetzten Belohnung von 20 000 Mark bis heute keiner der angeblich 15 Mitreisenden als Zeuge gemeldet hat. Auch die deutsche Bekannte, die nach Agyares Angaben in Oranienburg auf ihn gewartet haben soll, war bisher nicht aufzutreiben. Ebenso unerklärlich ist für Staatsanwalt Rautenberg, warum kein einziger S-Bahn-Zugführer den Verletzten gesehen hat, obwohl in zehn Stunden rund 200 Züge die Unglücksstelle passiert haben müssen.Vor einigen Wochen hatte sogar der erste Anwalt des Afrikaners, Ulrich Korsukewitz, an einem Überfall mit rassistischem Hintergrund gezweifelt. Korsukewitz ist auch Präsident des gemeinnützigen "Kiwanis Club Brandenburg", der 48 000 Mark Spendengelder für den Verletzten zusammengetragen hatte. Das Geld ist inzwischen eingefroren worden und befindet sich auf einem Sonderkonto. +++

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