„Die neue Regelung sorgt für große Verunsicherung in der Kita- und Schulgemeinschaft“, sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Berlin, Tom Erdmann, am Montag. Berlin entferne sich damit von den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und beschreite einen Sonderweg, der nur schwer nachzuvollziehen sei.
„Die Quarantäne-Vorgaben aufzuheben, ohne den Kitas und Schulen andere Möglichkeiten zum Schutz an die Hand zu geben, ist unverantwortlich“, sagte Erdmann. Die Gesundheitsämter wollen künftig nur noch Kinder und Jugendliche mit einem positiven PCR-Test in eine 14-tägige Quarantäne schicken. Kontaktpersonen außerhalb der engsten Familie würden dann nicht mehr ermittelt.
Zwei Wochen Quarantäne für ungeimpfte Eltern und Geschwister
Mit der neuen Strategie sind nur noch ungeimpfte Eltern und Geschwister von der 14-tägigen Quarantäne mit betroffen. Für Sitznachbarn in der Schule gilt das dann zum Beispiel nicht mehr, sofern die Schutzmaßnahmen eingehalten wurden.
Corona in Schulen und Kitas: Gesundheitssenatorin und Amtsärzte streiten
Auch der Landeselternausschuss Kindertagesstätten Berlin übt Kritik an der Entscheidung: „Wenn es keine Quarantäneverpflichtung gibt, befeuert dies nicht nur die Ansteckung unter den Kindern, sondern auch potenzielle Impfdurchbrüche sowie unabsehbare Risiken für chronisch kranke Menschen“, hieß es in einer Mitteilung.
Elternvertreter fordern regelmäßige PCR-Tests in Berliner Kitas
Außerdem sei zu bedenken, dass bei steigender Fallzahl unter Kindern auch die Zahl der schweren Verläufe steige. Die Elternvertreter forderten den Senat auf, umgehend regelmäßige PCR-Pool-Testungen in den Berliner Kitas einzuführen. Dabei werden die Proben aller Kinder zusammen mit nur einem PCR-Test ausgewertet. Ist ein Pool-Test positiv, werden alle Kinder einzeln nachgetestet. Die Einführung dieser Tests in Kitas müsse stattfinden, „um eine Durchseuchung zu verhindern“.
An der Entscheidung der Amtsärzte hatte es am Wochenende bereits Kritik gegeben, unter anderem von Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci. Die SPD-Politikerin forderte, Schülerinnen und Schüler, die sich besonders nahe sind, müssten weiterhin in die Absonderung. Am Sonntag wurden Überlegungen bekannt, die Quarantäne für Kontaktpersonen von 14 auf fünf Tage zu verkürzen. Aus Senatskreisen hieß es, eine entsprechende Beschlussvorlage für die Senatssitzung am Dienstag sei in Arbeit.
Quarantäne in Schulen: Warum man den Berliner Amtsärzten dankbar sein muss
Neuköllns Amtsarzt Nicolai Savaskan wies den Vorwurf am Sonntag zurück, ihm und seinen Kollegen gehe es in erster Linie um eine Entlastung der Gesundheitsämter. Der Kurswechsel sei wissenschaftlich geboten.
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