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Historische Entscheidung: Hunde dürfen in Südkorea nicht mehr geschlachtet werden

Die Politik in Südkorea will dem Hundeschlachten ein Ende setzten. Ein Großteil der Bevölkerung stimmt zu. Doch unter südkoreanischen Bauern regt sich Protest.

Nicolas Butylin AFP/Nicolas Butylin
4 Min
Das Schlachten hat ein Ende: Südkorea verbietet Produktion und Verzehr von Hundefleisch.

Das Schlachten hat ein Ende: Südkorea verbietet Produktion und Verzehr von Hundefleisch.

© UPI Photo/imago

Selbst in einer Stadt wie Berlin gilt der Verzehr eines der beliebtesten Haustiere als unsittlich. Seit 1985 ist es in Deutschland – richtigerweise – verboten, Hunde oder Katzen zu schlachten. „Es ist ethisch nicht länger vertretbar“, heiß es in dem Gesetzesentwurf damals. Die Vierbeiner hätten eine „besondere gesellschaftliche Stellung in der Gemeinschaft mit dem Menschen“. In Südostasien sieht die Welt in dieser Hinsicht noch ganz anders aus – bis jetzt.

Denn das südkoreanische Parlament stimmte für das Verbot von Produktion und Verkauf von Hundefleisch. „Eine historische Entscheidung für unsere Gesellschaft“, kommentierten südkoreanische Tierschutzaktivisten den Beschluss in der Gukhoe, der Nationalversammlung des ostasiatischen Landes.

Die Debatte um den Verzehr von Hunden bestimmt schon mehrere Jahre die Gesellschaft in Südkorea. Doch der Druck, ein solches Sondergesetz zu erlassen, stieg nicht nur auf der koreanischen Halbinsel – auch internationale Partner kritisierten die bisher vorherrschende Praxis, Hundefleisch als Delikatesse anzusehen.

Das Verbot, das mit 208 Ja-Stimmen und zwei Enthaltungen angenommen wurde, soll nach einer Schonfrist im Jahr 2027 in Kraft treten. Bei Zuwiderhandlungen drohen bis zu drei Jahre Gefängnis oder eine Höchststrafe von 30 Millionen Won, umgerechnet also knapp 20 000 Euro. Koreanischen Medien zufolge werden Unternehmen, die bisher Hunde schlachteten, entschädigt, um beim Ausstieg aus der Branche zu helfen.

Das neue Gesetz muss noch vom Kabinett gebilligt und von Präsident Yoon Suk Yeol unterzeichnet werden; das gilt allerdings als Formalität, da die Mitte-Rechts-Regierung das Verbot unterstützt.

Verzehr von Hundefleisch: Lange Tradition, Verbrauch zurückgegangen

Der Verzehr von Hunden war bis zur Jahrtausendwende überaus populär in Südkorea. Besonders in den warmen Sommermonaten waren die Tiere häufig Bestandteil eines Eintopfs. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich der Konsum allerdings drastisch reduziert – allen voran jüngere Südkoreaner betrachten Hunde mehrheitlich als Streicheltiere. Mehreren Umfragen zufolge sind es bis zu 95 Prozent, die angaben, in letzter Zeit kein Hundefleisch gegessen zu haben; über 90 Prozent gaben auch an, in Zukunft keinen Hund essen zu wollen.

In Südkorea kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Protesten gegen die Hundefleischindustrie.

In Südkorea kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Protesten gegen die Hundefleischindustrie.

© ZUMA Wire/imago

Allerdings gibt es nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums in Südkorea weiterhin über 1100 Hundezuchtfarmen sowie über 1600 Restaurants, die in ihrer Speisekarte Hundefleisch in jedweder Art anbieten. Man geht davon aus, dass bis heute jährlich über Hunderttausende Hunde für die Fleischproduktion geschlachtet werden. Kürzlich kam es in der Hauptstadt Seoul und weiteren Orten wie Busan oder Daegu immer wieder zu Demonstrationen – sowohl von Tierschützern als auch von Hundezüchtern.

Befürworter der „Hundeindustrie“ pochen in ihrer Argumentation auf die jahrhundertealte Tradition und „die Freiheit der Berufsausübung“, sagte der südkoreanische Bauernverbandsvorsitzende. Die Bauern kündigten an, vor das Verfassungsgericht in Seoul zu ziehen. Zudem kündigte man „weitgehende Proteste“ an.

Aktivisten kritisieren wiederum die Schlachtvorgänge in der Branche. Anderen Tierethikern geht das Hundeschlachtverbot nicht weit genug, sie kritisieren den Speziesismus, also die Annahme, dass ein bestimmtes Tier wichtiger sei als eine andere. Der konkrete Vorwurf: Man unterscheide zwischen Haustieren – wie Hunden und Katzen – und sogenannten Nutztieren wie Schweinen, Rindern und Hühnern.

Auch in anderen südostasiatischen Staaten bleibt der Hund für die dortigen Bevölkerungen eine überaus beliebte Delikatesse. So werden in Ländern wie Vietnam, Kambodscha und Indonesien jährlich bis zu zehn Millionen Hunde und Katzen geschlachtet, so die Schätzung.

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