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„Vergewaltigungstag“: Berliner Polizei warnt Schüler vor verstörendem TikTok-Trend

Derzeit kursieren Fake News unter Jugendlichen, in denen für den 24. April zu sexuellen Übergriffen aufgerufen wird. Berlins Bildungssenatorin warnte. Doch viele Lehrer lesen die E-Mail erst heute.

Team News Alexander Schmalz lex/dpa/Carola Tunk
4 Min
Ein Polizeibeamter im Einsatz.

Ein Polizeibeamter im Einsatz.

© Florian Gaertner/imago

Johanna Drews weiß von nichts. Sie sagt, sie habe eine E-Mail bekommen, diese aber noch gar nicht gelesen. Die Lehrerin holt ihr Handy heraus. Sie scrollt und liest die Warnung der Bildungssenatorin. „Oh Gott“, sagt sie.  

Der Berliner Senat hat am Dienstag vor einer neuen Gefahr für Kinder und Jugendliche gewarnt: Auf der TikTok-App wird Werbung für einen „National Rape Day“ („Nationaler Vergewaltigungstag“) gemacht. In einem Video wurde dazu aufgerufen, am Mittwoch sexuelle Übergriffe zu begehen.

Auch die Berliner Polizei warnte im Tagesverlauf vor den Fake-News. Auf Instagram schrieb die Polizei: „Dieses Gerücht ist nicht nur falsch und gefährlich, sondern auch in jeder Hinsicht verstörend.“ Und weiter: „Bitte beteiligt euch nicht daran und verbreitet unsere Warnung auch gern auf TikTok, um diesen TikTokTrend zu stoppen.“

Johanna Drews ist nicht die einzige Lehrerin, die erst am Mittwochmittag von dem Trend erfährt. Die Berliner Zeitung hat mit mehreren Lehrkräften während des Friedenslaufs vor dem Brandenburger Tor gesprochen. „Ich bin gerade erst angekommen und konnte nur schnell fragen, ob alle Kids da sind“, sagt eine Lehrerin. Sandra Vogelsang gehört zu denjenigen, die über den TikTok-Trend bereits Bescheid wissen. „Ich habe meiner Tochter gesagt, was ich immer sage: Niemand hat das Recht, sie anzufassen, wenn sie das nicht will.“ Vogelsang ist Mutter einer 13-Jährigen und Lehrerin. Ihre Schüler, die die erste Klasse besuchen, habe sie nicht gewarnt. „Das würde Angst machen“, sagt sie.

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Berlins Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) schickte am Dienstag eine Warnung an alle Schulen raus. Es gebe einen „verstörenden TikTok-Trend“, der am 24. April auf die Schulen Auswirkungen haben könnte, schrieb Günther-Wünsch in einem Brief an die etwa 800 Schulen der Hauptstadt, der der Berliner Zeitung vorliegt. Dabei handele es sich um Fake News aus dem Internet zum Thema sexuelle Belästigung von Mädchen und Jugendlichen, erklärte die Politikerin.

TikTok-Trend: Das sind die Hintergründe zum „National Rape Day“

Sechs junge Männer hatten demnach ihre Follower dazu ermuntert, am 24. April sexuelle Übergriffe zu begehen. Anfassen und Belästigungen seien an diesem Tag straffrei, heißt es in dem Video, das zum ersten Mal 2021 bei TikTok veröffentlicht wurde. Zwar sei das Video mittlerweile gelöscht und die Behauptung bereits damals als Falschmeldung enttarnt worden, das Thema halte sich jedoch hartnäckig in den sozialen Medien. „Aktuell wird diese Falschmeldung erneut vermehrt von TikTok-Nutzern aufgegriffen und findet u.a. in Chats Verbreitung an Schulen“, schrieb die Bildungssenatorin.

Günther-Wünsch forderte die Schulen auf, im Lehrerkollegium ein Bewusstsein für diese Form von Fake News im Internet zu schaffen. Schüler, die das Thema ansprächen, sollten ernst genommen werden. Lehrer sollten bei dem Thema sexuelle Übergriffe aufmerksam und handlungssicher sein. „Sexueller Übergriff, sexuelle Nötigung und Vergewaltigung sind Straftaten nach § 177 StGB, die unmittelbar zur Anzeige gebracht werden müssen. Dies gilt auch für das Verbreiten von Inhalten, die zu rechtswidrigen Taten auffordern.“

Auf Nachfrage hieß es von der Senatsbildungsverwaltung, das Thema sei aktuell an einzelnen Schulen von Schülern angesprochen worden, man wolle mit dem Brief vorsorglich darauf hinweisen.

Bundeselternvertreter Norman Heise äußerte sich gegenüber der Berliner Zeitung am Mittwoch „erstaunt über die Kurzfristigkeit“, mit der die Mail versandt wurde. Die Mail sei keine 24 Stunden vor dem Ereignis versandt worden. Heise sagt aber auch, er halte die Schüler für „pfiffig“ genug, das Video als Fake News zu erkennen.

Die 15-jährige Amina, eine Teilnehmerin beim Friedenslauf, hat von dem TikTok-Trend schon mal gehört. Sie wirkt verunsichert. Das passiere doch nicht wirklich, sagt sie. 

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