Dabei ist Bluthochdruck keineswegs nur ein Markenzeichen für gestresste Manager und Politiker, sondern eine echte Volkskrankheit. In Deutschland ist etwa jeder Vierte betroffen. Im Rentenalter sogar jeder Zweite. Die Lage ist dramatisch: Jährlich sterben mehr als 20.000 Berlinerinnen und Berliner an den Folgen wie Herzkrankheiten, Infarkt oder Schlaganfall. Das Schlimme dabei: Jeder fünfte Patient weiß nicht, dass seine Werte zu hoch sind. Und nur etwa jeder zweite Hochdruckpatient erhält eine ausreichende Behandlung.
Selbst wenn den Betroffenen die Krankheit bekannt ist, kümmern sich die meisten nicht weiter darum. Sie nehmen den Blutdruck auf die leichte Schulter. „Viele nehmen die vom Arzt verordneten Medikamente gar nicht oder nicht dauerhaft und konsequent ein“, erklärt der Kardiologe.
„Denn Bluthochdruck tut ja nicht weh. Viele denken, es wird schon nicht so tragisch sein. Das aber ist ein folgenschwerer Fehler, der im ungünstigsten Fall zum tödlichen Irrtum werden kann.“
Wann ist der Blutdruck zu hoch?
Doch die fatalen Folgen der unterschätzten Krankheit lassen sich leicht vermeiden: „Jeder Erwachsene sollte sich mindestens einmal pro Jahr den Blutdruck messen lassen“, rät Schunkert. „Auf diese Weise kann man einen beginnenden Hochdruck frühzeitig erkennen und rechtzeitig gegensteuern. Doch wann ist der Blutdruck zu hoch? Hier gibt es wichtige neue Erkenntnisse. Früher galt: Der Blutdruck sollte auf 100 mmHg plus Lebensalter eingestellt werden. Die Abkürzung mmHg steht für „Millimeter Quecksilbersäule“, Hg ist die chemische Bezeichnung für Quecksilber. Für einen 60-Jährigen bedeutet die Faustformel also 160 mmHg. Das ist jedoch schon lange überholt.
Später wurde die Grenze des oberen Wertes auf 140 und die des unteren Wertes auf 90 festgelegt, was aber auch nur von nicht einmal der Hälfte aller Bluthochdruck-Patienten erreicht wird. Vor kurzem kam nun eine große und aufsehenerregende wissenschaftliche Studie zu dem Ergebnis, dass es oft am besten sei, den Blutdruck sogar auf unter 120 mmHg zu senken. „Diese sogenannte Sprint-Studie, die an über 9300 Patienten über 50 Jahren durchgeführt wurde, erregte unter Medizinern weltweit großes Aufsehen“, sagt Schunkert. „Allerdings gelten die neuen Zielwerte von unter 120 mmHg nicht für alle Patienten.
Eine derart intensive Blutdrucksenkung kann in manchen Fällen sogar schaden.“ Zum Beispiel dann, wenn gleichzeitig Begleiterkrankungen wie etwa eine Koronare Herzkrankheit vorliegen. Hier könnte eine zu starke Senkung des Blutdrucks die Durchblutung der Herzkranzgefäße vermindern.
Was kann gegen Bluthochdruck getan werden?
Doch welche neuen Regeln gelten nun? Laut Schunkert sollte der Blutdruck bei Menschen mit einem mäßigen Herz-Kreislauf-Risiko unter 130 mmHg liegen. Bei geeigneten Patienten könnte eine stärkere Senkung auf unter 120 mmHg weitere beeindruckende Erfolge bringen. „Das sind“, so der Kardiologe, „Frauen und Männer über 50 Jahre, deren Herz-Kreislauf-Risiko noch nicht allzu hoch liegt.“
Als neue Faustregel gilt: Je jünger und gesünder ein Patient mit Bluthochdruck ist, desto näher sollte er an die Grenze von 120 mmHg herangeführt werden.
„Ein junger Mensch beispielsweise, dessen Blutdruck bei 140 mmHg liegt, was bis vor kurzem gerade noch als normal galt, sollte seine Werte heute auf unter 120 mmHg senken“, sagt Schunkert. Allerdings nur dann, wenn keine Begleiterscheinungen wie zu niedriger Blutdruck, Ohnmachtsanfälle, Schwindel oder Störungen des Elektrolythaushalts vorliegen. Deshalb sollte der Hausarzt Blutdruck und Zustand des Patienten regelmäßig kontrollieren.“
So senken Sie die Werte ohne Pillen
Fünf Tipps: Durch einen gesünderen Lebensstil lässt sich Bluthochdruck günstig beeinflussen. Nachfolgend einige Empfehlungen der Deutschen Herzstiftung.
Sportprogramm: Mit fünfmal pro Woche jeweils 30 Minuten Ausdauersport lassen sich bei Bluthochdruck die Werte um etwa fünf bis zehn mmHg senken.
Ernährung: Schafft man es, die tägliche Kochsalzzufuhr auf unter sechs Gramm zu verringern, kann man dadurch den hohen Blutdruck deutlich senken.
Alkohol-Verzicht: Männer sollten nicht mehr als 20 Gramm Alkohol pro Tag trinken, was einem halben Liter Bier entspricht, Frauen nur die Hälfte.
Gewichtsreduktion: Jedes verlorene Kilogramm kann den Blutdruck um ein halbes bis zwei mmHg senken.
Stressvermeidung: Bestimmte Formen von Stress treiben den Blutdruck in die Höhe. Erkundigen Sie sich, wo in Ihrer Gegend Seminare für eine bessere Stressbewältigung angeboten werden.
Die Behandlung durch den Hausarzt beginnt oft mit einer Umstellung des Lebensstils. Wenn das nach spätestens drei bis sechs Monaten nicht gelingt oder wenn die Werte stark erhöht sind, verschreibt der Arzt Medikamente. Oft kombiniert er dabei mehrere Präparate. Aber nicht, weil die Krankheit besonders schlimm ist, sondern weil sich die Wirkungen der einzelnen Mittel addieren und die möglichen Nebenwirkungen geringer ausfallen.
Bluthochdruck: Ängste vor Dauertherapie unbegründet
Zu diesen Nebenwirkungen gehören Müdigkeit, Schwindel oder Atemnot. Sie treten oft nur vorübergehend auf. Nach etwa zwei Wochen hat sich der Körper in der Regel daran gewöhnt, dass er nicht mehr unter Dampf steht.
Ängste vor einer Dauertherapie sind außerdem unbegründet. Denn ein unbehandelter Hochdruck hat wesentlich schlimmere Folgen als ein paar leichtere Nebenwirkungen. Kardiologe Schunkert: „Nur wer seinen erhöhten Blutdruck auf Dauer normalisiert, kann Gefäßverkalkung, Augen- und Nierenschäden, Herzinfarkte und Schlaganfälle verhindern.“
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