Kunst um 1900

Verzweiflung, Emanzipation: Camille Claudel und Bernhard Hoetger in der Alten Nationalgalerie

Berlins Alte Nationalgalerie versammelt Bronzen von Camille Claudel und Bernhard Hoetger. Sie erinnert an die Pariser Begegnung der beiden Künstler 1905, ihre Emanzipation von Rodin.

5 Min
Highlight der Berliner Ausstellung: „Das reife Alter“, Bronze. Camille Claudels Meisterwerk von 1902

Highlight der Berliner Ausstellung: „Das reife Alter“, Bronze. Camille Claudels Meisterwerk von 1902

© Leihgabe Musée d' Orsay, Paris

Was für ein Seelendrama. Jedes Gramm Bronze ein Flehen. Die kniende, den Geliebten um Rückkehr bettelnde junge Frau – eine Selbstdarstellung der Bildhauerin Camille Claudel im psychischen Ausnahmezustand – versucht, den 24 Jahre älteren Auguste Rodin zurückzuhalten. Der hingegen wird durch eine dicht neben ihm schreitende Frau weggeführt, umschlungen von Tüchern. Die Alte ist seine sehr karikiert dargestellte Lebensgefährtin Rose Beuret, von der Rodin sich nie getrennt hat. Der vom Alter gezeichnete damalige Gottvater der modernen Bildhauerei scheint zwar noch zu zaudern, aber die ausgestreckten Hände der jungen Flehenden erreichen nicht mal mehr seinen Arm. Er ist genervt. Diese Affäre war ihm zu psychotisch. Es ist aus. Endgültig.

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