Für die Handballerinnen der Füchse Berlin hätte das neue Jahr nicht besser beginnen können. Mit Natalie Augsburg konnte der Hauptstadtklub nun schon die zweite deutsche Nationalspielerin verpflichten. „So etwas kann man als Zweitligist nicht planen“, sagt Managerin Britta Lorenz. Vielmehr profitierten die Berliner wie bei Christine Beier, die nach der Insolvenz des Erstligisten Frankfurter HC an die Spree wechselte, auch von äußeren Umständen.
„Ich brauchte eine Veränderung“, sagt Augsburg, die seit 2007 beim Erstligisten HC Leipzig spielte. Mit einem möglichen Wechsel habe sie sich schon länger beschäftigt, spielte auch mit dem Gedanken, noch einmal ins Ausland zu gehen. „Aber in Berlin hat einfach alles gepasst“, sagt sie 30-Jährige. Vom finanziellen Aspekt gesehen, sei der Unterschied nicht so groß, „bei uns im Frauenhandball geht es ja nicht um Millionen“, sagt sie.
Sportlich ist der Wechsel für die 1,75 Meter große Außenspielerin aber schon ein Wagnis, schließlich spielte sie mit Leipzig in der Champions League. Und eine Wohnung hat sie auch noch nicht. Momentan lebt die studierte Wirtschaftspädagogin bei ihrer Cousine in Kreuzberg und musste gestern erst einmal überlegen, wie sie von dort nach Charlottenburg kommt – zum ersten Training mit den Füchsen. „Veränderung ist eben auch immer ein bisschen Risiko“, sagt sie.
Den nötigen Optimismus bringt Augsburg jedenfalls mit. „Ich bin sicher, dass wir aufsteigen“, sagt sie. Sie will der Mannschaft helfen, schließlich ist ihr 2005 mit der TSG Ketsch schon einmal der Aufstieg in die erste Bundesliga gelungen. „Ich weiß also, wie es geht“, sagt sie und stellt klar: „Ich bin nicht hierhergekommen, um noch eine Saison in der zweiten Liga zu spielen.“
Nur eine Niederlage mussten die Füchse bislang hinnehmen, derzeit stehen sie nur deshalb auf dem fünften Tabellenplatz, weil mehrere Spiele aufgrund der WM-Teilnahme von Christine Beier nachgeholt werden müssen. „Dass wir diese Spiele verlegen konnten, war sehr wichtig für uns“, sagt Managerin Lorenz und warnt: „Wir haben bislang nur gegen die schwächeren Teams gespielt, die schweren Gegner kommen jetzt erst.“ Dazu zählt Lorenz auch den Tabellenneunten SG 09 Kirchhof, der am Sonnabend in der Sömmeringhalle gastiert (19.30 Uhr).
„Kirchhof ist gemäß der Tabellenplatzierung total unterbewertet“, sagt sie. Das Team von Trainer Gernot Weiss musste in der Hinrunde einige unglückliche Niederlagen einstecken, gewann aber gegen die viertplatzierten Dortmunderinnen (33:24) und rang der HSG Bad Wildungen kurz vor Weihnachten ein Unentschieden ab (22:22). „Von der Spielgüte ist das für mich ein Aufstiegskandidat“, sagt Lorenz.
Genauso wie die Füchse Berlin, die sich in den vergangenen Jahren unter Trainer Dietmar Rösicke kontinuierlich weiterentwickelten. Doch ganz in der Manie ihres männlichen Pendants Bob Hanning übt sich die 47-jährige Managerin lieber im Tiefstapeln. „Ich will das Wort Aufstieg gar nicht in den Mund nehmen“, sagt Lorenz. Worte sind auch nicht notwendig, die prominente Verstärkung durch Augsburg und Spielmacherin Janine Wegner, die ebenfalls zum Jahreswechsel vom insolventen Erstligisten FHC nach Berlin kam, machen die Ambitionen des Hauptstadtklubs mehr als deutlich.
Einzig, ob Augsburg am Sonnabend bereits zu ihrem ersten Einsatz kommt, ist noch fraglich. Der Spielerpass, den der HC Leipzig angeblich vor Weihnachten an die spielleitende Stelle geschickt hatte, ist dort nämlich noch nicht angekommen. „Wir sind dran, das zu klären“, sagt Lorenz. So ganz von allein kommen die Spielerinnen eben doch nicht zu den Füchsen Berlin.
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