Video-Kampagne gegen Gewalt

Berlins Einsatzkräfte wünschen sich mehr Respekt

In Berlin steigt die Anzahl der Angriffe gegen Feuerwehrleute und Polizisten von Jahr zu Jahr. Vermeintlich harmlose Einsätze können schnell gefährlich werden. Nun gibt es eine Kampagne für mehr Respekt gegenüber Amtsträgern.

Andreas Kopietz
4 Min
Polizisten sind regelmäßig mit Angriffen und Anfeindungen konfrontiert. Die Berliner Innenverwaltung reagiert nun mit einer Videokampagne.

Polizisten sind regelmäßig mit Angriffen und Anfeindungen konfrontiert. Die Berliner Innenverwaltung reagiert nun mit einer Videokampagne.

© imago/Christian Mang Lizenz

Ein Straßenfest im Juli: Anita Steinfort läuft mit einem Kollegen zusammen Streife. Sie sehen, wie sich zwei Männer schlagen. Eine Menschentraube hat sich um sie herum gebildet. „Sie kamen gleich auf uns zu, schubsten uns, beschimpften uns“, sagt die Polizistin. Entsetzt ist Anita Steinfort von den vielen Schaulustigen: „Sie zückten ihre Handys, statt in der Not zu helfen.“

Gepöbelt, geschubst, geschlagen

Die Gewalt gegen Staatsbedienstete in der Hauptstadt nimmt zu – Tendenz steigend. Allein 5900 Polizisten wurden im Jahr 2013 Opfer von Straftaten. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl schon auf 6540 Fälle an – im Schnitt 18 pro Tag. Gegen die um sich greifende Respektlosigkeit gegenüber Amtsträgern soll nun ein Videoclip ankämpfen, den Innensenator Frank Henkel (CDU) am Donnerstag bei einer Pressekonferenz vorstellte. Der 20.000 Euro teure Streifen ist Teil einer Kampagne der Landeskommission gegen Gewalt. Seit Donnerstag wird er im Internet verbreitet.

In dem Film geht es um fehlenden Respekt: Einem Hotel-Rezeptionisten wird ein Stinkefinger gezeigt, einem Bäcker Mehl ins Gesicht geschüttet, einer Frau, die eine Geschäftspräsentation zeigt, Knüllpapier an den Kopf geworfen. So etwas kommt an normalen Arbeitsplätzen nicht oft vor. Bei Polizei und Rettungsdienst sieht das anders aus. Selbst alltägliche und vermeintlich harmlose Einsätze können für Staatsbedienstete in Uniform gefährlich werden.

„Wir werden zu einem Verkehrsunfall gerufen, da muss man vor Ort erstmal die Straße absperren, und die Fahrzeuge zur Seite räumen“, sagt Feuerwehrmann Bernd Bruckmoser, im Film. „Da gibt es oft genug Fahrzeugführer, die der Meinung sind, sie können nicht fünf Minuten warten und fahren uns dann über den Besen oder über die Schuhe. Man muss dann schon zur Seite springen, damit man nicht zu Schaden kommt.“ „Bei Schlägereien, zu denen wir gerufen werden stellen die Parteien dann plötzlich fest, dass es eigentlich viel mehr Spaß macht, auf die Feuerwehr loszugehen. Dann sind die sich einig, und wir sind die Bösen.“


Diese Urteile fielen für Beamtenbeleidigung:

600 Euro: Duzen eines Polizisten

1.600 Euro: „Am liebsten würde ich jetzt Arschloch zu dir sagen.“

1.500 Euro: „Trottel in Uniform“

1.000 Euro: „Bullenschwein“ und Stinkefinger zeigen

400 Euro: „Wegelagerer“

1.000 Euro: „Kasperverein, Wichtelmann“

300 Euro „Leck mich“

6.000 Euro: Beschimpfen und Ohrfeige

750 Euro: Vogel zeigen


Er wünsche sich mehr Respekt, sagt er bei der Vorstellung des Films. „Es wäre schön, wenn man uns wenigstens unsere Arbeit machen ließe.“ Doch stattdessen gibt es mehr Angriffe: Es wird gepöbelt, geschubst und geschlagen. Im vergangenen Jahr registrierte die Feuerwehr 31 gewalttätige Übergriffe auf Einsatzkräfte. In diesem Jahr waren es schon 37 Fälle. Feuerwehrleuten wird eine hohe Toleranzschwelle nachgesagt, sodass die Dunkelziffer an nicht gemeldeten verbalen und körperlichen Attacken weitaus höher liegen dürfte, sagt ein Behördensprecher.

Sibylle Brüdgam vom Ordnungsamt Lichtenberg ahndete eine Ordnungswidrigkeit. „Der Autofahrer kam auf mich zu, er war damit nicht einverstanden und pöbelte rum“, erzählt sie. „Dann setzte er sich ins Fahrzeug und fuhr mich leicht an. Mein Kollege riss die Tür von dem Auto auf, forderte ihn auf, den Motor auszumachen. Daraufhin kam der Mann wutentbrannt raus und trat meinem Kollegen mit voller Wucht in den Magen.“

Angriff auf Polizisten als Volkssport

Jeder Mensch verdiene Achtung und Respekt, sagt Innensenator Henkel. „Man ist auch Mensch, wenn man eine Uniform anhat.“ Respekt verdienten auch Mitarbeiter in Jobcentern, Bürgerämtern oder Zulassungsstellen und Lehrkräfte. Laut Henkel gibt es in Berlin Viertel, in dem Polizistenangreifen zu einer Art Volkssport geworden ist. So geschehen vor einigen Tagen in der Rigaer Straße in Friedrichshain. Unter einem Vorwand wurde die Polizei dorthin gerufen, dann wurden die Beamten mit Pflastersteinen beworfen.

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